Krisenreiche Amtszeit

Spezial / 11.02.2013 • 21:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Bilanz: Papst Benedikt XVI. hielt stets am konservativen Kurs der Kirche fest.

Vatikanstadt. Eine richtungsweisende „Ära Benedikt“ ist es nicht geworden. Dafür war die Zeit des Joseph Ratzinger auf dem Stuhl Petri denn doch zu kurz und ein klarer Reformwille nicht zu sehen. Knapp acht Jahre regierte der Deutsche als Nachfolger des populären Johannes Paul II. die katholische Weltkirche. Dies gilt in der Zeitrechnung des Vatikans bereits nicht mehr nur als Zwischenspiel.

Als Kardinal prägend

Der Bayer aus Marktl am Inn wird den Gläubigen trotz der Kürze seines Pontifikats in Erinnerung bleiben als einer, der das Gesicht seiner Kirche immens geprägt hat. Denn vor seiner von Krisen geschüttelten Zeit als Papst Benedikt XVI. war er über 20 Jahre lang als Kardinal Joseph Ratzinger „oberster Glaubenshüter“ der Kirche. Auch das Bild bleibt: Benedikt, der sich 2010 dem üblen Missbrauchsskandal der Kirche gestellt hat. Zwei Jahre später traf ihn die „Vatileaks“-Krise um veruntreute Dokumente von seinem Tisch.

Es ist ein Wechselbad der Gefühle: In den römischen Nieselregen mischt sich am 19. April 2005 weißer Rauch aus einem vatikanischen Schornstein. Zweieinhalb Wochen zuvor hatten Millionen Gläubige den charismatischen polnischen Pontifex beweint, ihren Johannes Paul II., gestorben 84-jährig nach einem schlimmen Leiden. Nun tritt abends im päpstlichen Gewand derjenige auf den Balkon des Petersdomes, der fast ein Vierteljahrhundert lang der mächtigste Mann hinter Karol Wojtyla war: Die Kardinäle haben im Konklave Joseph Ratzinger drei Tage nach seinem 78. Geburtstag an die Spitze der katholischen Kirche gewählt. Wie würde er das Schiff lenken? Jahre später sind die Gefühle gemischt. Jener bayerische Theologieprofessor, der gar nicht Papst werden wollte, hatte mit seiner freundlichen und zurückhaltenden Art zunächst die Masse der Gläubigen in seinen eher unspektakulären Bann gezogen. Dann sorgten kritische Worte dieses brillanten Denkers, der für sich den Papstnamen Benedikt XVI. gewählt hatte, für Aufruhr bei Muslimen.

Kommunikationspannen des Vatikans verschlimmerten die Krise rund um die Wiederannäherung Roms an die erzkonservativen Pius-Brüder mit dem Holocaustleugner Richard Williamson. Später verbreiterte das häppchenweise Aufdecken sexuellen Missbrauchs die Kluft zwischen der Kirche und den Gläubigen.

Kleiner Arbeiter im Weinberg

„Ich bin doch nur ein einfacher, kleiner Arbeiter im Weinberg des Herrn“, hatte der frisch gewählte Papst erklärt, der als Präfekt der Glaubenskongregation oft als „Panzerkardinal“ angefeindet worden war. Bereits als er 1981 von Johannes Paul II. in den Vatikan geholt wird, lautet Joseph Ratzingers bis zuletzt gültige Botschaft: „Nicht alle Meldungen, die aus Rom kommen, werden angenehm sein.“ Er sah auch als Papst seine Aufgabe darin, den konservativen Kurs seines polnischen Vorgängers fortzusetzen.

Er wollte die Einheit der Kirche bewahren – so gut es eben ging. Und er hielt deshalb trotz aller Kritik an den Werten fest, die er als überlebensnotwendig ansieht. So blieben lange geforderte Reformen etwa beim Zölibat oder der Sexualmoral aus.