Ein ganzes Jahr zornig bleiben
Zwei Medaillen nach den beiden Riesenslaloms der Damen und Herren, das hätten die ÖSV-Oberen im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Schladming sofort unterschrieben. Mit der insgeheimen Hoffnung auf Gold wurde es indes nichts. Bei den Damen musste man schließlich froh sein, dass sich Fenninger mit einem tollen zweiten Lauf noch Bronze sicherte. Katrin Zettel wurde unter ihrem Wert geschlagen, da sie dem nervlichen Druck im zweiten Durchgang nicht gewachsen war. So wurde die Französin Tessa Worley souverän Weltmeisterin und es kam in keinem der beiden Läufe Zweifel auf, wer hier die Chefin war.
Der Überflieger bei den Herren war, wieder einmal, Ted Ligety. Im ersten Durchgang schockte der Amerikaner die gesamte Konkurrenz mit einem sagenhaften Lauf. Er scheint vom Körperbau her leichte Vorteile zu besitzen. Seine Schräglage ist extrem, der Hintern berührt regelmäßig die Piste. Er braucht den Protektor woanders als die anderen. Ligety kann mit dem neuen Material kürzere Radien fahren, als alle anderen. Es war wie zu Ingemar Stenmarks Zeiten: Der Vorsprung auf Aksel Lund Svindal und Marcel Hirscher betrug in Schladming satte 1,3 Sekunden. Hinter diesen beiden drängte sich der Rest. Schon daran konnte man die Extraklasse des neuen Riesentorlauf-Weltmeisters ermessen.
Hirscher erkannte man im ersten Lauf nicht wieder, zu seinen super Leistungen vom Jänner. Die Bewegungen waren hektisch und alles andere als elegant. Ob es wirklich an seiner Muskelverhärtung im Rücken lag, wie man kolportierte, wage ich zu bezweifeln. Zumindest sah es dann im zweiten Durchgang ja wieder Hirscher-like aus und er konnte sich mit dieser guten Leistung die Silbermedaille sichern.
Ein bisschen mehr erwartet hatte ich mir von Marcel Mathis. Zeitweise war der junge Mann aus Hohenems sehr gut unterwegs. Aber die Fahrt war einfach zu unbeständig, wie schon die gesamte Saison über. Zu Recht war er sehr wütend im Ziel und das bekamen die Schaumstoffabsperrungen schmerzlich zu spüren. Ich hoffe, Marcel bleibt bis zum nächsten Jahr zornig, wenn er in Sotschi bei den Olympischen Winterspielen am Start steht.
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