Vereint in positiven Emotionen

Bernadette und Peter Mennel schreiben ein eigenes Kapitel dieser Winterspiele.
Tschagguns. Gegen Zuneigung ist kein Kraut gewachsen. Da kann Peter Mennel (59) die meiste Zeit eine noch so offizielle Miene aufsetzen und auch Bernadette Mennel ( 55) ihr staatstragendes Konterfei durch den Tag tragen – irgendwann bricht sie durch, die Geschwisterliebe. Dann, je nach Situation, herzt Peter seine Schwester hemmungslos. Und wenn Bernadette nach einem „Schmatz“ für ihren Bruder zumute ist – dann tut sie’s einfach.
Die besondere Geschichte
Die Geschichte der Jugend-Winterspiele in Vorarlberg und Liechtenstein ist auch eine Geschichte von Bruder und Schwester. Und deshalb eine herzliche. Peter Mennel, der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees und Aufsichtsratsvorsitzender des Projekts EYOF 2015, kümmert sich um den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung, Schwester Bernadette ist als Sportlandesrätin unentwegt als Botschafterin „dieser wunderbaren und einmaligen Spiele“ unterwegs.
Sie musste sich wehren
Bruder und Schwester sehen sich derzeit täglich. So wie vor vielen Jahren. Als sich Bernie, wie sie gerufen wird, noch wehren musste gegen den ungestümen älteren Bruder. „Er war ein Revoluzzer“, sagt sie mit einem liebevollen Lächeln in Richtung des schon längst gezähmten Blutsverwandten. „Jaja“, grinst der zurück, „die Bernie musste sich schon wehren. Aber das tat sie auch.“
Die Bernie war aber auch immer für ihren Bruder da und umgekehrt, wenn’s wirklich zählte. Zum Beispiel als Peter einmal drei Zeugnisfünfer nach Hause brachte und der Vater daraufhin fast ausflippte. „Ich musste kalmieren und habe mit Totaleinsatz im Haushalt die Gemüter wieder beruhigen können“, erinnert sich die Schwester.
Bernadette und Peter Mennel wuchsen in einfachen Verhältnissen auf. Der Vater war Gendarm, die Mutter Hausfrau, es gab nichts im Überfluss. Da erinnern sich beide an rührende Erlebnisse in der Kindheit. „Unsere Mama machte öfters Marillenknödel. In denen war ein Zuckerstück. Nur in einem ein Marillenkern. Und wer jenen Knödel mit dem Marillenkern erwischte, bekam anschließend ein Eis. Man kann sich vorstellen, wie wir uns über die Knödel hermachten“, lacht Bernadette herzhaft. Die Jahre zogen durchs Land und die beiden Geschwister nacheinander nach Innsbruck. Dort absolvierten sie erfolgreich ihr Jusstudium und machten anschließend Karriere. In den wohligen Kinderschuhen stecken blieb das innige Bruder-Schwester-Verhältnis.
Die Emotionen
Daran ändert auch der professionelle Umgang in der Sache nichts – der den besonderen Umständen ihrer beruflichen Positionen geschuldet ist. Hier der EYOF-Aufsichtsratsvorsitzende, da die Schullandesrätin. Beide müssen etwas voneinander wollen und das dann auch in der Öffentlichkeit vertreten. Vereint sind sie spätestens in den Emotionen wieder, wenn sie gemeinsam oder getrennt die Wettkämpfe besuchen. Wenn ihnen die Begeisterung der Jugendlichen entgegenschlägt, „dann bin ich so gerührt, dass mir fast ein paar Tränen kommen könnten“, outet sich der zielstrebige Macher Peter Mennel als Softie unter besonderen Umständen. Auch Bernadette will gar nicht mehr aufhören zu schwärmen. „Fantastisch, einmalig. Was bekommen wir während der Jugend-Winterspiele nicht für überwältigende Eindrücke.“
Mein Bruder war ein Revoluzzer. Ich musste oft kalmieren.
Bernadette Mennel
Die Bernie musste sich schon wehren. Das tat sie auch.
Peter Mennel