Toni Innauer

Kommentar

Toni Innauer

Sommerfrische als Erfolgsrezept

Sport / 19.10.2016 • 23:04 Uhr

Mit dem Skiweltcup-Opening in Sölden melden sich die Alpinen rennmäßig in der Öffentlichkeit zurück. Die Skiteams haben im Sommer viele Wochen auf der anderen Seite unserer Weltkugel verbracht. Sommerfrische im doppelten Sinne ist das Erfolgsrezept der Alpinfraktion. Man reist nach Neuseeland oder Chile, wo frische Temperaturen herrschen, wo es Schnee und harte Pisten gibt und in physiologisch bekömmlicher Seehöhe trainiert werden kann. Gleichzeitig gönnt man der Öffentlichkeit eine lohnende Skipause. Nach einem langen Winter mit erschöpfend vielen Count-downs, Rennen und Analysen im Fernsehen tut die sommerliche Ski-Enthaltsamkeit gut. Der eingefleischte Fan muss sich mit ganz wenigen Rennresultaten, geheimnisumwitterten Ergebnissen von Zeitläufen, Bildern vom Konditions- und Skitraining und Twitter-Absonderungen begnügen.

Die kurz aufblitzende Idee eines Sommerweltcups auf der südlichen Halbkugel hatte bei den Alpinen nie eine echte Chance. Marketingstrategische und logistische Überlegungen sprechen klar dagegen. Zu klein sind Märkte und Interesse vor Ort, zu groß der Aufwand und fragwürdig die Wirkung auf die Kernländer. In der erholsamen Sendepause entstehen frischer Wind und Vorfreude auf die ersten Skirennen. Sölden beendet, mit meist wunderbaren Winterbildern, einem viel zu schweren Hang und in dünner Gletscherluft den alpinen Sommerschlaf. Schnee, hoffentlich Sonnenschein und vor allem Winter wird gezeigt, und das funktioniert immer wieder.

Die Skispringer mit ihren Sommeranlagen gehen einen anderen Weg: Springer und Kombinierer betreiben ihre Sommerwettkämpfe ohne nennenswerten sportlichen Qualitätsverlust, wohl aber mit deutlich reduziertem Interesse der Öffentlichkeit. Auch Skispringen steht für den Winter. Wenige Orte wie Courchevel oder Hinterzarten haben fein funktionierende Sommer-Veranstaltungen etabliert. Wettkampfformate können für den Winter ausprobiert, Veranstalter von Kasachstan über die Türkei bis nach Korea von der FIS getestet und bei Laune gehalten werden. Eurosport berichtet verlässlich und launig darüber. Kurz vor dem Sölden-Opening endete der Skisprung-Sommer-Grandprix 2016 in Klingental. Aber, … außer Insidern kennt kaum jemand den Sieger. Der Pole Maciej Kot, trainiert von Neo-Nationalcoach Stefan Horngacher, war der diesjährige Sommer-Dominator. In Schnee und Winter, unter Beteiligung aller Stars, wird sich einmal mehr zeigen, ob diese Resultat mehr wert sind als Gerüchte von Bestzeiten bei Zeitläufen der Alpinen in Neuseeland und Chile . . .

Schnee, hoffentlich Sonnenschein und vor allem Winter wird gezeigt, und das funktioniert immer wieder.

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