Immer noch wie ein „junger Hüpfer“

Sport / 10.02.2017 • 20:44 Uhr
Runder Geburtstag für Anita Wachter, Vorarlbergs erfolgreichste Skirennläuferin. Foto: hofmeister
Runder Geburtstag für Anita Wachter, Vorarlbergs erfolgreichste Skirennläuferin. Foto: hofmeister

Am Sonntag feiert Olympiasiegerin Anita Wachter ihren 50. Geburtstag.

Bartholomäberg. Angst vor dem Alter? Anita Wachter lächelt. „Man ist so alt, wie man sich fühlt“, sagt sie dann kokett. Und alt fühlt sich die ehemalige Weltklasse­skirennläuferin, die morgen, Sonntag, ihren 50. Geburtstag feiert, mit Sicherheit nicht. Davon zeugt schon ihr äußeres Erscheinungsbild. Ihre grazile Figur hat sie sich ebenso bewahrt wie ihr jugendliches Aussehen. Nur ein paar Lachfältchen haben sich um die Augen eingenistet, ansonsten geht Anita immer noch als „junger Hüpfer“ durch. Die Arbeit mit dem Montafoner Skinachwuchs und die eigenen Töchter Amanda (14) und Angelina (12) halten sie in Schwung. Deshalb denkt sie auch kaum groß über den bevorstehenden „Runden“ nach. Ein ganz normaler Tag sei es für sie. Dennoch ist da ein bisschen fiebrige Vorfreude zu spüren. Ihr Lebensgefährte und Head-Rennsportleiter Rainer Salzgeber (49) wird bei der Ski-WM in St. Moritz trotz Damenabfahrt alles liegen und stehen lassen und den Fünfziger mit ihr gemeinsam feiern. „Das hat Vorrang“, entschied er für sich.

Mit Leistung geglänzt

Anita Wachter zählt zweifellos zu den erfolgreichsten ÖSV-Athletinnen der 1980er- und 1990er-Jahre. Insgesamt 18 Weltcupsiege feierte sie während ihrer aktiven Zeit, gewann einmal den Gesamtweltcup, einmal den RTL-Weltcup sowie Edelmetall in allen Farben bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Für sie selbst liegt das weit zurück. Und Reisen in die Vergangenheit sind nicht ihres. Deshalb gibt es auch keine Vitrine mit auf Hochglanz polierten Pokalen und Medaillen. Die große Kugel steht ohnehin im Skimuseum in Tschagguns, alles andere ist irgendwo im Haus verstreut gelagert. Was Wachter aber nicht als Geringschätzung verstanden wissen möchte. Nur: Sich selbst und ihre Siege in die Auslage zu stellen, das wollte sie nie. Wachter gehörte im Rennzirkus zu jenen, die lieber mit Leistung glänzten.

Auch jetzt vermisst sie die Öffentlichkeit nicht. Im Zusammenhang mit dem Geburtstag werde sie natürlich des Öfteren auf ihre Karriere angesprochen. Dann taucht sie kurz in diesen Teil des Lebens ein. Nicht mehr. Wachter hat sich in ihrem neuen Dasein eingerichtet, und es geht ihr gut damit. Die Rennen bei der laufenden Ski-WM verfolgt sie interessiert, aber: „Ich bin froh, dass ich diesen Trubel hinter mir habe.“ Wachter genießt es, die Zeit nach ihrem eigenen Gutdünken gestalten zu können.

„In erster Linie bin ich Mutter“, sagt sie mit einem liebevollen Blick auf Tochter Angelina. Die zweite Liebe gehört dem Skinachwuchs des SC Montafon. Anfangs half sie als Trainerin nur aus, mittlerweile ist daraus fast ein Fulltime-Job geworden. Auch Amanda und Angelina hat sie unter die Fittiche genommen. Und die Wachter-Mädchen wandeln bereits recht erfolgreich auf den Spuren ihrer Mama. Für die ist nur wichtig, dass es den Kindern Spaß macht. Ehrgeiz plagt die Mutter diesbezüglich nicht.

Wachter stand schon sehr früh auf Skiern. Mit gerade einmal zwei Jahren zog sie, begleitet von ihren Brüdern, die ersten Schwünge in den Schnee. Schließlich blieb sie an diesem Sport hängen. Sie besuchte die Skihauptschule in Schruns und später die Skihandelsschule in Stams.

Ein Schlüsselerlebnis

Die legendären Goldschlüsselrennen bescherten ihr jedoch im wahrsten Sinne des Wortes ein Schlüsselerlebnis, das sie im Nachhinein als entscheidend für ihre skifahrerische Laufbahn deutet. Was war geschehen? Die französische Slalomläuferin Fabienne Serrat gewährte der jungen Anita einen Blick in das Hotelzimmer, in dem sie logierte. „Da standen zwei Paar Skischuhe“, erinnert sich Wachter. Für das Rennküken „ein Wahnsinn“ und Initialzündung, die eigene Skikarriere voranzutreiben. 1985 stieg Anita zu den ganz Großen auf und fuhr in Marburg ihr erstes Weltcuprennen. Es sollten in den 17 Jahren, in denen sie mit dem Rennzirkus durch die Welt tourte, noch viele werden. Den besonderen Sieg gibt es für sie allerdings nicht. Denn: „Jeder hat etwas Spezielles, weil hinter jedem eine eigene Geschichte steht.“

Zurückgekämpft

Auch von Verletzungen blieb die sympathische Montafonerin nicht verschont. Besonders schlimm erwischte es sie 1998 beim Super G in Cortina, wo sie sich im rechten Knie das Kreuzband und sämtliche anderen Bänder riss. Kaum jemand glaubte noch an ein Comeback, außer ihr selbst. „Nach jeder Verletzung setzte ich mir ein neues Ziel“, erzählt Wachter. Und jedes Mal kämpfte sie sich zurück an die Spitze. 2001 zog sie sich aus dem Skisport und ins Privatleben zurück, das sie mit ihrem Lebensgefährten, den Töchtern und Hündin Nora in einem schmucken Haus in Bartholomäberg genießt. Würde sie sich heute wieder für diesen Weg entscheiden? „Ja“, antwortet sie spontan, wiewohl heute vielmehr von den Athleten verlangt werde. „Früher war es unbeschwerter“, ist Anita Wachter überzeugt. Doch wie gesagt: Sie würde es wieder tun.

Immer noch wie ein „junger Hüpfer“
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