Vom Rennrad zur Pflege

Radsportlerin Melanie Amann (20) beendet ihre Sportkarriere und orientiert sich völlig neu.
Hohenems Sie galt als eine der größten Zukunftshoffnungen im österreichischen Radrennsport. Melanie Amann (20) bestätigte die Vorschusslorbeeren auch mit zahlreichen Titeln und noch mehr guten Platzierungen. Ein Unfall im März des vergangenen Jahres hat die junge Hohenemserin jetzt aber zur Aufgabe gezwungen. Doch sie trauert dem ungeplanten Karriereende keineswegs nach. „Es war eine schöne Zeit“, resümiert Melanie Amann und blickt schon wieder nach vorne. Allerdings hat die berufliche Zukunft wenig mit Sport zu tun. Stattdessen zieht es Melanie Amann in die Pflege. Derzeit absolviert sie dafür ein Praktikum im Seniorenheim der SeneCura in Hohenems. Im Oktober möchte sie an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Feldkirch mit der Diplomausbildung beginnen. Zuvor aber geht es für Melanie Amann noch für sieben Monate als Au-pair nach Schottland. Und wie ist es mit dem Radfahren? „In den Sattel steige ich nur noch, um mich fit zu halten“ sagt Melanie Amann. Dabei wirkt sie rundum zufrieden.
Beliebte Praktikantin
Ebenmäßiges Gesicht, lange dunkle Haare, sportliche Figur und ein Gardemaß von 1,82 Meter: Melanie Amann ist eine sehr aparte Erscheinung. Aber nicht nur das attraktive Äußere fällt sofort ins Auge. Trotz ihrer Jugend weiß sie auch, mit alten Menschen umzugehen. Die Bewohner des SeneCura-Heims in der Bahnhofstraße in Hohenems haben Melanie Amann jedenfalls schon ins Herz geschlossen. Elisabeth Schuler (96) sitzt neben der Praktikantin und strahlt sie an. Dann meint sie verschmitzt lächelnd: „Die Älteste und die Jüngste zemma ufam Bänkle.“ Melanie Amann lächelt ebenfalls. „Die Leute merken schon, wenn man etwas gerne macht“, meint sie dann ganz bescheiden.
Entsendung gerechtfertigt
Leidenschaftlich hat sie auch den Radrennsport betrieben. Mit zehn wollte sie ihrem Vater, Mario Amann, auf dem Mountainbike nacheifern. Für diese Art von Rad und Rennen fehlte es ihrer Einschätzung nach jedoch an der nötigen Wendigkeit. Dennoch konnte und wollte sie vom Rennradeln nicht lassen. „Es war wie eine Droge“, erinnert sich Melanie Amann. Also wechselte sie mit 17 auf das Rennrad. Als größtes Erlebnis ihrer kurzen Sportlerlaufbahn bezeichnet sie die Teilnahme an der Jugendolympiade in China 2014, wo sie, wie auch bei den EYOF in den Niederlanden 2013, als bisher Einzige aus der österreichischen Radsportszene starten durfte. In China rechtfertigte sie mit einem neunten Platz im Eliminator-Bewerb und einem elften in der Staffel ihre Entsendung.
Amann zählte beständig zu den Besten ihres Jahrgangs. Ihr Ausnahmetalent zeigte sich auch daran, dass sie schon als Juniorin mit der Tschechien-Rundfahrt ein großes Etappenrennen beenden konnte. Als sportlich größten Erfolg stuft sie den 22. Platz beim Zeitfahren im Rahmen des Weltcups in Frankreich ein. Auch in Österreich zeigte die Vorarlbergerin der Konkurrenz, wo „Bartle den Most“ holt. Nicht weniger als 19 Mal stand sie bei heimischen Meisterschaften auf dem Podest, davon achtmal als Meisterin. Sogar zehn Tage nach dem Unfall schaffte es Melanie Amann trotz zahlreicher Blessuren und zwei gebrochener Rippen noch einmal zum Titel. Damit nicht genug: Drei Tage später ging sie auch bei der Junioren-EM in Estland an den Start.
Endgültig abgerüstet
Ideale Trainingsbedingungen fand die Hohenemserin beim Bundesheer vor. „Ich hatte dort alle Freiheiten“, erinnert sich Melanie Amann dankbar. Im November rüstete die ehemalige Sportgymnasiastin dann ab und das endgültig. Der Anfang vom Ende kündigte sich im Frühjahr 2017 an. Auf der Heimfahrt von einem Trainingslager in Kroatien passierte der folgenschwere Unfall. Melanie Amann zog sich einen Wirbelbruch und Rippenbrüche zu. Ans Aufgeben dachte sie damals aber noch nicht. „Ich probierte es immer wieder“, erzählt sie. Doch die Schmerzen blieben. Sie bewogen die junge Sportlerin schließlich zum Rücktritt. Beides, Unfall und Karriereende, hat Melanie Amann gut aufgearbeitet. Nun hat anderes Priorität. Sie freut sich darauf.
„In den Sattel steige ich nur noch, um mich für die Arbeit fit zu halten.“