Die Einsiedler streben ins Rampenlicht

Sport / 13.02.2018 • 21:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für die heimischen Snowboard-Asse ging es am Dienstag im Training auf die Wettkampfpiste. Alessandro Hämmerle blickt dem Rennen optimistisch entgegen. VN/HK
Für die heimischen Snowboard-Asse ging es am Dienstag im Training auf die Wettkampfpiste. Alessandro Hämmerle blickt dem Rennen optimistisch entgegen. VN/HK

Markus Schairer und Alessandro Hämmerle fiebern ihrem Auftritt am Donnerstag entgegen.

Snowboard Olympia? „Daran will ich nicht denken. Ich denke an den Kurs, an den Schnee, an die Verhältnisse in Bokwang. Sich bewusst zu machen, worum es hier geht, würde nur schaden.“ Alessandro Hämmerle, Vorarlbergs vielleicht heißestes Eisen auf eine Olympiamedaille, will sich nicht ablenken lassen. Er ist bereit. Das war er vor zwei Tagen noch nicht. „Da spürte ich den Jetlag so arg, dass ich in der Nacht nicht schlafen konnte und am Tag müde war.“ Eine Therapiebehandlung im olympischen Dorf half. Jetzt schläft „Izzi“ wieder dann, wenn er schlafen sollte, und ist voll da, wenn es Zeit für Action ist.

Der Wind, der Wind . . .

Die Snowboarder sind die Einsiedler der Olympiade. „Gelegentlich kommst du dir schon sehr abgeschottet vor“, gesteht Markus Schairer im abgelegenen Bokwang, und gibt zu: „Ein bisschen Olympia-Feeling würde nicht schaden.“ Die volle Konzentration des Routiniers zielt gerade auch deswegen voll auf das ganz große Feeling ab. Das kann nur eine Medaille erzeugen. „Deswegen bin ich hier. Und nur das kann mein Ziel sein.“ Leicht wird’s unter den vorherrschenden Verhältnissen für keinen der Medaillenjäger mit dem Snowboardbrett. „Der Wind ist einfach nur ärgerlich. Du weißt derzeit überhaupt nicht wie’s kommt. Ich erwischte im Training bereits Böen von drei Seiten“, berichtet Schairer.

Kollege „Izzi“ versucht, sich auf die schwierigen Bedingungen so gut wie möglich einzustellen. „Du musst das vor allem bei den Sprüngen tun. Eine Böe kann die Sprungphase plötzlich verändern. Aber was wir vom Wetterbericht auf Donnerstag wissen, soll es besser werden. Hoffentlich stimmt’s“, übt sich der Gaschurner in Optimismus.

Fokussiert auf die Aufgabe

Die Montafoner Medaillenhoffnungen sind keine Weicheier und zeigen sich daher mit den beeinflussbaren Rahmenbedingungen ihres Olympia-Abenteuers rundum zufrieden. „Die Unterkunft ist prima, das Essen vielleicht ein bisschen schwierig, betreut werden wir hervorragend“, beschreibt Schairer seine Befindlichkeit. Der Ex-Weltmeister ist froh, ohne Familie in Bokwang zu sein. „Ich telefoniere jeden Tag mit daheim, bin aber froh, dass ich mich sonst völlig ungestört auf meinen Wettkampf vorbereiten kann. So kann ich mein Programm durchziehen, wie ich es brauche. Und in ein paar Tagen bin ich dann eh wieder zu Hause.“

Familienunterstützung hat hingegen Alessandro Hämmerle. „Meine Brüder Gino und Lucca sind mit einem Freund hier. Derzeit weilen sie jedoch in Seoul, werden dann aber beim Bewerb selbstverständlich dabei sein.“

Die Favoriten

Die Zeit bis zum Wettkampf werden die Snowboarder optimal zu nützen versuchen. Beim gestrigen Training durften sie für zwei Stunden auf die Wettkampfpiste. „Wir hatten ein Zeitfenster von zwei Stunden. So wie alle anderen auch“, berichtet Hämmerle.

Stichwort andere: Natürlich werden die Gegner während des Trainings genau beobachtet. Dazu gibt es Videoaufzeichnungen der eigenen Fahrten, die dann am Abend zur akribischen Analyse vorliegen. Die Favoriten sind dieselben wie bei den Weltcuprennen: Pullin und Voltier. . . und Alessandro Hämmerle. Aber es könne ja auch ganz anders kommen, meint Letzterer. Und dann traut sich „Izzi“ doch noch, auf den bedeutungsschwangeren Gehalt der Veranstaltung hinzuweisen. „Es ist ja Olympia.“

„Der Wind ist einfach nur ärgerlich. Du weißt derzeit überhaupt nicht wie’s kommt.“