„Mir fehlte die spezielle Vorbereitung“

Sport / 22.02.2018 • 18:38 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Sulzberger Dominik Baldauf hat seinen Blick schon wieder nach vorne gerichtet. Als nächstes steht für ihn der Wasa-Lauf auf dem Programm.GEPA
Der Sulzberger Dominik Baldauf hat seinen Blick schon wieder nach vorne gerichtet. Als nächstes steht für ihn der Wasa-Lauf auf dem Programm.GEPA

Dominik Baldauf will die Olympia-Rennen zum Anlass nehmen, um sich weiterzuentwickeln.

Pyeongchang Es hätte buchstäblich besser laufen können. Das weiß Vorarlbergs bester Langläufer Dominik Baldauf nach seinen vier Rennen bei den olympischen Spielen in Pyeongchang. Doch sein Blick ist nach Abschluss des olympischen Abenteuers schon wieder nach vorne gerichtet. Freude kommt beim Sulzberger auf, wenn er an seine Teilnahme am Wasa-Lauf denkt, der am 4. März stattfindet.

Warum hat es bei Olympia nicht so geklappt wie gewünscht?

Baldauf Das Problem war, dass wir vor der Saison wenige Quotenplätze für Olympia hatten. Ursprünglich hätten nur zwei Herren dabei sein dürfen. Daher setzte man uns schon im Sommer unter Druck. Wir mussten also von Anfang der Saison an voll da sein. Das hieß für mich: Ich brauchte bereits im November die Form, um mich für Olympia zu qualifizieren. Ich musste ein dichtes Programm absolvieren, ließ daher im Weltcup bis zu Olympia nur eine Station aus. Ich hatte nur an Weihnachten ein Wochenende frei und deswegen auch keine Zeit zu trainieren. Es war für mich klar, dass irgendwann ein Tief kommen musste. Bitter, dass es ausgerechnet bei den olympischen Spielen passierte. Mit fehlte die spezielle Vorbereitung.

Das heißt, die Schwerpunktsetzung war nicht gezielt auf Olympia ausgerichtet?

Baldauf Ja, so kann man das sagen.

Waren die Gegner bei den Spielen vielleicht auch stärker als sonst?

Baldauf Nein. Bei olympischen Spielen sind die Topfavoriten immer in Bestform. Viele hatten aber auch weniger Weltcuprennen in den Beinen, kamen also ausgeruhter hierher. Sie haben sich speziell für die Olympischen Spiele vorbereitet. Das habe ich nicht getan.

Hat Sie einer der Favoriten mit seinen Leistungen besonders überrascht?

Baldauf Im Großen und Ganzen haben sich die Favoriten, so wie erwartet, durchgesetzt. Überrascht hat mich etwas der Russe Spitsov. Der hat eine Medaille gemacht und wurde im Skiathlon Vierter. Mit dem habe ich nicht gerechnet. Der war sonst nie in den Top Ten.

Gibt es eine mit Österreich vergleichbare Nation, an der wir uns in Zukunft orientieren können?

Baldauf Die Schweiz ist ein Land, an dem wir uns orientieren können. Die haben einen Cologna, an dem sich die anderen aufrichten. Du merkst das an den vielen starken Jungen, die dort nachkommen. Aber die Schweiz ist im Sport ja ohnehin in vielen Sportarten ein Phänomen. Uns fehlt im Langlauf derzeit einfach das Zugpferd. Einer, der ganz vorne mitläuft. Wir sind eine junge Mannschaft und stehen jetzt im Mittelpunkt. Früher gab es noch die goldene Generation mit Hofmann und Botvinov. Wenn damals ein Junger 20. wurde, war’s egal. Wir müssen jetzt versuchen, uns Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Und wir werden auch
alles daransetzen, um weiterzukommen.

Zurück zu diesen Spielen. Gab es auch ein Materialproblem?

Baldauf Bei der Staffel war der Ski nicht unbedingt das Wahre. Aber ich bin nicht derjenige, der sich bei Misserfolg auf das Material hinausredet. Ich hatte ja oft auch schon einen superschnellen Ski, und dann bin ich einen Mist zusammengelaufen. Dann kommen auch nicht die Serviceleute her und sagen: Warum bist du so einen Mist gelaufen? Nach der Staffel haben sie sich ohnehin bei uns entschuldigt.

Was sehen Sie positiv an Ihren Einsätzen hier bei Olympia?

Baldauf Positiv sehe ich, dass ich in den Rennen schon auch Phasen hatte, wo ich stark war. Das stimmt mich optimistisch für die Zukunft. Beim Langlaufen sagt man ja, dass man sich erst ab 26 dem Leistungszenit nähert. Und ich werde ja erst 26. Ich muss mitnehmen, dass ich nicht so weit weg bin. Es sind ja nur Nuancen, die zur absoluten Spitze fehlen. Auf das muss ich vertrauen. Es ist ja bisher auch jedes Jahr etwas weitergegangen.

Was nehmen Sie von Olympia mit?

Baldauf Einmalige Eindrücke, die mir gezeigt haben: Olympische Spiele sind das größte Sportevent der Welt. Das habe ich gemerkt, als ich einmal einen Ausflug zum olympischen Feuer machte. Das war wunderschön. Mir wurde bewusst, was das eigentlich ist – Olympia. Was für eine Geschichte, was für eine Tradition damit verbunden ist. Es war unglaublich viel los, als ich mich beim Olympic Plaza befand.

Von Olympia geht es jetzt wieder nach Hause. Was steht in dieser Saison für Sie noch an?

Baldauf Nächstes Wochenende lasse ich die Weltcupveranstaltung in Lahti aus. Am 4. März laufe ich dann den Wasa-Lauf. Das ist für mich ein Kindheitstraum. Mit dem Rennen bin ich aufgewachsen. Da ist ja mein Papa Christian schon gelaufen. Er wurde dort einmal Achter. Nach dem Wasa-Lauf kommt noch das Weltcupfinale in Falun. Mit der anschließenden österreichischen Meisterschaft geht die Saison zu Ende.