Balsam für geschundene Derby-Seele

22.02.2019 • 22:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Nico Schnabl war Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Bregenzer. GEPA
Nico Schnabl war Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Bregenzer. GEPA

Bregenzer Handballer steckt alle Rückschläge weg und bezwingt Hard mit 26:25.

Bregenz 434 Tage mussten die zuletzt strauchelnden Bregenzer Handballer darauf warten – entsprechend frenetisch und losgelöst fiel der Jubel nach Spielende aus. Nach zuletzt drei Niederlagen und einem Remis (28:28) Ende November in Hard setzten sich die Gelb-Schwarzen aus der Landeshauptstadt im 91. Revierduell gegen die Roten Teufel aus der benachbarten Bodenseegemeinde mit 26:25-Toren durch. Mit dem ersten Sieg in der Bonusrunde der Spusu Liga brachten sich die Festspielstädter wieder zurück in den Kampf um die Ausgangsstellung für die K.-o.-Viertelfinalserie und verkürzten den Rückstand auf die unterlegenen Harder auf zwei Zähler.
Die knapp 1800 Zuschauer in der Handballarena sorgten für einen würdigen Rahmen und bekamen von der ersten Sekunde an ein packendes Duell, in dem Kampf, Einsatz und Wille im Vordergrund standen, zu sehen. Beiden Seiten war nach den Niederlagen am letzten Spieltag die Wichtigkeit anzumerken. Bedingt durch die verletzungsbedingte Ausfälle von Vlatko Mitkov und Ante Esegovic war vorallem die Improvisierungskünste von Bregenz-Cheftrainer Jörg Lützelberger gefordert und es dauerte einige Zeit, bis er die richtige Variante im Rückraum gefunden hatte. Erschwerend kam hinzu, dass die Bregenzer während der gesamten Spielzeit ihre lieben Not mit Hard-Goalie Golub Doknic hatten. Der älteste Akteur auf dem Parkett drückte dem Spiel in beeindruckender Manier mit zahlreichen Paraden den Stempel auf. Dazu kam, dass die Gäste mit Ivan Horvat auch den überragenden Werfer in ihren Reihen hatten. Der Kroate stellte wie schon beim 25:23-Sieg im September, wo er zwölf Tore erzielte, erneut seine Zielgenauigkeit und hatte großen Anteil daran, dass der Alpla HC Hard nach zwölf Minuten mit 7:3 in Front lag.

Bei einem Zusammenprall mit dem Harder Thomas Weber zog sich Bregenz-Kapitän Lukas Frühstück eine Nasenbeinfaktur zu. GEPA
Bei einem Zusammenprall mit dem Harder Thomas Weber zog sich Bregenz-Kapitän Lukas Frühstück eine Nasenbeinfaktur zu. GEPA

Den Kopf nicht verloren

Doch Bregenz bewies unbändige Moral und steckte alle Rückschläge weg. Selbst der Ausfall von Kapitän Lukas Frühstück, der sich bei einem Zusammenprall mit Thomas Weber (25.) eine Nasenbeinfraktur zuzog und bei Spielende bereits auf dem Operationstisch in LHK Feldkirch lag, lies die Bemühungen nicht verenden. „Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft, unsere Fans und unsere Nachwuchsarbeit“, betonte Lützelberger nach Abpfiff mit einem breiten Lächeln im Gesicht. „Wir müssen beide etatmäßigen Linkshänder im Rückraum vorgeben, verlieren dann auch noch den Kapitän. Doch statt wie in Graz den Kopf zu verlieren, nehmen mit Severin Lampert, Florian Mohr, Robin Kritzinger und in der Schlussphase Matthias Brombeis vier knapp 20-Jährige das Heft in die Hand, spielen ganz groß auf und entscheiden ein hitziges Derby. Ich ziehe den Hut vor der Mannschaft, möchte mich bei den Fans für die unermüdlichen Unterstützung bedanken.“

Besonders der noch 17-jährige Brombeis wird das 91. Ländle-Derby bis ans Ende seiner Karriere wohl nicht vergessen. Nur aufgrund der Verletzenliste in der Kader gerückt wurde der Rechtshänderknapp vier Minuten vor Spielende aufs Feld geschickt und sorgte in seiner ersten Aktion mi einem Sprungwurf aus elf Metern und dem Treffer zum 25:24 für die erstmalige Führung in der Partie. Krönung war dann im nächsten Angriff der Querpass von Brombeis zu Luka Kikanovic, den der Bregenzer Topskorer mit seinem persönlichen achte Treffer zum umjubelten 26:24 ins Harder Gehäuse hämmerte.

Ivan Horvat war kaum zu stoppen. Der Kroate war mit acht Treffern Harder Topskorer. GEPA
Ivan Horvat war kaum zu stoppen. Der Kroate war mit acht Treffern Harder Topskorer. GEPA

Zu früh abgestellt

Während der Jubel auf Bregenzer Seite über den insgesamt 49. Derbysieg keine Grenzen kannte, schlichen die bis knapp vor Spielende in Front liegenden Harder Akteure nach dem Abpfiff mit langen Gesichtern und gesenkten Köpfen in die Kabine. „Wir hatten die Partie trotz des engen Spielverlaufes und der sehr fragwürdigen Roten Karte von Boris Zivkovic eigentlich immer unter Kontrolle. Als wir zehn Minuten vor dem Ende 23:20 vor lagen, hat jeder gemeint, die Partie ist entschieden“, erklärt Hard-Kotrainer Severin Englmann. „Wir haben uns zu leichten Fehlern hinreißen lassen und Bregenz wieder ins Spiel zurückkommen lassen. Beim 28:28 vor knapp drei Monaten waren wir es, die in der Schlussphase einen Drei-Tore-Rückstand aufgeholt haben. Diesmal hatte Bregenz das bessere Ende. Nun heißt es die Ärmel hochkrempeln und im Heimspiel gegen Graz die richtige Reaktion zu zeigen.“

Die Rote Karte für den Harder Boris Zivkovic (#9) war ein mehr als harte Entscheidung. GEPA
Die Rote Karte für den Harder Boris Zivkovic (#9) war ein mehr als harte Entscheidung. GEPA