“Ich traue mir einiges zu”

Sport / HEUTE • 07:00 Uhr
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Der Altacher Adi Hütter ist nach seiner Entlassung im Oktober 2025 beim AS Monaco wiedre voller Tatendrang.apa

Vorarlbergs Trainer-Aushängeschild Adi Hütter äußert sich zu seiner aktuellen Situation um seine Person.

Salzburg Vor fast genau drei Monaten wurde Adi Hütter vom AS Monaco trotz Vertrages bis 2027 entlassen. Gestern trat der Altacher im Rahmen der Champions League-Sendung bei Sky Sport Austria erstmals wieder öffentlich auf. Den VN gab er im Vorfeld sein erstes Interview nach der Trennung vom Klub aus dem Fürstentum.

Herr Hütter, seit ihrer Entlassung in Monaco sind drei Monate vergangen, in denen ihre Fans nicht viel von Ihnen hörten. Warum ?
Das hat einen simplen Grund: Ich habe es für gut empfunden, mich rar zu machen, um mir selbst die Zeit zu geben und alles Geschehene Revue passieren zu lassen. Ich habe nach meiner Entlassung ein offizielles Statement abgegeben und damit war alles gesagt. Ich bin sicher nicht der Mensch, der dann alles an die große Glocke hängt, das ist nicht meine Art.

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Was sind nun die Erkenntnisse bezüglich des Abganges und der Zeit beim AS Monaco?
Am Ende bleibt das Gefühl über, dass mein Trainerteam und ich in den zwei Jahren und drei Monaten richtig gute Arbeit in Monaco geleistet haben. Man darf nicht vergessen, wo der Verein war, als wir dort angekommen sind. Es ist uns gelungen, den Klub wieder in die Champions League zu führen, das zweimal in Folge. Dadurch konnt eich erstmals auf höchstem europäischen Niveau coachen und beim Debüt einen 2:1-Sieg über den FC Barcelona feiern. Neben diesen Teamerfolgen ist es gelungen, auch junge Spieler weiterzuentwickeln. Ich nehme da Maghnes Akliouche als Beispiel, der sich von einem Jugendspieler zum Nationalspieler Frankreichs entwickelt hat. Darauf zurückzublicken erfüllt mich mit Sicherheit mit Stolz.

Adi Hütter Sky Sports Austria
Adi Hütter war gestern Abend als Experte zu Gast bei Sky Moderator Martin Konrad in der Champions League-Sendung. skysportaustria

Bleiben also keine Ressentiments dem Klub gegenüber, der Sie mit nur drei Punkten Rückstand auf Platz eins entließ? Vor allem, wenn man sieht wo Monaco aktuell steht – ASM rangiert auf Platz neun mit 20 Zählern Rückstand auf Leader RC Lens.
Fakt: Ich beobachte alle meine Ex-Vereine und schaue, so oft es geht deren Spiele an. Ich könnte es mir in Fall Monaco leicht machen, mich hinstellen und mit dem Finger auf die Performance zeigen. Das mache ich aber nicht, weil es nicht meine Art ist. Ich wusste, dass es mein Nachfolger nicht leicht haben wird. Und da nehme ich mich auch selbst nicht aus der Verantwortung. Es gab im Sommer 2025 innerhalb des Vereins eben Auffassungsunterschiede, was Transfers angeht. Wir haben um 116 Millionen Euro Spieler verkauft, aber nur um 13 Millionen Euro eingekauft. In dieser Phase haben wir bzw. ich ein wenig den eingeschlagenen Weg, mit jungen Talenten weiterzuarbeiten, verlassen. Diese Auffassungsunterschiede und auch die internen Zielsetzungen, die in meinen Augen vor allem in Bezug auf des Kaders etwas zu hoch angesetzt waren, führten zu Differenzen. Die dann zu einer Trennung führten. Aber es gab kein böses Blut, dafür war alleine der letzte Arbeitstag viel zu emotional.

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Wie emotional?
Sehr, weil ich dort vom ersten Tag an extrem gut aufgenommen wurde und sehr schnell ganz viel Vertrauen mit allen Beteiligten im Klub aufbauen konnte. Wenn ich an den Abschied zurückdenke, war er sehr schmerzvoll, weil ich mit jedem Mitarbeiter ein tolles Verhältnis hatte und sie mir das auch zurückgegeben haben. Es ist ein Zeichen für mich, dass wir als Trainerteam, aber auch als Menschen dort vieles richtig gemacht haben. Eben nicht nur auf sportlicher Ebene, sondern auch auf der zwischenmenschlichen.


Wie sah ihr Leben in den letzten drei Monaten aus?
Trotz allem, einen Verein vor Ende der Vertragszeit zu verlassen tut immer weh, habe ich es mir gut gehen lassen. Ich konnte die Zeit für Familie und Freunde nutzen, so Abstand zum Fußballbusiness gewinnen und emotional alles Geschehene verdauen. Aber trotzdem hat mich der Fußball nicht losgelassen, habe mir viele Matches im TV oder in den Stadien angesehen.

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Gab es in dieser Zeit bereits Angebote, einen neuen Verein zu trainieren?
Ja, und die kamen auch für mich überraschend schnell. Unabhängig von den Offerten, gleich wieder einen neuen Klub zu übernehmen, war überhaupt kein Thema für mich. Ich bin der Typ, der zuerst einmal Zeit zwischen zwei Engagements braucht. Das ist auch eine emotionale Sache für mich. Mit dieser Herangehensweise bin ich in meinem 18 Jahren als Cheftrainer ganz gut gefahren. Nur einmal, als mich YB Bern während der Saison verpflichtet hat, habe ich anders gehandelt. Da war ich aber vereinslos und die Übernahme fand sehr früh in der Meisterschaft statt. Mittlerweile sehe ich einen klaren Vorteil darin, eine Mannschaft von Punkt Null sprich im Sommer zu übernehmen. Da kann ich am meisten mit meiner Arbeit einwirken.

Wie schaut denn ihre Tendenz aktuell aus? Weiter Klubtrainer oder ist das Thema Nationalteam ein größeres geworden?
Ich sehe mich schon noch als Klubtrainer. Weil ich mit 55 Jahren in einem guten Alter bin und mittlerweile auf viel Erfahrung zurückgreifen kann. Das sehe ich als gute Mischung an. Österreichs Nationalteam hat mit Ralf Rangnick einen Top-Mann auf dieser Position, der tolle Arbeit leistet. Dass meine Name oftmals mit dem Nationalteam in Verbindung gebracht wird, ehrt mich aber sehr. Alleine diesen Umstand hätte ich mir vor zwölf oder zehn Jahren noch gar nicht vorstellen können.

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Was bringt die Zukunft, was sind die Ziele, wo wird es hin verschlagen?
Wenn möglich, will ich wieder in einer der Top-5-Ligen trainieren. Ich habe in Deutschland und Frankreich bereits meine Spuren hinterlassen können und mich dort bewiesen. Ich bin selbst schon gespannt, wohin es mich verschlägt.

Haben Sie eine Wunsch-Liga?
Ich werde mich jetzt nicht verbohren und sagen, „in diese Liga will ich jetzt unbedingt“. Es muss alles seinen Sinn haben. Da müssen viele Faktoren zusammenpassen. Es soll auf jeden Fall ein Klub sein, mit dem ich wieder viel bewegen kann, der gleich ambitioniert denkt wie ich und wo die Ziele deckungsgleich sind. Und, um ehrlich zu sein, bei dem die Chancen höher sind, mehr Spiele zu gewinnen als zu verlieren.

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Ihr Trainerkollege Oliver Glasner hat vorgezeigt, wie man in England Erfolge feiern kann. Jetzt wurde offiziell, dass er Crystal Palace im Sommer verlässt. Kommt Hütter als sein Nachfolger in London infrage?
Zum einen: Oliver und ich schätzen uns gegenseitig sehr und ich ziehe meinen Hut vor seinen Erfolgen. Er liefert Top-Arbeit ab und wir stehen auch im Austausch. Zum anderen: Die Frage zu einer Nachfolge bei Palace kann ich sogar nachvollziehen und ist für viele Menschen vielleicht auch logisch. Aber es besteht kein Kontakt. Ob ich mir die Premier League zutraue? Nach nun zehn Jahren im Ausland traue ich mir einiges zu.

Sie haben mit Christian Peintinger und Klaus Schmidt zwei loyale Co-Trainer an ihrer Seite. Wird es bei einem neuen Engagement zu Veränderungen kommen?
Beide sind genauso hungrig auf eine neue Aufgabe wie ich. Wir sind ein gut eingespieltes Team, ich kann mich auf beide vollends verlassen, was im Business Fußball sehr wichtig ist.