Erster Matchball vergeben: “Wir haben viel zu viel nachgedacht”

Sport / 08.05.2026 • 21:22 Uhr
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Nur kurzes Hadern erlaubt: Matthias Maak und Co. müssen die Partie schnell abhaken. GEPA

Austria Lustenau verpasst es, den Aufstieg vorzeitig zu fixieren. Die Moral gibt aber Hoffnung.

Salzburg Die Fans gaben die Marschrichtung in ihrer Choreografie vor: „Den Sack zumachen“, stand darauf. Um den Sack bereits zuzumachen, also bereits in der vorletzten Runde den Aufstieg zu fixieren, hätte Austria Lustenau einen Sieg beim violetten Namensvetter in Salzburg gebraucht. Geworden ist es ein 2:2 – der Sack wurde nicht zugemacht. Wieso nicht? „Wir haben die erste Halbzeit leider verschenkt“, lieferte Lustenaus Trainer Markus Mader die Kurzzusammenfassung. Zur Halbzeit lag Lustenau 0:2 zurück – es war hochverdient.

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Die Stimmung in Salzburg-Maxglan war bereits vor dem Anpfiff bestens. Mit 1566 Zuschauern war das Stadion wieder einmal ausverkauft, das Gästekontingent von 156 Karten war vergriffen. Während Lustenau den Druck des Erfolges spürte, spürten die Gastgeber nur die Leichtigkeit der bereits vorzeitig für erfolgreich erklärten Comeback-Saison in den Profifußball. „Manche hemmt das, andere beflügelt es“, sagte Mader zum Druck. „Das sollte nicht passieren, aber es ist menschlich“, ergänzte Pius Grabher.

Mit Betonfüßen

Die unterschiedliche Ausgangslage war ein entscheidender Faktor. „Bei uns hat es ausgeschaut, als ob wir Beton in den Füßen hätten. Keiner hat sich bewegen können, wir haben viel zu viel nachgedacht“, beschrieb es Abwehrchef Matthias Maak. Zusatz: „In der ersten Halbzeit haben sie uns gezeigt, wie es geht.“ Ähnlich sah es auch Trainer Mader. „Wir waren nicht so richtig am Platz, nicht richtig gallig, man hat gemeint, die spielen mit zwölf oder 13 Leuten“, sagte er. So machte Salzburg mit der gefühlten Überzahl das Spiel und tauchte in der Offensive auf.   Daniel Bares scheiterte am wieder einmal starken Lustenau-Tormann Domenik Schierl (12.), eine Minute später lag Lustenau im Rückstand. Marinko Sorda kam im Sechzehner freistehend zum Abschluss und setzte den Ball ins lange Eck – 1:0 (13.). In der 38. Minute legte Salzburg nach. Bares wurde nicht konsequent genug attackiert, zog ab – erneut ins lange Eck, 2:0. Bei Lustenau hingegen haperte es nicht nur an der Zweikampfführung, sondern vorne auch an der Passgenauigkeit. Und dem Glück: Mame Wade köpfelte in der 28. Minute nur an die Latte. „Wir waren in der ersten Halbzeit überfordert mit der Situation“, sagte Pius Grabher. Und: „Wir haben zwei sehr unterschiedliche Gesichter gezeigt.“

Wieso nicht gleich so?

Das zweite Gesicht war besser, es wurde nach der Pause präsentiert. „Das war eine komplett andere Mannschaft. Da fragst du dich als Trainer halt: Wieso nicht gleich so?“, meinte Mader. Lustenau – mit Axel Rouquette und Mohamed-Amine Bouchenna neu in der Partie – war griffiger und auch gefährlicher. Wade (46.) und Jack Lahne (48.) hatten Möglichkeiten, die ungenutzt blieben. In der 63. Minute gelang dann der Anschlusstreffer durch Bouchenna, der einen Abstauber verwertete.

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Nach der Pause fand Lustenau besser in die Duelle. GEPA

Während Lustenau im Spiel nach vorne riskierte, boten sich den Salzburgern Umschaltsituationen, die Violetten hätten das Spiel auch schon vorzeitig für sich entscheiden können. Im Verbund und mit Schierl konnten die Möglichkeiten der Gastgeber aber bereinigt werden. Es blieb spannend – und wurde noch spannender. In der zweiten der sechsminütigen Nachspielzeit köpfelte Robin Voisine zum 2:2 ein. Der Gästeblock eskalierte und pushte die Mannschaft noch einmal. „Wir haben den Glauben gehabt, es hat sich angefühlt, als würden wir es noch drehen können“, sagte Grabher. Der Glaube wurde nicht belohnt. Der Punkt bringe zwar im Titelkampf wenig – aber für die Moral umso mehr. „Mit der Energie gehen wir ins Heimspiel“, so Grabher.

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Die Enttäuschung war trotz der Aufholjagd bei Bouchenna und den Grün-Weißen groß. GEPA

Das findet am Donnerstag statt, zu Gast ist der SKU Amstetten. „Genau so wie in der 2. Halbzeit müssen wir gegen Amstetten das ganze Spiel machen“, meinte Mader. Mit dem SKN St. Pölten gibt es noch einen Konkurrenten um den Aufstieg, die „Wölfe“ haben Hertha Wels zu Gast. „Wir sind die einzige Mannschaft, die es selber in der Hand hat. Wenn man uns das im Sommer gesagt hätte, hätten wir gesagt: ‚Wow, perfekt!“, relativierte Grabher den verpassten Matchball. Auch Maak sah es so und gab die Devise aus: „Do or die.“ Oder, um wie Grabher bei der Choreografie zu bleiben: „Jetzt wollen wir halt daheim den Sack zumachen.“