Ehemaliger Sulzberger Altenheimleiter vor Gericht

VN / 13.04.2021 • 18:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der gekündigte Heimleiter hatte es wohl gut gemeint, aber letztlich schlecht getroffen. <span class="copyright">Eckert</span>
Der gekündigte Heimleiter hatte es wohl gut gemeint, aber letztlich schlecht getroffen. Eckert

Bewährungsstrafen wegen Gefährdung anderer Personen.

Feldkirch. Am Landesgericht Feldkirch musste sich gestern der 59-jährige ehemalige Leiter des Sulzberger Altenheims wegen vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten verantworten. Der Mann, der das Heim 25 Jahre lang laut Aussagen aller Befragten hervorragend geführt hatte, ließ sich trotz positiven Coronatests und Absonderungsbescheid dazu hinreißen, dennoch nach dem Rechten zu sehen. Mit auf der Anklagebank, eine 56-jährige Angestellte des Heims. Sie verrichtete nach Kenntnis des positiven Testergebnisses noch rund 20 Minuten lang im Dienstzimmer Dokumentationsarbeit, ehe sie das Heim verließ. Laut Gericht ebenfalls eine unnötige Gefährdung anderer. Der Ex-Leiter wurde zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, dazu 960 Euro Geldstrafe. Die Frau zu 960 Euro Geldstrafe, die Hälfte davon auf Bewährung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Schwierige Situation

Beide Angeklagten räumen ein, dass sie, rückblickend betrachtet, falsch gehandelt hätten. Doch damals waren bereits fünf Angestellte in Quarantäne, ständig neue Herausforderungen wie die Organisation von Sondennahrung oder die Formalitäten rund um verstorbene Bewohner zu bewältigen. Dazu hochbetagte Menschen, die trotz Demenz zehn Tage isoliert in ihren Zimmern verharren mussten und der Umstand, dass bereits Stellvertreter der Leitung und Sekretärin ebenfalls ausgefallen waren. Die EDV war nicht für alle zugänglich, gewisse Dinge kann nur die Leitung organisieren. „Mein Mandant ist zuhause im Kreis gelaufen, er wollte die Menschen nicht im Stich lassen“, umschreibt Verteidiger Heinz Koller die Situation.

Vorzeigepersonen

Die Angeklagten seien Vorzeigepersonen, niemand wurde von den beiden infiziert, betont Koller. Der Ex-Leiter des Heims habe das Heim mit FFP2-Makse durch den Keller betreten, immer auf Abstand geachtet und nur das Nötigste im Heim erledigt. Er sei zu Zeiten gekommen, wo die Bewohner ohnedies in den Zimmern waren, hätte sich sehr wohl um die anderen gesorgt, so die Verteidigung. Dass er einen Tag vor Weihnachten die Krippe aufstellte, erklärte der Angeklagte damit, dass er den Heimbewohnern nicht diese Tradition auch noch nehmen wollte. Was die Angestellte betrifft, betont Koller, dass sie so oder so durch das Gebäude hätte gehen müssen. 20 Minuten früher oder später mache keinen großen Unterschied. Richter Thomas Wallnöfer hat Verständnis für die damalige Situation, fällt angesichts der bestehenden Judikatur dennoch in beiden Fällen einen Schuldspruch. Christiane Eckert