Rekordinvestitionen ins Schienennetz

VN / 16.02.2022 • 15:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Rekordinvestitionen ins Schienennetz
Beim 9. Mittelfristigen Investitionsprogramm der Montafonerbahn ist unter anderem der Umbau der Haltestelle Tschagguns veranschlagt. meznar-media

Mittelfristiges Investitionsprogramm der Montafonerbahn mit 33 Millionen Euro beschlossen.

Montafon Die Montafoner Gemeinden haben vor Kurzem das 9. Mittelfristige Investitionsprogramm (MIP) der Montafonerbahn beschlossen. Das MIP hat eine Laufzeit von fünf Jahren (2021 bis 2025) und beinhaltet alle Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen des Montafoner Schienennetzes bzw. der Eisenbahninfrastruktur (Gleise, Anlagen, Lärmschutz). Finanziert wird das MIP der einzigen Privatbahn Vorarlbergs vom Bund, Land und von der Region, wobei sich die Region, also der Stand Montafon, mit knapp neun Prozent nur an den Investitionen beteiligen muss, nicht aber an den Instandhaltungsmaßnahmen.
Zwar ist das Budget beim 9. MIP besonders hoch, jedoch müssen die Montafoner Gemeinden die Investitionen erst zahlen, wenn diese auch getätigt bzw. gebaut wurden und nicht im Vorhinein. Die Talschaft setzt aber alles daran, dass die Finanzierung der Investitionen in die Bahninfrastruktur bei den zukünftigen Mittelfristigen Investitionsprogrammen ausschließlich durch Bund und Land getragen werden, um eine Gleichstellung mit anderen Bahnanrainer-Gemeinden zu gewährleisten und die Montafoner Gemeinden finanziell zu entlasten.

Höchstes Volumen aller Zeiten

Das jetzt beschlossene 9. Mittelfristige Investitionsprogramm umfasst ein finanzielles Volumen von 33,1 Millionen Euro und ist damit das höchste Investitionsprogramm seit Bestehen. 25,6 Millionen Euro davon entfallen auf Investitionen (beispielsweise Haltestellen-Umbauten in Tschagguns, Schruns und St. Anton sowie ein zweigleisiger Ausbau von St. Anton bis Vandans) und 7,5 Millionen Euro auf Erhaltungsmaßnahmen (beispielsweise Schwellentausch, Wartung Signal- und Fernmeldeanlagen, etc.).


Die im Rahmen des 9. MIP vorgesehenen Bahnhofs-Umbauten in Tschagguns, Schruns und St. Anton bilden bedeutende Schnittstellen zwischen den verschiedenen Mobilitätsangeboten im Tal und erfordern die Einbindung von Land und Gemeinden in den Entwicklungs- und Planungsprozess. Dazu wurde nun erstmalig ein Arbeitsübereinkommen erarbeitet, welches die Einbindung der verschiedenen Partner bis hin zur Freigabe der einzelnen Umsetzungsprojekte des MIP regelt.

Die Züge sollen besser ins Rheintal vernetzt sein. Dafür wird auch die Taktung der Züge verdichtet. <span class="copyright">meznar-media</span>
Die Züge sollen besser ins Rheintal vernetzt sein. Dafür wird auch die Taktung der Züge verdichtet. meznar-media

Taktung der Züge verdichtet

„Der Zeitplan ist sehr ambitioniert“, räumt Standesrepräsentant Jürgen Kuster ein. Neben der Gleisinfrastruktur und der besseren Vernetzung ins Rheintal werde auch die Taktung der Züge verdichtet. „Wir können froh sein, eine Bahn zu haben“, sagt Kuster. „Wenn du als Seitental Anschluss ins Rheintal hast, ist es super.“


Der Stand Montafon hat zum MIP auch begleitende Mobilitätsprojekte beschlossen. Die Eisenbahnverlängerung nach St. Gallenkirch oder weiter nach Gaschurn bleibt erst einmal nur eine Idee. Damit diese Idee aber irgendwann umgesetzt werden kann, gilt es jetzt schon, die dafür benötigten Trassen zu sichern. „Das sind wir den nächsten Generationen schuldig“, sagt Jürgen Kuster. Man dürfe nicht alles zupflastern, sondern müsse Korridore für Verkehrsachsen freihalten. Das gelte für jede Gemeinde. Im Arbeitsübereinkommen wurde auch der aktuelle Planungsstand für die Bahnverlängerung ins Innere Montafon bei der Gestaltung der Bahnhöfe mitberücksichtigt. Ziel sei es, eine „zukunftsträchtige Verbindung“ ins Tal hinein zu schaffen. Dafür sollen mittelfristig Schnellbuslinien eingesetzt werden.

Schnellbuslinie möglich

Im Rahmen eines neuen Fahrplan-Konzepts soll die Einführung einer Schnellbuslinie von Vandans Golmerbahn bzw. Bahnhof Tschagguns über Valiserabahn Talstation bis Gaschurn/Partenen geprüft, konkret geplant und umgesetzt werden. Dementsprechend müssen auch die Linienführungen und Fahrpläne der Ortsbusse angepasst werden. Ebenfalls müsse man noch überprüfen, ob alternative Antriebe (z.B. Elektrifizierung) machbar wären. Für die Umstellung auf alternative Antriebe des gesamten Landbusses Montafon soll darauf aufbauend ein Stufenplan erarbeitet werden.
Eine weitere Idee zum Beispiel ist die Tramtrain. Ein solches Niederflurfahrzeug kann sowohl als Zug als auch als Tram fahren. So könnte die Straßenbahn, die durch die Ortschaften fährt, genauso gut bis in Rheintal fahren, da die Gleisabstände gleich groß bleiben.


Weiters denke man darüber nach, wie man den Verkehrslärm reduzieren könnte, gerade im Hinblick auf die Anrainer an den Hauptverkehrsstraßen. Auf der L188 sollen ergänzende Fuß- und Radwegverbindungen geschaffen werden, um gefährliche Straßenquerungen zu verringern. Die Eruierung von geeigneten Lärmschutzmaßnahmen zählen ebenso dazu wie die Einführung der Parkraumbewirtschaftung. VN-JUN

Vier größere Projekte

Projekt 1: Umbau Bahnhof St. Anton im Montafon
Der Bahnhof St. Anton im Montafon muss auf den Stand der Technik gebracht werden. Dazu werden Bahnsteige angepasst (verlängert und verbreitert) sowie die Zu- und Abgänge erneuert und barrierefrei gestaltet. Die Gleisanlage muss begradigt und die Weichen müssen erneuert werden. Das Aufnahmegebäude wird im Zuge dessen ebenfalls mit saniert.

Projekt 2: Zweigleisiger Ausbau
Derzeit besteht auf der Strecke der MBS nur eine einzige Kreuzungsmöglichkeit (Bahnhof St. Anton). Durch den in den kommenden Jahren geplanten tagesdurchgängigen Halbstundentakt im Personenverkehr wird die Trassenverfügbarkeit untertags damit ausgeschöpft. Die Nutzung der Infrastruktur durch weiteren Verkehr (z. B. Güterzüge, Instandhaltungsfahrten, etc.) ist ohne entsprechende Maßnahmen nicht möglich.
Weiters werden Verspätungen durch das Fehlen zusätzlicher Kreuzungsmöglichkeiten 1:1 auf den Gegenzug übertragen. Durch die Entwicklung zum Halbstundentakt und die Planung durchgebundener Züge zwischen Montafon und dem Rheintal/Walgau sind Maßnahmen zur Erhöhung der Fahrplanstabilität erforderlich. Daher ist die Umsetzung eines erweiterten Doppelspurabschnitts mit Kreuzungsmöglichkeit zwischen dem Bahnhof St. Anton und der Haltestelle Vandans geplant. Begleitend sollen mehrere Eisenbahnübergänge durch die Errichtung eines alternativen Ersatzweges aufgelassen werden.

Projekt 3: Umbau Haltestelle Tschagguns
Aufgrund der ungünstigen Lageverhältnisse (keine Verlängerungsmöglichkeit, enger Kurvenradius, längere Schienenfahrzeuge, etc.) muss die Haltestelle in den Bereich westlich der L188 verlegt werden. Zudem wird der Bahnsteig verlängert, erhöht und verbreitert, die Zu- und Abgänge angepasst und ein entsprechender Wartebereich errichtet. Durch die Errichtung eines Ersatzweges kann eine öffentliche Eisenbahnkreuzung aufgelassen werden. Weiters entstehen P+R-Stellplätze und Fahrradabstellbereiche.

Projekt 4: Umbau Bahnhof Schruns
Es ist erforderlich, dass der Bahnhof in Schruns auf zwei ausreichend lange, breite und hohe Bahnsteige ausgebaut wird, um dem Stand der geltenden Regelwerke zu entsprechen und die größeren Schienenfahrzeuge sicher und ordentlich abstellen bzw. vorbereiten zu können. Die Zu- und Abgänge werden barrierefrei. Weiters ist ein den Bahnsteigen angepasstes Bahnsteigdach geplant, welches sowohl als Witterungsschutz für wartende Fahrgäste als auch für die in der Nacht abgestellten Schienenfahrzeuge dient.