Warum es im LKH Bludenz bald keine Geburten mehr gibt

VN / 26.06.2022 • 07:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Generalsanierung des LKH Bludenz umfasste auch die Geburtshilfe. <span class="copyright">KHBG</span>
Die Generalsanierung des LKH Bludenz umfasste auch die Geburtshilfe. KHBG

Personalmangel im Sommer und die Pandemie sorgen für eine vorübergehende Schließung ab 15. Juli.

bludenz Und wieder sperrt die Geburtshilfeabteilung im Landeskrankenhaus Bludenz für einen Monat zu. Vom 17. Juli bis 16. August müssen werdende Mütter einmal mehr in andere Spitäler ausweichen. Ein Grund sind unter anderem Personalprobleme bei den Gynäkologen. Sowohl der Geschäftsführer der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch, als auch der Zentralbetriebsratsobmann der Landeskrankenhäuser, Thomas Steurer, bestätigten die den VN vorliegenden Informationen. War es im März 2020 die Coronawelle, die durchs Land rauschte, werden diesmal der Sommer und die Pandemie als Ursache für die vorübergehende Schließung angegeben.

Hoher Stand an Überstunden

Fleisch spricht zum einen von einer im Sommer generell ausgedünnten Personaldecke und einem extrem hohen Stand an Überstunden, die abgebaut werden müssten. Zum anderen bringt er die prognostizierten Coronawellen als Argument ins Spiel: “Wir müssen mehrfach vorsichtig sein.” Die Entscheidung zur Schließung sei in Absprache mit der Krankenhaus- und Standortleitung gefällt worden. “Wir haben es uns nicht einfach gemacht”, versichert der KHBG-Direktor. Regulär in Betrieb bleiben die Still- und Schwangerenambulanz. Es stehe tagsüber auch immer eine Fachärztin oder ein Facharzt zur Verfügung. Ebenso werden laut Gerald Fleisch notwendige gynäkologische Operationen durchgeführt. Die mit der geburtshilflichen Abteilung im Landeskrankenhaus Feldkirch bestehende Kooperation soll die personellen Engpässe lindern helfen. Eine Option ist für Fleisch auch die verstärkte Zusammenarbeit mit niedergelassenen Gynäkologen. 

Kritik an der Maßnahme

Kritiker der Maßnahme beklagen, dass das Personalproblem auf dem Rücken der Frauen ausgetragen werde. “Für Schwangere ist eine solche Situation sicher belastend”, räumt auch Thomas Steurer ein. Sie öffne zudem Spekulationen, es könne sich trotz politischem Bekenntnis zum Standort Bludenz um den ersten Schritt zum endgültigen Aus handeln, Tür und Tor. Diese Sorge zerstreut Gerald Fleisch: “Ich bin zwar ein Fan von Umstrukturierungen, aber Bludenz und die Geburtshilfe allgemein sind für mich unverrückbare Themen.” Die Station gänzlich aufzulassen komme schon aus geografischen Gründen nicht infrage. Dafür sei der Einzugsbereich zu groß.

Im LKH Bludenz werden jährlich etwa 500 Geburten verzeichnet. In den Zeitraum der Schließung fallen etwa 40 Geburten.