Kolumne: Für einen guten Vorsatz ist es nie zu spät

Der Jänner zwar schon angefangen, aber er ist noch frostig und frisch, ich erlaube mir, euch also noch ein glückliches, fittes, neues Jahr zu wünschen. Und es geht sich noch aus, meine alten und neuen Vorsätze zu rekapitulieren. Mein Trick: Am Anfang des Jahres mache ich mir meistens keine guten Vorsätze, aber am Ende subsumiere ich alles, was ich in dem Jahr Brauchbares geschafft habe, bei den erfüllten Vorsätzen. Es war ein köriges Jahr!
Irgendwo schnappte ich jetzt den Vorsatz auf, eine Fremdsprache zu lernen. Oder war das in einem Artikel darüber, wie man geistig fit bleibt? (Tja.) Jedenfalls, ich fand das eine famose Idee, dann fiel mir ein, dass ich das ja schon mache: Seit Sommer lerne ich mit einer App jeden Tag ein bisschen Italienisch, jetzt sind es schon 210 Tage am Stück. Ein nicht gemachter, aber trotzdem eingehaltener Vorsatz sozusagen: ein fettes Bravo an mich. Es hilft im übrigen, dass ziemlich viele Freundinnen und Freunde auch mit dieser App Italienisch lernen: Neben Regelmäßigkeit schaden ein bisschen Gruppendruck und Kontrolle bei solchen Sachen nie. Auch beim Sport, wo für ein paar Freundinnen und mich die Dienstag Abende seit mittlerweile eineinhalb Jahrzehnten fix verplant sind: Dienstags gehen wir gemeinsam zum Workout, danach was essen/trinken/plaudern; es ist streng verboten, an diesen Abend grundlos etwas anders zu planen.
Vorsätze aus früheren Jahren sind, meine ich, wie Gutscheine: Sie sind endlos gültig. Also bei uns 30 Jahre, falls ihr einen zu Weihnachten gekriegt habt. Wozu mir gleich einfällt, dass ich immer noch die Abriss-Gutscheine der Kinder von meinem 48. Geburtstag habe, es sind noch 3 x Spülmaschine ausräumen, 4 x Wäschezusammenlegen und 6 x Staubsaugen übrig. Die Kinder sind zwar längst aus dem Haus, aber die Gutscheine kann ich theoretisch noch 19 Jahre lang einlösen.
Ich schweife ab, zurück zu den Vorsätzen: Es war glaube ich 2017, als ich mir vornahm, nun aber endgültig nie wieder zu rauchen, es gelingt mir seit 2021; besser spät als nie. In meinem Neujahrsvorsätzen von 2022 wiederum kam das Erlernen von Strickschrift vor, was so etwas Ähnliches ist wie eine Fremdsprache, wenn man sich das erste Mal darauf einlässt. Das weiß ich nun, weil ich ganz kurz vor dem Ende von 2025 endlich angefangen habe, einen Pullover nach einer Anleitung zu stricken, nachdem davor schon wieder bei einer pi-mal-Daumen gestrickten Weste die Ärmel am Knie schlabberten, ich weiß nicht, warum mir die Ärmel immer zu lang werden. Stimmt nicht, ich weiß es eben genau – und ab jetzt passiert mir das nicht mehr.
Vorsätze für 2026? Keine, aber es sind noch welche übrig aus 2019, 2020 und 2023, vielleicht wird das ja heuer was.
Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.