Stark im Spiel, stark im Leben

Torballweltmeisterin Claudia Obermeier lebt Inklusion und Teamgeist.
Dornbirn Jeden Donnerstagabend erfüllt ein besonderes Geräusch die Turnhalle der Volksschule Edlach. Ein Ball rollt, prallt ab, Metallringe im Inneren klirren. Sechs Männer und eine Frau werfen sich am Boden in seine Flugbahn, hören, reagieren, vertrauen einander. Die Frau in dieser Runde ist Claudia Obermeier.

Die 53-Jährige ist derzeit die einzige Frau im wöchentlichen Training des Vorarlberger Blindensportvereins. Bei internationalen Turnieren ist sie jedoch nicht allein. Dann wird das Damenteam durch zwei weitere Spielerinnen ergänzt, die aus beruflichen und studienbedingten Gründen bei anderen Vereinen in Österreich trainieren. Zu dritt bilden sie das Vorarlberger Torball-Damenteam – klein in der Anzahl, stark im Zusammenhalt.

In der Schule gefördert
Zum Torball kam die gebürtige Augsburgerin in der Blindenschule im deutschen Marburg. Bewegung hatte dort einen hohen Stellenwert. Die Schülerinnen und Schüler sollten möglichst viele Sportarten kennenlernen, um trotz Sehbehinderung aktiv zu bleiben. Reiten, Rudern, Skifahren – das Angebot war breit gefächert. Torball war zunächst nur eine von vielen Stationen. Begeistert war Obermeier anfangs nicht. „Die Sportart hat für mich nicht auf Anhieb gezündet“, sagt sie lachend. Dankbar ist sie der Schule dennoch: „Meine Familie war nicht besonders sportlich. Ohne diese Förderung hätte ich vieles nie ausprobiert.“

Nach der Matura führte sie der Weg zum Studium nach Innsbruck. Dolmetschen und Übersetzen, Italienisch und Russisch. Sprachen faszinierten sie. Heute arbeitet sie als Sachbearbeiterin, eine Verbindung aus Buchhaltung und Sprachen, die ihr großen Spaß macht. In Innsbruck begegnete sie 1998 über eine studentische Vereinigung für Menschen mit Einschränkungen wieder dem Torball. Entscheidenden Anteil daran hatte der engagierte Trainer Markus Fischnaller. „Da habe ich erst richtig zu spielen begonnen“, erinnert sie sich. Die Begeisterung war plötzlich da – und blieb.

Da es damals kein eigenes Damenteam für Bewerbe gab, entstand der Kontakt nach Vorarlberg. Hier existierte bereits eine starke Damenmannschaft, Obermeier wurde zunächst als Ersatzspielerin engagiert. Nach dem Studium zog sie nach Buchs in der Schweiz und 2006 wurde sie fixes Mitglied des Vorarlberger Teams. Es folgten Teilnahmen an Europa- und Weltcups – und schließlich der größte Erfolg ihrer sportlichen Laufbahn.

Auf Anhieb Weltmeisterin
Der deutsche Verband wurde auf die talentierte Spielerin, die in Augsburg geboren war, aufmerksam und berief sie ins Nationalteam. 2015 gewann Claudia Obermeier bei ihrem ersten Einsatz in der Schweiz auf Anhieb den Weltmeistertitel im Torball. „Das war ein absolutes Highlight“, sagt sie.

Was sie am Torball besonders schätzt, ist seine Offenheit. Im Unterschied zum paralympischen Goalball könne man Torball auf sehr unterschiedlichem Niveau spielen. „Man kann viele Menschen abholen“, sagt Obermeier. Im Mittelpunkt stehe für sie das Gemeinschaftsgefühl. Gespielt wird häufig gemeinsam mit sehenden Helfern – alle tragen dabei lichtundurchlässige Brillen, um gleiche Bedingungen zu schaffen. Für Obermeier ist das gelebte Inklusion.
Sie selbst erblindete im Alter von einem Jahr infolge einer Krankheit. Lange Zeit war das kein leichtes Thema, besonders in der Pubertät. Heute hadert sie nicht mehr mit ihrem Schicksal. „Irgendwann muss man damit aufhören, sonst geht das Leben an einem vorbei.“ Genau das tut sie heute und genießt das Leben ganz nach ihrem persönlichen Motto: Es gibt immer eine Möglichkeit.
Bei Interesse am Torball kann man sich unter 0676/4322130 oder obmann@vbsc.info melden.

Zur Person
Claudia Obermeier
Geburtstag 8.12.1971
Wohnort Buchs
Beruf Sachbearbeiterin
Hobbys Torball
Lebensmotto Es gibt immer eine Möglichkeit.