„Ein kraftvolles Erlebnis und einer der schönsten Momente meines Lebens“: Warum sich Yumiko für eine Hausgeburt entschied

Drei Söhne, drei Geburtsorte: Nach belastenden Erfahrungen im Spital fand Yumiko bei ihrer dritten Geburt zu Hause Ruhe und Selbstvertrauen.
Region Yumiko hat drei Söhne und drei völlig unterschiedliche Geburtserfahrungen gemacht. Ihren ersten Sohn gebar sie in Mexiko, den zweiten ambulant in Bregenz, den dritten zu Hause.
Ihr Partner und sie lebten mehrere Jahre in Wien, als sie beschlossen, nach Mexiko auszuwandern. Yumiko wurde bereits nach zwei Monaten im Land schwanger, weshalb sie rasch Spanisch lernte. In Mexiko ist die Kaiserschnittrate eine der höchsten weltweit; eine vaginale Geburt galt dort als Erfolg. Die Ärzte waren „wohlwollend“, eine Hebamme wurde ihr jedoch nicht zur Seite gestellt. Stattdessen suchte sich Yumiko eine Doula, die sie während der Schwangerschaft unterstützte. Als der Muttermund bereits sieben Zentimeter geöffnet war, suchte sie das Spital auf. Dort öffneten die Ärzte ihre Fruchtblase, ohne sie vorher darüber zu informieren. „Das war für mich eine Grenzüberschreitung“, sagt Yumiko.

Unschöne Geburt und schwieriger Start
Sie erinnert sich an einen OP-Saal mit gleißendem Licht, fixierte Beine und ein schmales Bett. Sie wollte ihr Kind im Vierfüßlerstand oder in einer aufrechten Position gebären, doch das wurde ihr nicht erlaubt. Im Liegen konnte sie nicht kräftig genug pressen, sodass ihr Sohn mit einer Zange geholt werden musste. „Die Schwerkraft hat gefehlt“, meint sie. Den Ärzten macht sie dennoch keinen Vorwurf. „Sie haben nach ihrem besten Wissen gehandelt.“ Trotzdem hatte sie das Gefühl, es nicht allein geschafft zu haben.
Der Start in die Mutterschaft fiel ihr schwer, da sie sich die Geburt anders vorgestellt hatte. Im Wochenbett ging es hektisch zu. Ihr Sohn musste nochmals stationär ins Spital, doch sie selbst konnte nicht dortbleiben. „Die Zeit, sich kennenzulernen, wurde dadurch erschwert.“ Erst nach dem Wochenbett fand sie zu den „parteras tradicionales“ (Hebammen der alten Tradition) und dadurch mehr in ihre Mutterschaft. Ihr Ehemann unterstützte sie bestmöglich, worüber sie „unglaublich glücklich“ ist. Nach drei Jahren in Mexiko zogen sie beruflich bedingt nach Vorarlberg. „Als wir hier waren, wurde ich schnell wieder schwanger.“

Wegen ihres chronischen Bluthochdrucks rieten ihr die Ärzte von einer Hausgeburt ab. Sie entschied sich für eine ambulante Geburt im Bregenzer Spital, begleitet von einer Hebamme. Erneut wollte sie im Vierfüßlerstand gebären, lag am Ende jedoch entkräftet auf dem Rücken. Das Bonding nach der Geburt sowie das Wochenbett waren in Bregenz deutlich besser als in Mexiko.
Für Hausgeburt entschieden
Als sie zum dritten Mal schwanger wurde, fragte die Hebamme sie, ob sie trotz ihres Bluthochdrucks eine Hausgeburt wolle. In Yumiko keimte der Wunsch erneut auf. Nach ausführlichen Gesprächen mit Ärzten und reiflicher Überlegung entschied sie sich gemeinsam mit ihrer erfahrenen Hebamme für eine Hausgeburt. Rückblickend bedauert Yumiko, dass ihr die Ärzte wegen ihres Bluthochdrucks Druck gemacht hatten. „Ich hätte mir mehr Vertrauen in mich und weniger angstbetonte Kommunikation von medizinischer Seite gewünscht.“ Für sie war die Hausgeburt „ein kraftvolles Erlebnis und einer der schönsten Momente meines Lebens“. Mit mentaler Vorbereitung war der Schmerz gut erträglich. „Du musst dich hingeben können und ganz bei dir sein.“

Eine heilsame, friedliche Geburt
Ihre beiden Söhne und ihr Mann standen ihr zur Seite. Eine Stunde vor der Geburt kamen Hebamme und Doula hinzu. Bei sanftem Licht konnte sie besser loslassen. „Ich habe versucht, die Wehen zu genießen. Es bringt nichts, dagegen anzukämpfen. Mein Mann hat mir so viel Kraft gegeben. Ich habe gespürt, dass mein Körper es auf natürliche Weise schafft.“ Es war für sie eine heilsame und friedliche Geburt. Der Blutdruck war wie erwartet hoch, aber für Yumiko normal. Die Hebamme hatte alles fachlich im Blick und betreute sie sehr gut. „Ihre ruhige Art voller Vertrauen in mich und mein Baby gab mir zusätzlich Kraft“, sagt Yumiko. Endlich klappte der Vierfüßlerstand. Rückblickend hätte sie sich die Hausgeburt für alle drei Kinder gewünscht. Doch für sie zählt vor allem, dass Frauen informiert und selbstbestimmt ihren eigenen Weg finden können – egal wo und wie sie gebären.