„Ich habe zweimal abgetrieben“: Rebecca hat ihre Entscheidung nie bereut

VN / 27.03.2026 • 09:00 Uhr
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Symbolbild: Zweimal nahm Rebecca die Abtreibungspille. VN/JUN

Für Rebecca bedeutet die Abtreibung eine „verspätete Verhütung“. Als Frau will sie selbst entscheiden, ob und wann sie schwanger wird.

Region Rebecca (Name von der Redaktion geändert) ist Mutter zweier Kinder. Schwanger war sie insgesamt fünfmal. Zwei Schwangerschaften hat sie abgebrochen, einmal erlitt sie eine Fehlgeburt. „Ich habe zweimal abgetrieben“, sagt sie selbstbewusst. Für sie ist der Schwangerschaftsabbruch eine „verspätete Verhütung“.

Bei der ersten ungewollten Schwangerschaft war Rebecca 23 Jahre alt und mitten im Studium. Sie hatte gerade das Verhütungsmittel gewechselt. „Es ist mir damals nicht einmal in den Sinn gekommen, dass ich schwanger werden könnte. Das war eine völlige Überraschung“, sagt Rebecca. Die Entscheidung fiel rasch: „Ich hatte verhütet, wollte nicht schwanger werden, also entschied ich mich für eine Abtreibung, die für mich wie eine erweiterte Verhütungsmethode war.“

Rebecca nahm die Abtreibungspille zu Hause im Beisein ihres damaligen Partners ein. „Es war wie eine Hausgeburt“, erinnert sie sich. Ihre Entscheidung hat sie nie bereut. „Es war nicht der richtige Moment für eine Schwangerschaft.“ Auch ihr Partner war dieser Meinung.

Ihr erstes Kind war ebenfalls nicht geplant. Trotz Verhütung – dieses Mal verrutschte ein Kondom – wurde sie schwanger. Sie entschied sich, das Kind zu behalten. Die Wahl eines geeigneten Verhütungsmittels war für sie generell schwierig, da sie viele nicht vertrug. Zudem leidet sie an Endometriose. „Die Ärzte meinten, ich könne nicht schwanger werden. Vielleicht hat es dazu geführt, dass ich unterbewusst nicht so aufgepasst habe“, vermutet sie rückblickend.

Einmal nicht verhütet

Die nächste ungewollte Schwangerschaft ereignete sich einige Jahre später. „Wir waren betrunken und ich habe einmal im ganzen Jahr nicht verhütet.“ Wieder entschied sie sich für einen Abbruch. „Ich habe gerade einen neuen Job angefangen. Neuer Job und direkt schwanger – das geht nicht.“ Ohne Arbeit und mit zwei Kindern hätte das Geld nicht ausgereicht, wie sie selbst sagt. Ein Kind sei auch immer eine finanzielle Frage. Nur Mutter und Hausfrau zu sein, konnte sie sich nicht leisten – selbst mit ihrem Partner nicht.

Die gesetzlich vorgeschriebene einwöchige Bedenkzeit hatte sie bereits hinter sich, als sie die Klinik aufsuchte. „Ich habe es mir schon gut überlegt“, sagt sie. „Ich wusste ja, dass ich keine Schwangerschaft wollte.“ Während dieses Prozesses erhielt sie Unterstützung von Freunden. Ihrer Familie erzählte sie erst nach den Eingriffen davon – doch auch sie reagierte verständnisvoll.

Die Freiheit, selbst zu entscheiden

Einfach sei ein Schwangerschaftsabbruch nicht. „Man macht das nicht mit Freude“, sagt sie. Viele setzen eine Schwangerschaft automatisch mit einem Kind gleich, doch das Thema sei weitaus komplexer. „Man gibt der Frau nicht das Gefühl, selbst entscheiden zu können, was sie mit ihrem Körper machen will“, sagt Rebecca. Besonders wichtig sei es daher, selbst bestimmen zu dürfen, wann, wie und mit wem man Kinder bekomme. Mit beiden Abtreibungen ist sie im Reinen. „Für mich war das die beste Entscheidung.“

„Tiefes Gefühl der Schuld“

Anders war es bei ihrer Fehlgeburt in der zwölften Schwangerschaftswoche: Hier spürte sie ein „tiefes Gefühl der Schuld“. Sie glaubte, zu viel gearbeitet zu haben, weshalb ihr Körper keinen Raum für eine Schwangerschaft gehabt habe. „Diesem Baby trauere ich heute noch nach.“ Die Fehlgeburt empfand sie als deutlich traumatischer als die beiden Abtreibungen, da sie dieses Kind gewollt hatte.

Das letzte Kind war ein Wunschkind. Rebecca betont: „Es geht nicht um Kinder oder keine Kinder, sondern um meinen Körper. Dass ich darüber entscheiden darf, ob ich verhüte oder nicht, konsequent bis zur Abtreibung.“