Kommentar: Fremde, gefährliche Welten

VN / 30.03.2026 • 16:00 Uhr
Kommentar: Fremde, gefährliche Welten

Kinder vor jenen Gefahren schützen, denen sie im Netz begegnen: Das will auch die österreichische Bundesregierung. Das vergangenen Freitag präsentierte Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige hat allerdings derzeit noch keinen konkreten Starttermin, außerdem ist noch offen, wie die Altersprüfung konkret funktionieren soll. Als nächsten Schritt möchte man über den Sommer zu einer gesetzeskonformen Lösung finden, die dann noch mit der EU abgestimmt werden muss. Kann man Kinder mit Verboten, über die derzeit auch andere Länder nachdenken, tatsächlich vor den dunklen Seiten jener Plattformen bewahren, die unsere digitale Öffentlichkeit und unser Leben stark beeinflussen?

Expertinnen, Experten, Politik und Gesellschaft – wir alle werden uns mit dieser großen Frage noch intensiv beschäftigen müssen. Denn zumindest darüber, dass junge Menschen im Netz besonders verletzlich und angreifbar sind, sind sich alle aufgeklärten Geister einig. Viele Probleme beginnen schon bei der penetranten Dauerbeeinflussung, wenn es etwa um Selbstoptimierung und Schönheitsideale geht. Heute sind nicht nur Mädchen gefährdet, sich von irgendeinem gemeingefährlichen TikTok-Trend in eine Essstörung oder zu einer Brustvergrößerung drängen zu lassen.

Wie ein echter Kerl

Auch Burschen verfallen dem so genannten „Looksmaxxing“, bei dem sie ihre Gesichter „markanter“ operieren, ihre Beine verlängern lassen oder Steroide einnehmen. Weil sie glauben, nur mit perfektem Aussehen Erfolg haben zu können, bei den Frauen, im Job. Der Weg dahin: Zum Beispiel ein gebrochener Kiefer, um endlich so auszusehen wie ein echter Kerl mit einer kantigen Jawline, also einer ausgeprägten Kinnpartie. Hinter den extremen Schönheitsvorstellungen gedeihen in fremden Welten auch gefährliche Weltanschauungen. Extreme politische Einstellungen, Frauenhass und Radikalisierung prägen gerade auch die Incel-Community (Involuntary celibacy, kurz: Incel) im Netz. Also jene unfreiwillig zölibatär lebenden Burschen und Männer, die sich oft von den Frauen und der Welt abgelehnt wähnen.

Manche von ihnen reagieren darauf mit Gewaltausbrüchen. Wenn man diese Taten nachvollziehen und dagegen angehen will, muss man die Radikalisierungsmechanismen im Netz ernstnehmen: Die fatale Mischung aus gefährlichen Männlichkeitsbildern und Gewalt zielt auf die Zerstörung der gesellschaftlichen Ordnung ab. Uns Erwachsenen muss klar sein, dass wir kaum Einblick in die Lebenswelten der Jungen haben, die heute mit ganz anderen Einflüssen konfrontiert sind, als wir es waren. Was wäre denn mit uns als Heranwachsenden passiert, unter all diesem unmenschlichen Druck und mit all dem Dreck, der von den digitalen Plattformen verbreitet wird?