Kommentar: Heilige Kriege

VN / 15.04.2026 • 15:52 Uhr
Kommentar: Heilige Kriege

Frau Ammann hat ein paar Zitate gesammelt, gegenwärtige Gesprächskultur zwischen den Welten. Dialoge unter Gottesstaaten:

Mullah: „Mr. Trump spielen Sie nicht mit dem Schwanz des Löwen!“

Trump: „Ich werde Ihnen die Scheiße aus dem Leib bomben!“

Mullah: „Wir haben den Finger am Abzug …“

Trump: „Eure ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen! Öffnet endlich die verfickte Straße von Hormus, ihre verrückten Bastarde, sonst werdet ihr in der Hölle landen!“

Kriegsminister Hegseth: „Gott, lass bitte jede Kugel ihr Ziel finden.“

Mullah: „Ab nun entfallen alle unsere Rücksichtmaßnahmen.“

Netanjahu: „Mit noch größerer Gewalt werden wir euer Terrorregime zerschlagen.“

Mullah: „Wir werden die amerikanischen Truppen den Haien im Persischen Golf zum Fraße vorwerfen.“

Netanjahu: „Ich würde keine Lebensversicherung für diese Führer abschließen.“

Hegseth: „Wie Christus … kämpfen wir letztendlich auf einem geistlichen Schlachtfeld.“

So kann es zugehen, wenn martialische Vertreter der drei wichtigsten monotheistischen Weltreligionen aufeinander krachen. Gott, Allah und Jahwe – ob ER bzw. die DREI angebeteten sich wundern über ihre Schäfchen und die Auslegung ihrer Schriften?

Die geopolitische Fehde ist wohl auch ein Glaubenskrieg. Nichts Neues, aber der Kern manifestiert sich immer offizieller. Kreuzzug-Rhetorik und moralisch religiöse Überdehnungen lassen jeden Konflikt eskalieren und verstopfen die letzten diplomatischen Kanäle. Hegseth legitimiert inzwischen militärische Gewalt im Namen Jesu Christi:

„Der US-Soldat sei am Karfreitag  (Kreuzigung) abgeschossen worden und am Tag von Jesu Auferstehung gerettet worden.“  Schon klar.

Paula White, die Beraterin des Weißen Hauses in Glaubensfragen, beim Ostergebet im Oval Office: „Gott hatte immer einen Plan … und oh Herr durch deine Auferstehung ist auch ER (sie blickt auf Trump) auferstanden … der Herr hat gesagt, dass ER in allem siegreich sein wird, was er anfasst. Gott hat Trump für diesen Moment auserwählt.“ Der Präsident steht grinsend hinter ihr und nickt. Der Messias.

  Dem geht’s  natürlich um die Kontrolle der Energieflüsse, die er den Chinesen verwehren will (Venezuela – Hormus) aber gleichzeitig geht im Weißen Haus ohne GOTT gar nichts mehr. Atmosphärisch klingt alles dort wie eine sich konsolidierende Theokratie.

Die Welt reagierte natürlich zu alledem mit heller Empörung – „vulgäre Fehltritte, blasphemische Entgleisungen usw.“

Der Pontifex in Rom hat Stellung bezogen: „Gott hört nicht auf die Worte derjenigen, die Krieg führen“  und selbst Russland  „gewährt“ zwei Tage Waffenruhe fürs orthodoxe Osterfest. Rührend.

Ja, man darf in Zeiten wie diesen auch den Zyniker aus dem Sack lassen, meint Frau Ammann, zur Notwehr – Er darf sich schamlos zu seiner Enthemmung bekennen, wie die verrückt gewordenen „Staatenlenker“ es tun.

Übrigens: mit den Ungarn darf man sich wenigstens freuen, dort geht grade die Sonne auf.

Reinhold Bilgeri ist Musiker, Schriftsteller und Filmemacher, er lebt als freischaffender Künstler in Lochau.