Hohe Haftstrafe für Kokain-Importeur: “Bin völlig unschuldig!”

VN / 10.06.2026 • 14:14 Uhr
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Der Angeklagte bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch.Eckert

Drogenboss spielte den Unschuldigen, grinste und war empört über sein Urteil.

Feldkirch So weit wie in diesem Verfahren fallen Anklage und Verantwortung selten auseinander. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet den Angeklagten beim Prozess am Landesgericht Feldkirch als Drahtzieher, der in vier Monaten von April bis August 2025 sechs Kilo Kokain, 9,3 Kilo Cannabiskraut und ein Kilo MDMA (synthetische Droge) aus der Schweiz nach Vorarlberg schmuggeln ließ.

Außerdem soll der 38-Jährige in Vorarlberg die Drogen weiter an unbekannte Dritte verteilt haben. Er sei der Drahtzieher, der Organisator, der Macher gewesen, und er habe eingeteilt und delegiert, so die Anklagebehörde. “Ich habe weder mit Schmuggel noch mit der Organisation dieser Drogengeschäfte etwas zu tun”, beteuert der Angeklagte. Sein Bekannter, der übrigens der zweite “Geschäftsmann” in dem Netzwerk war, belaste ihn zu Unrecht. Und zwar, so der Beschuldigte, weil sich die beiden um ein Fahrrad gestritten hätten. “Das ist ja wohl total unglaubwürdig”, hält Staatsanwalt Simon Mathis entgegen.

Komplize sitzt bereits

Der Belastungszeuge wurde bereits verurteilt und sitzt mittlerweile eine rechtskräftige Haftstrafe von fünf Jahren ab. Was den nunmehrigen Angeklagten betrifft, beantragte Verteidiger Nicolas Stieger die Einvernahme von zwölf weiteren Zeugen.

Doch beinahe alle von ihnen geben an, den Angeklagten nicht, kaum oder nur flüchtig zu kennen. Von Drogengeschäften wissen sie angeblich überhaupt nichts. Somit gibt es wenig Fragen an die Geladenen. Vor der Polizei wussten einige jedoch, dass der Angeklagte der Boss war, dass er das Sagen hatte und die Chefposition innehatte.

Sieben Jahre Gefängnis

“Ich bin seit über 20 Jahren in Österreich, habe zwei Jahre als Lagerist in der Schweiz gearbeitet und dort wie auch hier in Vorarlberg gut verdient, ich bin in mehreren Vereinen, bin quasi fast ein Österreicher, warum sollte ich mir das kaputt machen?”, so der 38-Jährige. Nach halbstündiger Beratung entscheidet der Schöffensenat: “Der Angeklagte ist schuldig und wird zu sieben Jahren Haft verurteilt.” Dazu kommen noch ein paar Monate Strafrest aus einer früheren Verurteilung.

Beim Schuldspruch geht es zwar um etwas weniger Kokain, sprich “nurmehr” um 4,9 Kilo und um eine reduzierte Cannabismenge von 8 Kilo, der Rest der Drogendelikte bleibt bestehen. Drohbriefe und die Beeinflussung von Zeugen sind passé, hier gab es zu wenig Beweise. Für den Verurteilten ist es eine klare Sache, dass er als “völlig Unschuldiger” das Urteil in jeder Hinsicht bekämpfen wird. Grinsend meldet er Rechtsmittel an.