Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Streiflicht: Kontaktlos erwachsen werden

VN / 23.06.2026 • 14:21 Uhr

Einen Schokoriegel und einen Kaugummi legt der Knirps aufs Förderband. “Das macht 3,98 Euro”, sagt die Kassiererin. Jetzt müsste er eigentlich in der Geldbörse kramen und ihr die Münzen einzeln in die Hand zählen. Er ist kaum acht Jahre alt. Dann würde er mit puterrotem Kopf aufblicken, weil fünf Cent fehlen. Und die Kassiererin würde lächelnd darüber hinwegsehen und ein verlegenes “Dankeschön” entgegennehmen. So war das früher.

Heute hält er ihr seine Smartwatch hin, ohne sie anzusehen. Das nennt man kontaktloses Bezahlen. Es funktioniert, wenn die Uhr mit einem Konto verknüpft ist, in diesem Fall mit Taschengeld.

Der Junge ist schon wieder weg. Alles ganz normal. Er kommt regelmäßig her und lebt wohl in der Nachbarschaft. Dass seine Smartwatch einmal den Dienst verweigert hat, weil das Konto leer war, hat hier noch niemand erlebt. Er zahlt ganz nebenbei – offenbar fließt das Taschengeld regelmäßig. Das muss angenehm sein. Sehr bequem und brandgefährlich.