Freier Himmel, Feuer, Fleisch
Unlängst hat sich einer in einer anderen Zeitung extrem übers Grillen aufgeregt. Das ist im Sommer quasi inbegriffen: die einen grillen, die andern hassen es und schreiben darüber. Der hier fand, nicht nur das Grillen selbst sei eine Plage, sondern auch, zum Grillen eingeladen zu werden. Daran findet er absolut alles nervig: Spieße, Gemüse, vormariniertes Fleisch, Nudelsalate, Erdäpfelsalat, Grillsaucen, Bier, und vor allem die fachsimpelnden Männer in Cargo-Shorts am Grill, die es trinken und einfach nicht begreifen wollen, dass Fleisch in einer gusseisernen Pfanne besser aufgehoben ist als auf einem Grill.
Ja!! Kann man machen! Muss man aber nicht. Und nochmal ja: Natürlich gibt es begründete Einwände gegen das Grillen, viele!, und wie kann man dem begegnen: indem man den anderen ihre Grill-Freude lässt und halt selbst nicht grillt. Ich habe meinen alten verbeulten Billiggriller irgendwann an die Straße gestellt und siehe da, irgendwem war er noch gut genug. Aber wenn man mich zum Grillen einlädt, sage ich sicher nicht nein. Zumal ich es in Freundeskreis und Nachbarschaft mit Verrückten zu tun habe, die die Zubereitung von Fleisch und Gemüse mit Feuer unter freiem Himmel wirklich perfektioniert haben. Ist mir egal, was sie dabei anhaben, trinken oder fachsimpeln: Ich verspeise mit Begeisterung, was immer von ihrem Grill auf meinem Teller landet.
Das Kamel wird in einem Glutloch vergraben und nach zwei Tagen wieder ausgegraben und mit Reis serviert. Reicht laut T.C. Boyle für 200 Gäste.
Der Begriff Grillen wird unter diesen Freunden durchaus weit gefasst. Unlängst hat einer in seinem Garten ein tiefes Loch gegraben, da drin ein Feuer gemacht, eine zerteilte Sau auf die Glut gelegt und das Loch wieder mit Erde zugeschüttet. Als die Sau am nächsten Tag wieder ausgegraben wurde, war sie so unvergleichlich zart, saftig und rauchig und ja, irgendwie cremig, das hätte auch dem Autor der Anti-Grill-Glosse geschmeckt.
Mich hat es sehr erinnert an das Rezept für gebackenes Kamel aus T.C. Boyles Roman „Wassermusik“. Dort wird ein Kamel mit Schafen gefüllt, die mit Trappen gefüllt sind, die mit Karpfen gefüllt sind, die mit hartgekochten Eiern gefüllt sind. Das Kamel wird dann ebenfalls in einem Glutloch vergraben, und nach zwei Tagen wieder ausgegraben und mit Reis serviert. Reicht laut Boyle für 200 Gäste.
Hin und wieder bekomme auch ich Lust zum Grillen, dann legen wir, wenn es nicht gerade so trocken ist wie jetzt, mein altes Grillgitter auf die Feuerschale, und grillen uns auf der Glut gefaltete, mit Käse und Tomaten gefüllte Tortillas und ein paar Würstel; wenn ich Glück habe, finde ich neben den Käsekrainern vom Waldviertler Metzger im Tiefkühler auch noch ein paar Olmas. Weil dieses Kochen mit Feuer, unterm Sternenhimmel: es hat schon was.
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