Überall ein Stück Heimat

VN / 28.07.2026 • 14:19 Uhr
Antonio Romero fühlt sich nirgends und gleichzeitig überall zu Hause. HRJ
Antonio Romero fühlt sich nirgends und gleichzeitig überall zu Hause. HRJ

Antonio Romero verbindet Kulturen, Sprachen und das Olivenöl seiner Familie.

Feldkirch Spanien ist Weltmeister! In der 106. Minute flog der Ball ins Tor der Argentinier. Was für ein Sieg! „Für mich als Fußballverrückten ist das das Höchste der Gefühle“, sagt Antonio Romero. Dieses WM-Finale wird für den Spanier noch lange Gesprächsthema Nummer eins sein. Aber nun erzählt Antonio erst einmal, wie Vorarlberg für ihn eine Heimat geworden ist.

“Fast jeder, den man trifft, erzählt von seinem Urlaub in Spanien. Das verbindet.“

Antonio Romero, Geschäftsführer von Oro del Camello

Geboren wurde er am 3. November 1981 in Arbon in der Ostschweiz. Zwei Jahre später zog die Familie Romero nach Moudon (Westschweiz). Antonio war zwölf, als die Eltern beschlossen, mit ihm und seinen Brüdern Juan Francisco und Rubén nach Spanien zurückzukehren, um in ihrer Heimatstadt Alcalá la Real in Andalusien den familieneigenen Olivenhain zu führen.

Begabung für Sprachen

Die Grundschule besuchte Antonio in der Schweiz und in Spanien. Seine Studien – Tourismusmanagement und Dolmetschen – absolvierte er in Granada. Mit zwei Hochschulabschlüssen boten sich ihm viele Chancen. Sein erster Weg führte ihn 2006 nach Vorarlberg – an die Rezeption des Hotels Kristiania in Lech. Neben Spanisch sprach er auch Englisch, Französisch und Italienisch. „Deutsch konnte ich nur wenig“, erinnert er sich. Dank seiner Begabung erlernte er jedoch auch diese Sprache rasch. Es folgten Stationen beim Vorarlberger Reiseveranstalter Rhomberg und bei der Schweizer Ferienregion Flims Laax.

Ein Grund, sich für Vorarlberg zu entscheiden, war vielleicht auch die Begegnung mit Katrin. Sie lernten sich 2005 in Granada kennen. Die Oberösterreicherin, die in Salzburg Spanisch studierte, absolvierte dort ein Auslandssemester. Antonio: „Zwischen uns war es die berühmte Liebe auf den ersten Blick.“

Dem kommunikativen, sprachgewandten Spanier fiel es leicht, sich im Ländle einzuleben. HRJ
Dem kommunikativen, sprachgewandten Spanier fiel es leicht, sich im Ländle einzuleben. HRJ

2011, nachdem Katrin ihr Studium beendet hatte, bewarben sich beide als Spanischlehrer an den Feldkircher Gymnasien. Sie erhielt eine Stelle am Gymnasium Schillerstraße, er am Gymnasium in der Rebberggasse. Zusätzlich unterrichtete Antonio Spanisch an der HAK Bludenz. Er hörte nach einem Jahr auf.

Nach wie vor lebt Antonio mit Katrin und den beiden Söhnen Noam (12) und Lucas (8) in Feldkirch. Beruflich hat er sich verändert. Heute leitet er die Tourismusorganisation Werdenberg Tourismus – in Teilzeit. „Hauptberuflich bin ich seit sechs Jahren Geschäftsführer meines Unternehmens Oro del Camello.“ Von Feldkirch aus vertreibt er das hochwertige Olivenöl seiner Familie. Er und sein Bruder übernahmen den Olivenhain 2020 von den Eltern. Während Rubén sich in Andalusien um Anbau und Ernte kümmert, verantwortet Antonio den Vertrieb von der Montfortstadt aus.

Leidenschaftlicher Fußballer

Auch sonst wird es dem umtriebigen Spanier nicht langweilig. Er arbeitet nebenbei als Dolmetscher im Sozialbereich und engagiert sich als Nachwuchstrainer beim FC Blau-Weiß Feldkirch. „Fußball ist meine große Leidenschaft“, gesteht er.

Hauptberuflich vertreibt Antonio Romero von seiner Familie in Andalusien hergestelltes Olivenöl. HRJ
Hauptberuflich vertreibt Antonio Romero von seiner Familie in Andalusien hergestelltes Olivenöl. HRJ

War es schwierig, sich in Vorarlberg zu integrieren? „Nein. Für Spanier ist das einfach“, sagt er. „Fast jeder, den man trifft, erzählt von seinem Urlaub in Spanien. Das verbindet.” Kulturelle Unterschiede nimmt er dennoch wahr: „Vor allem bei der Einstellung zur Arbeit. Hier arbeiten viele Menschen 14 Stunden am Tag, ohne selbst Unternehmer zu sein. Es gibt kaum Pausen, kaum Zeit für Gespräche. In Spanien ist das anders. Viele Pausen, viel Kaffee, viel Essen, viel Sozialisieren.”

Seine Entscheidung für Vorarlberg hat Antonio nie bereut. „Es war ein Glück, hier anzukommen. Ich betrachte es längst als eine Heimat.“ Er hat mehrere: „Ich bin spanischer Staatsbürger, wurde in der Schweiz geboren, lebe in Österreich. Deshalb bin ich nirgends und zugleich überall zu Hause.“

Der Sitz seines Unternehmens Oro del Camello ist in Feldkirch, wo Antonio Romero mit seiner Familie auch lebt. HRJ
Der Sitz seines Unternehmens Oro del Camello ist in Feldkirch, wo Antonio Romero mit seiner Familie auch lebt. HRJ