Mit ChatGPT Baumarkt betrogen

VN / 14.09.2026 • 15:21 Uhr
Mit ChatGPT Baumarkt betrogen
Die Angeklagte bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. eckert

Gewiefte Kassiererin bescherte ihrem Arbeitgeber über 14.400 Euro Schaden.

Feldkirch Innerhalb von drei Monaten, von Jänner bis März dieses Jahres, gelang es einer Angestellten eines Vorarlberger Baumarktes, beachtliche Summen abzuzweigen. Die Frau war einst Profi- beziehungsweise Großkundenbetreuerin in dem Heimwerkermarkt. Doch sie nutzte ihre Stellung aus und ging dabei äußerst dreist vor. Kunden, die ein “Cashback”-Konto besitzen, erhalten über dieses Bonussystem beim nächsten Einkauf einen Teil des ausgegebenen Geldes bei ihrem Einkauf zurück. Die Frau täuschte vor, der betreffende Kunde wäre vor Ort und wünsche die Barauszahlung seiner Gutschriften.

Schlau eingefädelt

Dafür legte die Betrügerin eine Ausweiskopie sowie die Kundennummer der ahnungslosen Kunden vor und erreichte somit die Auszahlung der Gelder. Insgesamt schritt sie zwanzig Mal zur Tat und erbeutete somit eine Summe von 14.432,95 Euro.

Auch ein Werkzeug künstlicher Intelligenz machte sich die Frau zunutze. Im April stellte sie mittels ChatGPT und dem Programm Word einen Auszahlungsbon her, um die Auszahlung eines Guthabens zu erreichen. Die Fälschung legte sie dem Filialleiter vor. “Ich habe Scheiße gebaut, ich will alles zurückzahlen. Und ich will eine Therapie machen”, sagt die junge Dame, die bereits in einer Tankstelle und einer Sporthandelskette ganz ähnliche Taten beging, als Angeklagte vor Gericht. Zwei Vorstrafen hat sie deshalb bereits. Aus den Betrügereien von früher hat sie rund 25.000 Euro Schulden, nun kommen noch gute 14.000 Euro vom Baumarkt dazu. Somit beläuft sich ihr Schuldenstand derzeit auf rund 40.000 Euro.

Tränen und Reue

Im Prozess zeigt sich die junge Frau geständig. “Ich bin verlobt, werde heiraten und will Kinder kriegen. Da muss ich mein Leben im Griff haben”, meint sie. Deshalb sei sie jetzt zu einer Therapie entschlossen.

“Das haben Sie beim letzten Prozess schon gesagt, warum sollen wir Ihnen jetzt glauben?”, will Staatsanwalt Christoph Stadler wissen. Für die Einzeltherapie fehle ihr das Geld, deshalb wolle sie nun in eine Gruppentherapie, so die Angeklagte. Zurzeit ist sie arbeitslos, bekommt vom AMS allerdings 1400 Euro monatlich. Richterin Franziska Klammer verurteilt die Unterländerin wegen schweren, gewerbsmäßigen Betruges und Urkundenfälschung zu zwölf Monaten, acht davon bedingt. Kann sie einen Job vorweisen, steht die Fußfessel zur Debatte. Geht sie ins Gefängnis, wird sie als erstmals Inhaftierte nach drei Monaten bedingt entlassen. Sie akzeptiert, und auch der Staatsanwalt ist einverstanden. Den drei Betrogenen muss sie den Schaden zurückbezahlen.