So kam es wegen Kopftuchverbot zum ersten Polizeieinsatz

VN / 21.09.2026 • 16:14 Uhr
In der Volksschule wurde das Kopftuchverbot abgeschafft. Auch im Kindergarten soll es damit zu Ende gehen. AP
Der Gesetzgeber hat sich für ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren an den Schulen entschieden. Das gefällt nicht allen. AP/Symbolbild

Entgegen der offensichtlichen Akzeptanz an den meisten Schulen rebellierte in Bregenz ein uneinsichtiger Vater.

Bregenz Bianca Wimmer, Direktorin an der Mittelschule Bregenz-Schendlingen, hätte sich den Schulstart etwas harmonischer gewünscht. Doch kaum kam der erste Schultag vor einer Woche in die Gänge, musste Wimmer Verstöße gegen das in Kraft getretene Gesetz zum Kopftuchverbot für Mädchen bis 14 Jahren registrieren. Dazu kamen Proteste einiger muslimischer Eltern vor dem Schulgebäude. Sieben Mädchen weigerten sich dann tatsächlich, die religiöse Kopfbedeckung im Unterricht abzunehmen. Und sie tun das bis heute.

Er weigerte sich, zu gehen

Am Montag nun folgte eine Eskalation. Ein muslimisches Ehepaar demonstrierte erneut vor dem Schulgebäude. “Der Mann führte sich sehr ungehalten und rabiat auf. Ich versuchte ihm klarzumachen, dass ich ein Gesetz zu vollziehen habe und das Kopftuchverbot nicht meine Entscheidung ist. Nach einer langen Diskussion forderte ich ihn auf, die Schule zu verlassen. Dem kam er nicht nach. Danach rief ich die Polizei”, schildert Wimmer die unangenehme Situation am Montagvormittag.

Die Direktorin wünscht sich nichts sehnlicher als Ruhe an ihrer Bildungsstätte. “Die Muslime sind bei uns eine kleine Minderheit. Ich hätte viel anderes zu tun, als mich mit solchen Vorfällen herumzuschlagen.” Wegen der sieben Mädchen, die sich weigern, das Kopftuch abzunehmen, wird sie, wie im Gesetz vorgesehen, die Bildungsdirektion kontaktieren.

So kam es wegen Kopftuchverbot zum ersten Polizeieinsatz
Diversitätsmanager Mustafa Can ist bei der Bildungsdirektion Vorarlberg für interkulturelle Angelegenheiten zuständig. VN/Heimat

Mädchen nicht belasten

Dort ist man für Gespräche mit Eltern, deren unter 14-jährige Töchter an den Schulen das Kopftuch nicht abnehmen, gerüstet. Oberste Maxime dabei: “Die Mädchen selber möglichst nicht belasten”, erklärt Monika Steurer, pädagogische Leiterin der Vorarlberger Bildungsdirektion. Die Gespräche mit den Eltern führen Mustafa Can (52), Diversitätsmanager an der Bildungsdirektion (BID), der/die für die Schule zuständige Schulqualitätsmanager – bzw. –Managerin sowie ein Vertreter/eine Vertreterin der BID-Rechtsabteilung.

Sollte das Gespräch nicht zur Einhaltung des Gesetzes führen, folgen Anzeigen an die Bezirkshauptmannschaft und in letzter Konsequenz Geldstrafen bis zu 800 Euro.

So kam es wegen Kopftuchverbot zum ersten Polizeieinsatz
Monika Steurer, pädagogische Leiterin der Bildungsdirektion Vorarlberg, wünscht sich, dass die muslimischen Mädchen möglichst nicht belastet werden.roland paulitsch

Mehrere Anfragen

Im Zuge des nun geltenden Kopftuchverbots gehen immer wieder Anfragen bei Mustafa Can ein. “Da wollen etwa Schulleiter wissen, wie sie mit jenen Mädchen umgehen sollen, die unmittelbar vor ihrem 14. Geburtstag stehen. Aber es melden sich auch Eltern von muslimischen Mädchen. Und das nicht nur zum Protest gegen das Kopftuchverbot. Im Gegenteil: Es gibt auch Eltern, die wissen wollen, wie sie ihre störrischen Töchter zum Ablegen des Kopftuchs bringen können. Die Anfragen sind sehr vielfältig.”

Man bemühe sich seitens der Bildungsdirektion, im Einverständnis mit den Eltern Termine für Gespräche zu vereinbaren – so diese notwendig sind. Bei Bedarf stellt die Bildungsdirektion auch Übersetzer.

“Wie viele der muslimischen Mädchen sich letztlich weigern, das Kopftuch abzulegen, werden wir wohl erst in einigen Tagen wissen. Zuerst versuchen ja die Schulleitungen, in Gesprächen mit Eltern das Gesetz umzusetzen”, präzisiert BID-Kommunikationsleiterin Elisabeth Mettauer das Prozedere.