VVV lässt Fahrgäste mitreden – aber Antworten geben möchte er nicht

VN / 23.09.2026 • 16:08 Uhr
VVV lässt Fahrgäste mitreden – aber Antworten geben möchte er nicht
Die Fahrgäste sollen schon bald bei der Produktentwicklung und Servicegestaltung des Vorarlberger Verkehrsverbundes (VVV) beteiligt sein.VN

Das “VMOBIL Forum” soll Fahrgästen mehr Mitsprache im öffentlichen Verkehr ermöglichen – wesentliche Fragen bleiben indes offen. Ein VN-Hintergrund.

Schwarzach Fahrgäste sollen schon bald bei der Gestaltung des öffentlichen Verkehrs mitreden können. Wie das “VMOBIL Forum – Mobilität aktiv mitgestalten” funktioniert, wird auf der Webseite des Unternehmens erklärt. Wenn es um Details geht, bleiben Auskünfte unterdessen vage, wie ein VN-Hintergrund zeigt.

Fehlende Antworten

Alle Vorarlberger ab 16 Jahren, die Bus, Bahn, Rad oder Carsharing nutzen und dieses Angebot mitgestalten möchten, können sich bis zum 11. Oktober für das “VMOBIL Forum” anmelden. Dafür müssen sie einen Fragebogen ausfüllen. Schlussendlich wählt der Vorarlberger Verkehrsverbund (VVV) ein Team aus den Bewerbern aus. Dieses soll durch Diskussionsrunden, Umfragen oder Workshops mehrmals im Jahr unentgeltlich seine Perspektiven einbringen. Der erste Schwerpunkt wird das neue Tarifsystem sein.

VVV lässt Fahrgäste mitreden – aber Antworten geben möchte er nicht
Fahrgäste können sich aktuell für ein beratendes Gremium des VVV bewerben.VN

Dieses geplante Gremium wirft allerdings Fragen auf, Antworten bleiben größtenteils aus. Wer entscheidet darüber, welche Bewerber geeignet sind, mitzudiskutieren? Werden die Namen der schlussendlich festen Mitglieder veröffentlicht oder bleibt die Teilnahme anonym? Und wie stark werden die Ergebnisse des Forums in Entscheidungen des VVV einfließen? Zu all diesen Fragen schweigt der Verkehrsverbund Vorarlberg auf Anfrage.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Teilnehmer

Franz Schwerzler (75) aus Feldkirch hat vor, sich für das “VMOBIL Forum” anzumelden, auch wenn er diesem etwas skeptisch gegenübersteht. “Oft nehmen an solchen Prozessen Menschen teil, die private Interessen haben, etwa dass eine bestimmte Buslinie besser bedient wird”, schildert der ehemalige Verkehrsplaner des Landes, der in den 90er-Jahren den VVV mit aufgebaut hat. Grundsätzlich steht er dem neuen Tarifsystem kritisch gegenüber. Während der VVV das neue System bei Bedarf anpassen würde, erachtet Schwerzler es als sinnvoller, zum alten Dominosystem zurückzukehren und dieses zu verbessern.

VVV lässt Fahrgäste mitreden – aber Antworten geben möchte er nicht
Franz Schwerzler baute den VVV in den 90er-Jahren mit auf. privat

Es stellt sich die Frage, ob der VVV bei der Auswahl des Teams darauf achtet, ob die Bewerber dem Öffi-System kritisch oder positiv gegenüberstehen. Falls nicht: Wie wird verhindert, dass vor allem besonders unzufriedene oder besonders zufriedene Fahrgäste teilnehmen? Auch diese Fragen beantwortete der VVV nicht.

Sind es Fragen, die die Öffentlichkeit nicht betreffen? Sollte eine stark aus öffentlichen Geldern finanzierte Institution nicht über relevante Projekte Auskunft geben? Eine Antwort auf diese Fragen können sich die Leserinnen und Leser zumindest selbst geben.

VVV lässt Fahrgäste mitreden – aber Antworten geben möchte er nicht
Egal, ob man Bus, Bahn, Rad oder Carsharing nutzt – in jedem dieser Fälle kann man sich für das “VMOBIL Forum” anmelden.Alexandra Serra

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Einbeziehung von Busfahrern

Dass Fahrgäste über das “VMOBIL Forum” mitreden können, ist neu. Andere Beteiligte wie politische Vertreter, Busfahrer und Kontrolleure bezieht der VVV nach eigenen Angaben grundsätzlich in die Gestaltung neuer Angebote ein. Auch bei der Evaluierung des neuen Tarifsystems soll dies der Fall sein.

VVV lässt Fahrgäste mitreden – aber Antworten geben möchte er nicht
Einige Busfahrer beschweren sich, weil das neue System schwieriger ist als das alte. Dieser Busfahrer hat immer sein Tablet (links oben) mit der aktuellen Lokalzone offen, damit er notfalls nachsehen kann. VN

Im aktuellsten auf VMOBIL veröffentlichten Geschäftsbericht aus dem Jahr 2023 wird aufgezeigt, dass damals rund fünf Millionen Linienkilometer mit der Bahn und rund 20 Millionen mit dem Bus absolviert wurden. Vorarlberg ist demnach ein sehr “buslastiges” Land. Das zeigt, welche zentrale Rolle Busfahrer für den öffentlichen Verkehr spielen.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Ein Busfahrer, der aus Sorge vor beruflichen Nachteilen anonym bleiben möchte, sagt, dass bislang weder er noch seine Kollegen zur neuen Verkaufssoftware oder zu ihren Erfahrungen mit dem neuen Tarifsystem insgesamt befragt worden seien.

Wie wird sichergestellt, dass sich Busfahrer offen äußern können, ohne berufliche Folgen wie eine Kündigung befürchten zu müssen? Und wie werden jene ausgewählt, die mitreden dürfen? Auch diese Fragen beantwortete der VVV nicht.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.