Gegen Traktor gedrückt: “Bauernkrieg” unter Landwirten

VN / 07.10.2026 • 11:17 Uhr
Gegen Traktor gedrückt: "Bauernkrieg" unter Landwirten
Bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch ist nur einer der beiden streitbaren Landwirte angeklagt. Eckert

Dauerhafter Zoff in kleiner Oberländer Gemeinde endete mit gegenseitigen Vorwürfen vor Gericht.

Feldkirch Seit langem schwelt ein Streit zwischen zwei Oberländer Bauernfamilien in der kleinen Gemeinde in der Nähe von Feldkirch. Und beide sparen nicht mit gegenseitigen Anschuldigungen, von denen die Gegenseite jeweils angibt, diese seien völlig aus der Luft gegriffen. Auf der Anklagebank sitzt allerdings nur einer der beiden Bauern, ein 52-jähriger Nebenerwerbslandwirt, der zugibt, seinen 70-jährigen Kontrahenten am Ohr verletzt zu haben.

Am Ohrläppchen gezogen

Fest steht, das ist ärztlich bestätigt, dass der 70-jährige Landwirt durch das Ziehen an seinem linken Ohr verletzt wurde. Das Foto zeigt, dass es leicht blutet. Weiters wurde der Mann gegen seinen Traktor gedrückt und an den Haaren gezogen. Im vorderen Brustbereich sieht man Hämatome. “Ich wollte erst nicht zur Polizei, doch meine Tochter sagt, dass das sonst gar nie aufhört, wenn wir keine Anzeige machen”, so das Opfer.

“Mir sind einfach die Nerven durchgegangen”, gibt der Angeklagte zu. Aber das habe auch seine Gründe, erklärt er Richter Theo Rümmele und holt weit und leidenschaftlich aus, um die Situation angemessen zu beschreiben.

Video angefertigt

“Das ist nämlich so, dass die ganze andere Familie immer wieder mit ihren schweren landwirtschaftlichen Geräten, Traktoren und dergleichen viel zu schnell an unserem Hof vorbeifährt. Meine Mutter wird bald 90, ich habe einen kleinen Sohn, und außerdem sind oft andere Kinder bei uns am Hof zum Spielen”, führt der Landwirt aus, dass er Angst habe, dass einmal etwas passiere. Es gibt auch ein Handyvideo, auf dem zu sehen ist, dass ein Traktor samt Güllewagen am Hof vorbeifährt. Wie schnell, lässt sich schwer abschätzen. “Es gehen dadurch auch immer wieder Sachen kaputt”, ergänzt der 52-Jährige. Er habe dem anderen schon so oft gesagt, dass er “normal” fahren solle. “Und die Frauen von denen, die fahren ja noch gefährlicher”, behauptet der Beschuldigte.

Gegenaktion

Sein 70-jähriger Kontrahent hingegen erzählt, dass auch er Opfer von Anfeindungen sei. So habe ihm der andere Bauer, der unweit von ihm entfernt wohnt, einen großen Büschel Ampfer ins Feld geworfen. Deshalb habe er ihn an jenem Julitag zur Rede gestellt. Ampfer ist ein Unkraut, das Weidetiere wegen des bitteren Geschmacks stehen lassen und das sich rasch ausbreitet. Deshalb wird es von den Bauern mühsam in Handarbeit ausgestochen.

“Das war nicht gerade nett von Dir, habe ich zu ihm gesagt. Da hat er mich aber schon am Kragen gepackt und gegen meinen Traktor gedrückt”, so der Zeuge. Von “zu schnell fahren” sei gar keine Rede gewesen an jenem Tag. Er habe auch einen Faustschlag von dem anderen bekommen, so der Zeuge weiter. Dies wiederum verneint der Angeklagte. Dass Drohungen fielen, kann vom Richter nicht festgestellt werden. Für die verbliebene Körperverletzung wird eine Strafe von 1440 Euro ausgesprochen. Dazu kommen 200 Euro Verfahrenskosten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.