Zellengenossen im Gefängnis brutal attackiert

VN / 08.10.2026 • 16:43 Uhr
Zellengenossen im Gefängnis brutal attackiert
Der Angeklagte bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Eckert

Streit in Feldkircher Justizanstalt eskalierte, selbst Pfefferspray konnte den Täter kaum bremsen.

Feldkirch “Ich schwöre auf meine Mutter und bei Gott …”, betont der 28-jährige Somalier in der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch, dass der andere Häftling ihn angegriffen habe und nicht umgekehrt. Er habe sich lediglich gewehrt, so der Afrikaner, der derzeit in Stein (Niederösterreich) eine 18-monatige Haftstrafe absitzt. Jetzt muss er unter anderem wegen absichtlich schwerer Körperverletzung für nochmals fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Für die Verhandlung musste man den Insassen eigens nach Feldkirch chauffieren, nach dem Prozess geht es wieder zurück in den Osten.

Ständig das Opfer

“Sie fahren die Schiene, dass Sie sich immer als Opfer ausgeben und alle sich gegen Sie verschworen hätten”, begründet der Vorsitzende des Schöffensenates, Alexander Wehinger, das Urteil. Der Somalier bringt es mittlerweile auf fünf einschlägige Vorstrafen, und immer wieder sind es Gewaltdelikte.

Auch dieses Mal war der völlig unvermittelte, grundlose Angriff auf einen Zellenkollegen in der Justizanstalt Feldkirch um sechs Uhr morgens äußerst brutal. Zuerst erfolgte ein Schlag mit einer gläsernen Kaffeedose, die mit Zucker gefüllt war. Diese Dose gilt rechtlich als “Waffe”, was den Strafrahmen erhöht. Der Schlag ins Gesicht verursachte beim 31-jährigen Opfer einen mehrfachen Nasenbeinbruch sowie Schürfwunden und Prellungen. Danach kniete sich der Angreifer auf den Kontrahenten und schlug ihm mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Danach folgten weitere Kopfstöße und Würgen.

Kaum zu überwältigen

Das Opfer schrie um Hilfe, die Justizwache nahte, forderte den Mann auf, aufzuhören. Doch der schlug weiter auf seinen Landsmann ein und würgte ihn noch heftiger. Die Wache drohte mit Pfefferspray, ohne Wirkung. Dann kam der Spray zum Einsatz, der Wütende wollte noch mit einer Gabel weiter auf das Opfer losgehen. Schlussendlich konnten mehrere Beamte den durchgedrehten Häftling überwältigen.

Zu dieser absichtlich schweren Körperverletzung kommt noch ein Angriff auf einen anderen Landsmann am Dornbirner Bahnhof. Der Mann wollte sich gerade Zigaretten kaufen. Das Opfer wurde leicht verletzt, auch hier: die Attacke unvermittelt, grundlos. Die Strafe für den Angeklagten, fünf Jahre und sechs Monate Haft, ist nicht rechtskräftig. Auch die Zahlung von 2000 Euro Schmerzengeld nicht. Der Strafrahmen für die Straftaten reicht von zwei bis 15 Jahren. Ob er sich gegen das Urteil wehren will, muss er sich noch überlegen. Ein Gratisanwalt wird ihm für den Fall eines Rechtsmittels jedenfalls weiterhin zur Verfügung gestellt.