Mit Aktstehen und Pulloverstricken den großen Traum finanziert

VN / 18.10.2026 • 17:00 Uhr
Mit Aktstehen und Pulloverstricken den großen Traum finanziert
Renate Graziadei hat einen außergewöhnlichen Lebensweg hinter sich. Phil Dera

Renate Graziadei wollte unbedingt Tänzerin werden. Wie ihr der Sprung von Altach auf die internationalen Bühnen dieser Welt gelang.

Schwarzach Wenn Renate Graziadei von ihrem Lebensweg erzählt, bekommt man das Gefühl, eine Künstlerseele zu hören, die es geschafft hat, ihr Innerstes nach außen zu tragen. Vom kleinen Altach ausgehend baute sich die heute 56-Jährige eine internationale Karriere als Tänzerin, Choreografin und Dozentin auf. Dahinter stecken jedoch keine reichen Eltern oder einflussreichen Kontakte, sondern enorme Eigeninitiative, harte Arbeit und eine übersprudelnde Leidenschaft.

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Für Renate Graziadei ist Tanzen keine Arbeit, sondern ihre große Leidenschaft.VN

Aus der Reihe tanzen

Der Ursprung von Graziadeis künstlerischem Drang lag nicht bei ihren Eltern. Ihr Vater war Maurer und Polier, ihre Mutter Hausfrau. Inspiriert wurde sie vom Deutschen Fernsehballett. “In jungen Jahren begann ich dann, Unterricht in einer Tanzschule in Lauterach zu nehmen”, erinnert sich die gebürtige Vorarlbergerin, die heute in Berlin lebt. Mit 16 Jahren entschloss sie sich, eine professionelle Ballettausbildung in St. Gallen zu absolvieren. “Ich arbeitete davor ein Jahr lang in einer Fabrik, um etwas zu den Kosten beisteuern zu können.” Auf Anfrage ihrer Eltern erhielten sie auch vom Altacher Bürgermeister finanzielle Unterstützung.

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Renate Graziadei zeigte schon in jungen Jahren große Eigeninitiative.VN

Eigentlich war Ballett nicht Graziadeis bevorzugte Tanzform. “Aber bei uns gab es nichts anderes”, schildert sie. Dass sie sich mit dem Stil wenig identifizierte, zeigte sich zum Beispiel durch ihr extravagantes Auftreten. Auch ihr Kontakt zur Punkszene passte nicht zum Bild einer Ballerina. “Aus der Reihe tanzen” war wie eine Stilrichtung, die sie von Natur aus beherrschte.

Nach der Ausbildung wagte sie ohne Englischkenntnisse den Sprung nach New York. “Das war ein Tanz-Hotspot in den 1980ern”, erzählt sie. Dort galt sie nicht mehr als Paradiesvogel und konnte ihre Persönlichkeit frei entfalten. Sie war Tanzstudentin und verdiente ihren Lebensunterhalt als Aktmodell an einer Kunstakademie sowie mit dem Stricken von Pullovern. Daneben arbeitete sie bereits als Tänzerin in der freien Szene, und in finanziell schwierigen Zeiten konnte sie auf die Unterstützung ihrer Eltern zählen. Warum sie dieses ungewisse Abenteuer auf sich nahm? “Weil ich Tanzen liebe und unbedingt Tänzerin werden wollte.”

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Renate Graziadei ist bis heute noch als Tänzerin tätig.VN

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Zweieinhalb Jahre lebte Graziadei in New York, dann kehrte sie nach Europa zurück und tanzte für S.O.A.P. Dance Theatre Frankfurt. Mit der renommierten Gruppe stand sie weltweit auf der Bühne – von Russland bis hin zu diversen südamerikanischen Ländern. Diese Tätigkeit brachte sie mit dem Tänzer und heutigen Ehemann Arthur Stäldi zusammen. Wenige Jahre später gründeten die beiden das Künstlerkollektiv laborgras.

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Renate Graziadei im Jahr 1991, als sie für S.O.A.P. Dance Theatre Frankfurt arbeitete. privat
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Renate Graziadei im Jahr 1994, in dem sie gemeinsam mit Arthur Stäldi laborgras gründete. privat
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Renate Graziadei gemeinsam mit Arthur Stäldi und ihrer Tochter Serafina im Jahr 2007. privat

“Labor” steht für die tänzerische Forschung und das Experimentieren. “Gras” greift ihre Namensinitialen auf und steht zugleich für Wachstum. Denn sowohl der Tanz als auch das Leben bedeuten für sie kontinuierliche Weiterentwicklung.

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Renate Graziadei und Arthur Stäldi haben laborgras gegründet: Es steht für künstlerische Forschung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und kontinuierliche Weiterentwicklung.VN

Für die Produktionen von laborgras entwickelt Graziadei Choreografien und steht selbst auf der Bühne. Abseits davon leitete sie 20 Jahre lang ein Tanzstudio, war immer wieder als Gasttänzerin tätig und betreute als Trainings- und Probenleiterin verschiedene Produktionen, darunter “Romeo und Julia” an der Pariser Oper. Für ihre künstlerische Arbeit erhielt sie mehrere Auszeichnungen.

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Laborgras’ Produktionen sind stark vom amerikanischen Tanz geprägt.VN

In den vergangenen Jahren ist es der Weltenbummlerin zunehmend wichtiger geworden, Zeit in ihrer Ursprungsheimat zu verbringen. Mehrmals pro Jahr kommt sie deshalb aus privaten und beruflichen Gründen nach Vorarlberg. So auch für die Produktion “A Masque for the Multiverse”, die am 11. November auf der Kulturbühne Ambach in Götzis aufgeführt wird.

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Renate Graziadei und Arthur Stäldi mit ihrer aktuellen Tanzgruppe bei einer Probe für eine Produktion im Spielboden Dornbirn.VN

Zur Person:

Renate Graziadei, international erfolgreiche Tänzerin

  • Geboren: 14. Mai 1970
  • Wohnort: Berlin
  • Ausbildung: diverse Tanzausbildungen
  • Beruf: Tänzerin, Choreografin und Dozentin
  • Familie: Ehemann Arthur Stäldi und eine Tochter (21)
  • Hobbys: Tanzen, Lesen, Handarbeiten wie Stricken und Nähen

Nächste Veranstaltung in Vorarlberg:

Was? A Masque for the Multiverse (Österreichpremiere) – eine Performance von laborgras und Continuum

Wann? 11. November 2026, 19:30 Uhr

Wo? Kulturbühne Ambach, Götzis

Inhalt? Das Werk verbindet historische Barockmusik mit zeitgenössischer Musik, Tanz und Performance. Es beschäftigt sich mit Identität, Verwandlung und kultureller Vielfalt.

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