Die schönsten Gaißen auf dem Laufsteg

Vorarlbergs Ziegenzüchter präsentierten auf dem Andelsbucher Goaßamat ihre Prachtexemplare.
Andelsbuch “Wenn man heute nicht glücklich und zufrieden ist – wann dann …?” – Christoph Schwarz, Vizeobmann des Landes-Ziegenzuchtverbands, brachte es nach sechs Stunden, in denen die eindrucksvolle Rekord-Ziegenschau in Andelsbuch über die Bühne ging, kurz und bündig auf den Punkt und strahlte mit Martin Netzer, seit Frühjahr 2026 Landesobmann, um die Wette, denn Tausende Besucher, die dem Geschehen im Ring folgten, waren beeindruckt, was ihnen von Vorarlbergs Ziegenzüchterinnen und -züchtern geboten wurde.

13 Rassen – 13.000 Tiere
Abergläubisch sind die rund 300 Züchterinnen und Züchter, die im Landesverband erfasst sind, ganz und gar nicht – denn sie züchten rund 13.000 Tiere (von denen etwa 1300 im Herdebuch erfasst sind) von 13 verschiedenen Rassen.

Und Andelsbuch feierte heuer Rekorde: Mehr als 50 dieser Züchterinnen und Züchter waren mit etwa 400 der schönsten Ziegen gekommen und sorgten damit für eine Marathonveranstaltung, bis in den vielen Kategorien die Sieger und am Ende die Schärpen für je vier Gesamtsieger bzw. Reservesieger vergeben werden konnten.

Keine Bange um die Zukunft
Es war herzerfrischend, wie viele der erfolgreichen Züchter ihren Kindern oder sogar Enkeln die ehrenvolle Aufgabe überließen, die prächtigen Ziegen in den Ring zu führen (oder umgekehrt) und der Jury (Kathrin Kühnig und Clemens Kuprian aus Tirol und Daniel Reisch aus Vorarlberg) zu präsentieren. Bei so viel Eifer und Stolz schon der zwei- und dreijährigen “Gaißen-Peter” oder “Heidis” muss einem um die Zukunft der Vorarlberger Ziegenzucht keine Bange sein.

Manche der heute “gestandenen” Ziegenzüchter haben schon vor Jahrzehnten als Kindergärtler stolz ihre Kitze vorgeführt, die damals zum Teil sogar an Ort und Stelle versteigert wurden. In nachhaltiger Erinnerung daran ist mir ein Vorfall geblieben, der das Publikum verblüffte und erheiterte: Eben hatte der Auktionator für ein kleines Kitz den Zuschlag erteilt, als ein aufgeregter Knirps – vielleicht drei, vier Jahre jung – in den Ring stürmte, dem verdutzten Auktionator sein Kitz entriss und damit schneller, als man schauen konnte, im Publikum verschwand. Nicht ohne empört über die Schulter zurückzurufen: “Um des Geald gib’ i mine Goaß ned her!”

Auf Vielfalt bedacht
Den Züchtern ist es auch ein großes Anliegen, die Vielfalt der Rassen zu bewahren. Das trifft speziell auf die Pinzgauer Strahlenziege zu, die ihr Überleben mutigen Züchtern verdankt, die diese Rasse in den unseligen Zeiten des NS-Regimes regelrecht versteckten und damit retteten. Unter dem Schlagwort “Rassenbereinigung bei Nutztieren” sollte damals die Ziegenhaltung auf braune Einheits-Milchziegen konzentriert werden. Nur dank einiger mutiger Bergbauern, die heimlich Restbestände hielten, überlebte die Rasse. Österreichweit gibt es aktuell nur gut 200 Strahlenziegen – einige davon stehen in Vorarlberger Ställen, z. B. in Hohenems oder im Kleinwalsertal.

Großartige Zuchterfolge
Juroren und Verbandsfunktionäre konnten nicht nur über diese seltenen Strahlenziegen informieren, sie stellten dem interessierten Publikum rund um die Ringe auch die anderen Rassen umfassend vor und erläuterten, worauf es bei einer Siegerziege ankommt und welche Zuchterfolge den ambitionierten Ziegenzüchtern seit Jahren gelungen sind – auch oder gerade beim Erhalt seltener Rassen, die noch vor wenigen Jahren kaum beachtet wurden, heute aber wichtiger Teil der Bewirtschaftung von Bergregionen sind, in denen Rinder nicht mehr zu Hause sind. STP

















