Krieg hat seinen Preis

Ulrike Herrmann sprach in der Stadtbibliothek zum Thema “Geld als Waffe”.
Dornbirn Kriege werden nicht allein auf dem Schlachtfeld entschieden. Auch wirtschaftliche Interessen, finanzielle Möglichkeiten und die Entwicklung eines Landes bestimmen, wie Konflikte entstehen und wie lange sie andauern. Mit dieser These beschäftigte sich die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann bei ihrem ausgebuchten Abend in der Stadtbibliothek. Grundlage war ihr Buch “Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet”, in dem sie die wirtschaftlichen Hintergründe der Konflikte zwischen Russland und der Ukraine sowie China und Taiwan untersucht.

Wirtschaftliche Aspekte
Dass Geld maßgeblich über weltpolitische Konflikte entscheidet, war die zentrale These des Abends. Kriege kosten enorme Summen und prägen die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Am Beispiel Russlands beschrieb Herrmann, wie Aufrüstung und Krieg zu einem wichtigen Teil der Wirtschaft geworden sind. Ein Ende des Krieges wäre für das Land deshalb keineswegs einfach: Rüstungsbetriebe und Armee binden Arbeitskräfte und Geld, zugleich blieben die wirtschaftlichen Folgekosten bestehen.


Ein weiterer Aspekt ihrer Analyse war die Inflation. Lange andauernde Kriege gingen nach Herrmanns Einschätzung mit einer erheblichen Belastung der Wirtschaft und steigenden Preisen einher. Die Finanzierung der Kriegsführung und die zunehmende Ausrichtung der Wirtschaft auf militärische Zwecke hätten auch Folgen für die Bevölkerung.

Auch Chinas Entwicklung betrachtete Herrmann unter ökonomischen Gesichtspunkten. Das Land sei zwar weiterhin eine große Wirtschaftsmacht, kämpfe jedoch mit einer anhaltenden Immobilienkrise, schwacher Binnennachfrage und hoher Jugendarbeitslosigkeit. Der Konflikt um Taiwan könne aus ihrer Sicht auch dazu dienen, von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten im eigenen Land abzulenken. Ein Angriff hätte für China allerdings erhebliche wirtschaftliche Risiken, etwa wenn wichtige Seehandelswege beeinträchtigt würden.

Aufrüsten, um abrüsten zu können
Besonders pointiert wurde Herrmann bei den Konsequenzen für Europa. Ihre Einschätzung: Russland strebe keinen Frieden an, solange es seine Ziele nicht erreicht habe. “Putin will keinen Frieden”, lautete eine ihrer zugespitzten Aussagen. Europa müsse deshalb zunächst militärisch aufholen. Man müsse auf dasselbe militärische Niveau wie Russland kommen, um später wieder abrüsten zu können, erklärte Herrmann. Ein einseitiger Verzicht auf Verteidigungsfähigkeit erhöhe aus ihrer Sicht die Verwundbarkeit.


Die Aussagen lösten deutliche Reaktionen aus und prägten die anschließende Diskussion. Dabei ging es auch darum, welchen Preis eine stärkere Verteidigung für Europa hätte: Höhere Militärausgaben bedeuteten, dass politische und wirtschaftliche Prioritäten neu gesetzt werden müssten.

Der Abend zeigte: Hinter den großen Konflikten der Weltpolitik stehen nicht nur Machtfragen und militärische Strategien. Auch die wirtschaftliche Ausgangslage entscheidet darüber, wie Kriege geführt werden – und warum Frieden so schwierig werden kann. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Programmreihe “Dinge neu denken” statt. LCF
