Krieg hat seinen Preis

VN / 02.11.2026 • 10:30 Uhr
Die Autorin und Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann veranschaulichte, wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet.
Die Autorin und Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann veranschaulichte, wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet. Laurence Feider

Ulrike Herrmann sprach in der Stadtbibliothek zum Thema “Geld als Waffe”.

Dornbirn Kriege werden nicht allein auf dem Schlachtfeld entschieden. Auch wirtschaftliche Interessen, finanzielle Möglichkeiten und die Entwicklung eines Landes bestimmen, wie Konflikte entstehen und wie lange sie andauern. Mit dieser These beschäftigte sich die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann bei ihrem ausgebuchten Abend in der Stadtbibliothek. Grundlage war ihr Buch “Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet”, in dem sie die wirtschaftlichen Hintergründe der Konflikte zwischen Russland und der Ukraine sowie China und Taiwan untersucht.

Die Veranstaltung fand vor vollbesetzten Rängen statt.
Die Veranstaltung fand vor voll besetzten Rängen statt. Laurence Feider

Wirtschaftliche Aspekte

Dass Geld maßgeblich über weltpolitische Konflikte entscheidet, war die zentrale These des Abends. Kriege kosten enorme Summen und prägen die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Am Beispiel Russlands beschrieb Herrmann, wie Aufrüstung und Krieg zu einem wichtigen Teil der Wirtschaft geworden sind. Ein Ende des Krieges wäre für das Land deshalb keineswegs einfach: Rüstungsbetriebe und Armee binden Arbeitskräfte und Geld, zugleich blieben die wirtschaftlichen Folgekosten bestehen.

Simone Kothgasser von der Stadtbibliothek stellte die Autorin Ulrike Herrmann vor.
Simone Kothgasser von der Stadtbibliothek stellte die Autorin Ulrike Herrmann vor. Laurence Feider
Die bekannte Wirtschaftsjournalistin sprach über den Zusammenhang von Ökonomie, Rüstung und Sicherheitspolitik.
Die bekannte Wirtschaftsjournalistin sprach über den Zusammenhang von Ökonomie, Rüstung und Sicherheitspolitik. Laurence Feider

Ein weiterer Aspekt ihrer Analyse war die Inflation. Lange andauernde Kriege gingen nach Herrmanns Einschätzung mit einer erheblichen Belastung der Wirtschaft und steigenden Preisen einher. Die Finanzierung der Kriegsführung und die zunehmende Ausrichtung der Wirtschaft auf militärische Zwecke hätten auch Folgen für die Bevölkerung.

Anlass für die Lesung war Ulrike Herrmanns neues Buch „Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet“.
Anlass für die Lesung war Ulrike Herrmanns neues Buch “Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet”. Laurence Feider

Auch Chinas Entwicklung betrachtete Herrmann unter ökonomischen Gesichtspunkten. Das Land sei zwar weiterhin eine große Wirtschaftsmacht, kämpfe jedoch mit einer anhaltenden Immobilienkrise, schwacher Binnennachfrage und hoher Jugendarbeitslosigkeit. Der Konflikt um Taiwan könne aus ihrer Sicht auch dazu dienen, von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten im eigenen Land abzulenken. Ein Angriff hätte für China allerdings erhebliche wirtschaftliche Risiken, etwa wenn wichtige Seehandelswege beeinträchtigt würden.

Ulrike Herrmann beleuchtete die weltweiten Krisenherde aus einem ökonomischen Blickwinkel.
Ulrike Herrmann beleuchtete die weltweiten Krisenherde aus einem ökonomischen Blickwinkel. Laurence Feider

Aufrüsten, um abrüsten zu können

Besonders pointiert wurde Herrmann bei den Konsequenzen für Europa. Ihre Einschätzung: Russland strebe keinen Frieden an, solange es seine Ziele nicht erreicht habe. “Putin will keinen Frieden”, lautete eine ihrer zugespitzten Aussagen. Europa müsse deshalb zunächst militärisch aufholen. Man müsse auf dasselbe militärische Niveau wie Russland kommen, um später wieder abrüsten zu können, erklärte Herrmann. Ein einseitiger Verzicht auf Verteidigungsfähigkeit erhöhe aus ihrer Sicht die Verwundbarkeit.

Die Ausführungen von Ulrike Herrmann fanden großen Anklang beim Publikum.
Die Ausführungen von Ulrike Herrmann fanden großen Anklang beim Publikum. Laurence Feider
Das Publikum hatte viele Fragen im Anschluss an die Lesung.
Das Publikum hatte viele Fragen im Anschluss an die Lesung. Laurence Feider

Die Aussagen lösten deutliche Reaktionen aus und prägten die anschließende Diskussion. Dabei ging es auch darum, welchen Preis eine stärkere Verteidigung für Europa hätte: Höhere Militärausgaben bedeuteten, dass politische und wirtschaftliche Prioritäten neu gesetzt werden müssten.

Ulrike Herrmann nahm sich viel Zeit für die Fragen der Besucher.
Ulrike Herrmann nahm sich viel Zeit für die Fragen der Besucher. Laurence Feider

Der Abend zeigte: Hinter den großen Konflikten der Weltpolitik stehen nicht nur Machtfragen und militärische Strategien. Auch die wirtschaftliche Ausgangslage entscheidet darüber, wie Kriege geführt werden – und warum Frieden so schwierig werden kann. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Programmreihe “Dinge neu denken” statt. LCF

Ulrike Herrmann war im Rahmen der Programmreihe „Dinge neu denken“ zu Gast in der Stadtbibliothek.
Ulrike Herrmann war im Rahmen der Programmreihe “Dinge neu denken” zu Gast in der Stadtbibliothek. Laurence Feider