Eine explosive Käsemischung

Vorarlberg / 19.11.2012 • 21:45 Uhr
Ist Überdüngung schuld an den Qualitätsproblemen des Bregenzerwälder Käse? Foto: VN/Berchtold
Ist Überdüngung schuld an den Qualitätsproblemen des Bregenzerwälder Käse? Foto: VN/Berchtold

Im Bregenzerwald wird mit Hühnermist gedüngt. Dem Käse bekommt das nicht.

Schwarzach. Im Bregenzerwald gärt es. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auf Alpen und beim größten Käseverarbeiter des Tales wird der so gelobte Alpkäse schlecht. Wird schwarz oder platzt auf, weil er gärt. Ein riesiger Schaden für die Landwirtschaft im Wald. Qualitätsprobleme haben die Sennereien schon länger, so mehrere Milchbauern im Gespräch mit den VN, in letzter Zeit haben sie nochmals zugenommen.

Qualitätsprobleme

„Wegen dem Hühnerdung“, ist sich der Hohenemser Landwirt Karl Josef Mathis sicher. Und er ist mit seiner Meinung nicht alleine. Mit Hühnerdung behandeln etliche Bregenzerwälder Bauern nämlich ihre Wiesen. Und zwar so üppig, dass das so gedüngte Gras den Kühen nicht gut tut. Und auch der Milch nicht.

Nur die Landwirtschaftskammer wiegelt ab. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, vermutet Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger, als er mit den Vorwürfen konfrontiert wird. Man sollte nicht urteilen, bevor man richtig informiert sei, weist er Zusammenhänge von sich, gesteht aber ein, dass es sowohl Qualitätsprobleme beim Bregenzerwälder Paradeprodukt Käse gibt, als auch, dass Hühnerdung auf den Bregenzerwälder Wiesen landet.

„Die Qualitätsprobleme sind nicht eindeutig zuorden- bar. Wir führen derzeit bakterologische Untersuchungen durch, die klären sollen, wieso es zu den Qualitätsproblemen gekommen ist“, erklärt der Landwirtschaftskammer-Präsident. Um dann doch nocht festzuhalten: „Sollte es da einen Zusammenhang geben, werden wir das sofort abstellen.“ Noch ist es aber nicht soweit, noch wird aufgeregt diskutiert, was mit dem Käse passiert ist – etwa bei einer Veranstaltung in Andelsbuch, bei der sich betroffene Bauern Luft gemacht haben.

Kein Zertifikat

Aber auch wenn es keinen Zusammenhang zwischen Hühnerdung und Gärkäse geben sollte (wovon Fachleute nicht ausgehen), ist die Sache für die Vorarlberger Landwirtschaftskammer und ihre Mitglieder durchaus pikant. Denn der Hühnerdung hat keine Zertifizierung als gentechnikfreier Dünger. Ein eindeutiger Verstoß gegen die selbst auferlegten Kriterien einer gentechnikfreien Region, „eine Täuschung der Endverbraucher“, wie bei der kürzlich stattgefundenen Konferenz der gentechnikfreien Bodenseeanrainer-Länder ein Teilnehmer nüchtern feststellte.

Angeliefert wird der zu Pellets gepresste Hühnerdung aus den Großbetrieben Nordeutschlands und Hollands. „In diesen riesigen Zuchtbetrieben können Hühner gar nicht ohne Medikamente gehalten werden“, betont Kurt Bereuter aus Alberschwende, der ebenso wie Karl Josef Mathis Regierungspolitiker wiederholt auf das seltsame Treiben auf den Wiesen aufmerksam gemacht hat. Bislang ohne Erfolg, ohne Reaktion. Er weist auf die fatale Wirkung des Hühnerdungs hin: Der habe den dreifachen Stickstoffgehalt von Kuhmist. Kein Wunder, dass die Natur aus dem Gleichgewicht komme.

Ein Einfuhrverbot von Hühnerdung gibt es bislang nicht. Deshalb, so LWK-Präsident Moosbrugger, wisse man in der Landwirtschaftskammer auch nichts über die Mengen, die gekauft und ausgebracht werden.

Man sollte nicht urteilen, bevor man die Untersuchungs­ergebnisse kennt.

Josef Moosbrugger