Sich dem Leben anvertrauen

Vorarlberg / 19.11.2012 • 21:45 Uhr
Religion verfolgt in Winders Augen zwei Ziele: Sie hilft dem Menschen, Mensch zu werden und sie lehrt, Beziehungen zu leben. Foto: VN/Matt
Religion verfolgt in Winders Augen zwei Ziele: Sie hilft dem Menschen, Mensch zu werden und sie lehrt, Beziehungen zu leben. Foto: VN/Matt

Katholikin Susanne Winder eröffnet neue VN-Serie: Für sie heißt Glauben Vertrauen.

Dornbirn. Gar nicht so einfach, seine innersten Überzeugungen in Worte zu kleiden. Susanne Winder (52) hat Kaffee gebrüht und Gebäck aufgetischt. Aber jetzt gehts ans Eingemachte. Dabei wäre die studierte Ärztin und Mutter von vier Kindern bestens gerüstet. Sie hat ein theologisches Fernstudium absolviert, sich zur Seelsorgerin und Religionslehrerin ausbilden lassen. Ihre Bibel trägt deutlich sichtbare Gebrauchsspuren. Die schöpft doch sicher aus dem Vollen! Dabei wählt sie ihre Worte abwägend vorsichtig. Das alles ist ihr kostbar, man spürt es gleich.

Susanne Winder wuchs „in einer liberal-katholischen Familie“ auf. „Wir gingen zur Kirche, beteten vor dem Essen und vor dem Zubettgehen.“ Susanne hatte mit den Texten Mühe. „Ich hab nicht gern nachgesprochen, was ich nicht verstand.“ Doch Bibeltexte zogen sie damals schon an.

Erlösend wirkte die Begegnung mit dem Innsbrucker Theologen Karl Rahner. „Man kann glauben und denken, und ganz echt sein.“ Rahner war so klug, und er war authentisch.

Zum Zweiten lernte Winder beim Theologen und Analytiker Eugen Drewermann, „dass man die Bibel als Symbolsprache lesen muss“. Nachsatz: „Wer die Bibel wörtlich liest, hält ein gefährliches Buch in der Hand.“

Den Weg vertrauensvoll gehen

Und was bedeutet ihr Glaube heute? Gott ist ihr „eine Wirklichkeit, in der ich mich bergen kann“. Glaube heißt für sie, darauf vertrauen können, dass da etwas ist, das trägt“. Susanne Winder geht ihren Weg auch dann vertrauensvoll, „wenn ich im Augenblick nicht kapiere, wo er mich hinführt“. Und sie arbeitet mit ihren Träumen.

Neben dem Bett steht ein Laptop, damit sie die Bilder aufschreiben kann, wenn sie erwacht. Die Innsbrucker Psychoanalytikerin Veronica Gradl leitet sie an. „Zwei Mal im Jahr treffen wir uns zu siebt bei Traumseminaren.“ Dann steht die Frage im Raum, „was die Träume uns sagen“. Träume sind für Susanne Winder Weisungen, „das Wissen der Nacht“. In der Bibel ist es Josef, dem Gott sich in Träumen offenbart.

Vertrauen ins Leben erzeugt „mehr Fülle, mehr Menschlichkeit“. Christus ist in Winders Augen „der erste Mensch, der das ganz gelebt hat“. Nur ein Mensch, nicht auch Gottes Sohn? Winder, die selber Wortgottesdienste leitet, verhehlt nicht, dass ihr dieser Teil der Botschaft Mühe macht. Aber ein Bild aus dem Johannesevangelium hat sich ihr eingeprägt: Jesus ist tot. Die Jünger kauern verängstigt hinter verschlossenen Türen. Da tritt der Gekreuzigte in ihre Mitte. „Dort, wo man lebt, die Ängste und Hoffnungen teilt“, sagt Winder, „dort wächst das Reich Gottes.“

Katholische Kirche

Oberhaupt: Papst Benedikt XVI.

Mitglieder: rund 1.181.000.000

Priester: 408.000

Ordensleute: 815.237

Website: www.vatican.va

Gebets-Empfehlung

Gemeinschaftsgebet des „Werks der Frohbotschaft“

Komm, Schöpfer Geist,

heilige uns und durchwirke unsere Gemeinschaft.

Erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht nach Wahrheit, dem Weg und dem vollen Leben.

Entzünde in uns Dein Feuer, dass wir selber davon zum Lichte werden, das leuchtet, wärmt und tröstet.

Bewege unsere Gedanken, und wir werden das Undenkbare denken.

Stärke unseren Mut, und wir werden das Unmögliche tun.

Öffne uns, und wir werden vergeben können.

Schaffe uns neu, dass wir Menschen der Liebe werden, Deine sichtbaren Worte.

Dann werden wir das Antlitz der Erde erneuern, und alles wird neu geschaffen.

Komm, Schöpfer Geist, ermutige uns, stärke uns, bleibe bei uns. Amen.