„Frage des Vertrauens“

Elektronische Gesundheitsakte startet 2014. Für Patienten ist die Teilnahme freiwillig.
Dornbirn. Zuerst bäumten sich die Ärzte dagegen auf, dann kam noch die unselige Affäre mit verkauften Patientendaten dazu. Aber weder das eine noch das andere haben bei Dr. Susanne Herbek das Vertrauen in die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) beeinträchtigt. Beruflich sowieso nicht, denn die Medizinerin ist seit vier Jahren Geschäftsführerin der ELGA GmbH, und privat ebenfalls nicht. „Das ist eine Frage des Vertrauens, und da vor allem in die behandelnden Ärzte“, meint Herbek. Denn ein System wie ELGA sei immer auch von der Sorgfalt der Benutzer abhängig. „Und für den Schutz der Daten, die in einer Praxis verwaltet werden, ist jetzt schon jeder Arzt selbst verantwortlich. ELGA hin, ELGA her“, stellt sie klar.
Behandlungskette
Es wird ernst mit der lange kritisch beäugten elektronischen Gesundheitsakte. Als Erste können ab 2014 die Versicherten über ein Internetportal ihre Entscheidung kundtun, ob sie die persönlichen Daten der ELGA zur Verfügung stellen wollen oder nicht. „Es gilt zu respektieren, dass Bürger diese Möglichkeit erhalten“, sagt Susanne Herbek. Ob eine Nichtteilnahme medizinisch gescheit sei, stehe auf einem anderen Blatt. Auf Umfragen basierend rechnen die ELGA-Verantwortlichen mit einer Abmelderate von 7 bis 10 Prozent. Während die elektronische Gesundheitsakte für Patienten eine freiwillige Sache ist, sind alle Vertragspartner der Sozialversicherungsträger sowie öffentlich finanzierte Krankenanstalten per Gesetz dazu verpflichtet, Patientendaten in die Behandlungskette einfließen zu lassen. Das gilt ab 2015 bzw. Mitte 2016. Wahlärzte hingegen müssen sich nicht an ELGA beteiligen. Herbek verweist jedoch auf das Ärztegesetz, das für alle Mediziner gelte und sorgfältiges Arbeiten einfordere. „Sich dafür ELGA zu bedienen ist also eine Entscheidung, die auch jeder Wahlarzt im Sinne seiner Patienten treffen muss“, fügt sie erklärend an.
Förderungen angekündigt
Die Ärzte selbst wähnt Susanne Herbek nach „vielen Gesprächen“ weitgehend besänftigt. Sie spricht von einer „alten Hassliebe“, die es zwischen Ärzten der Generation 50+ und der EDV eben gebe. „Sie haben ihr Medizingeschäft nicht mit der IT gelernt.“ Zudem gehe es auch um Investitionen in die Praxis. „Da ist es durchaus legitim zu fragen, wie das laufen oder wer das bezahlen soll“, sagt Herbek. Letzteres ist derzeit Gegenstand von Gesprächen im Gesundheitsministerium. Zumindest die Einrichtung von Softwaremodulen für ELGA könnte finanziell unterstützt werden. „Wenn das klappt, schaut die Welt vielleicht anders aus“, hofft die ELGA-Geschäftsführerin.
Patient als Datenträger
Persönlich hält es Dr. Susanne Herbek für „wichtig, Informationsflüsse zwischen den Organisationen und Patienten zu unterstützen“. Derzeit sei der Patient oft der einzige Datenträger. „Ich kenne Ärzte, die schicken Leute wieder heim, wenn sie alte Unterlagen nicht beibringen können“, erzählt Herbek. Was die Sicherheit von ELGA angeht, werde man das System „so sicher machen, wie es menschlich und technisch möglich ist“. Aber: „Dass es eine absolute Sicherheit nicht gibt, ist, glaube ich, auch jedem klar.“