Ein „haariges“ Problem auf dem Fensterbrett

Vorarlberg / 16.06.2014 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

39-Jähriger dämpfte seinen Zorn auf die Nachbarn mit fliegendem Blumenstock.

Bregenz. „Ich habe ja versucht zu arbeiten, aber es ging nicht“, antwortete der Beschuldigte auf die Frage des Bregenzer Bezirksrichters Christian Röthlin, womit er denn seinen Lebensunterhalt bestreite. Aber immerhin: Langeweile dürfte dem Arbeitslosen wohl kaum zu schaffen machen. Vielmehr leidet er unter ständiger Aufregung, nimmt Beruhigungsmittel, trinkt bisweilen Alkohol und zürnt den Untermietern im Stock über seiner Wohnung. Allein der Blick auf sein Fensterbrett strapazierte seine Nerven, bis ihm vor etwa zwei Monaten der Geduldsfaden riss. Rasend vor Wut stürmte er die Treppe zum nächsten Stock hoch, ergriff einen Blumenstock und schleuderte ihn voller Wut gegen die Wohnungstüre der ungeliebten Nachbarn.

„Keine Kopfhaare“

Die Frage nach dem Warum beantwortete er dem Richter wie folgt: „Ich wollte meine Bettwäsche zum Lüften aus dem Fenster hängen. Und da war es wieder: Auf dem Fensterbrett lagen Haare von denen im Stock über mir. Und das waren keine Kopfhaare! Ich nenne es mal Körperhaare. Schon zwei Wochen lang war es jeden Tag dasselbe Theater. Bis es mir dann endgültig gelöscht hat . . .“

Er hatte die ominösen Haare sogar fotografiert. Sozusagen als Beweismittel. Er legte das Foto dem Richter auf den Tisch mit den Worten. „Eigentlich wollte ich diese Leute nur zur Rede stellen. Aber sie haben auf mein Klingeln nicht reagiert.“

Mit Schulter gegen Türe

Eine betroffene Untermieterin gab jedoch eine etwas andere Version zu Protokoll: „Er ist zwei- oder dreimal im Anlauf mit seiner Schulter gegen unsere Türe gerannt. Ich habe es durch den Spion beobachtet. Und dabei hat er von zehn auf eins gezählt.“

Schließlich schleuderte er den Blumentopf, der in zahllose Scherben zerbarst. Und zwar den Blumentopf, der vor der Türe einer anderen Nachbarin gestanden hatte. „Dafür habe ich mich bei der Frau entschuldigt“, so der Angeklagte, „und sie hat gesagt, es sei schon okay.“ Doch trotz der reumütigen Einsicht des 39-Jährigen („Ich war nicht mehr Herr meiner Sinne“) kam der Richter nicht um einen Schuldspruch herum.

Er verurteilte ihn wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe in der Höhe von achtzig Tagessätzen zu je vier Euro. Von der Anklage wegen Hausfriedensbruch wurde der Unterländer hingegen freigesprochen. Immerhin war es ihm trotz seiner wüsten Attacken gegen die Türe nicht gelungen, einen Fuß in die fremde Wohnung zu setzen. Der Verurteilte nahm die richterliche Entscheidung an.

Er ist zwei- oder dreimal im Anlauf mit seiner Schulter gegen unsere Türe gerannt.

Zeugin

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