Berge und ein Koch, der ein Kaiser ist

Vorarlberg / 06.09.2015 • 18:50 Uhr
Kinder sind auf der Saarbrücker Hütte willkommen. Fotos: vn/mm
Kinder sind auf der Saarbrücker Hütte willkommen. Fotos: vn/mm

Die Saarbrücker Hütte ist ein begehrtes Ziel für Familien und Hochalpinisten.

Partenen. Stolz wie eine Trutzburg steht die Saarbrücker Hütte unter den Flanken des Kleinlitzners. Das Auge des Wanderers, der vom unteren Vermuntsee loszieht, erfasst die höchstgelegene Schutzhütte der Silvretta schon nach weniger als einem Drittel des Weges. Die einen freut es, weil sie ihr Ziel schon in Reichweite sehen, andere weniger, weil dieses zwar nahe scheint, aber doch noch ein gutes Stück entfernt ist. Nach spätestens zwei Stunden haben jedoch garantiert alle den Aufstieg geschafft und finden sich inmitten der Berge wieder. Nicht umsonst gilt die Saarbrücker Hütte als idealer Ausgangspunkt für zahlreiche hochalpine Touren.

Auskünfte inklusive

Vormittags habe er am besten Zeit zum Reden, sagt Hüttenwirt Bruno Falch (48). Doch das ist relativ. Er, der die raue Umgebung wie seine Westentasche kennt, wird immer wieder um Auskunft für diese und jene Route gefragt, denn das Klima hat die Bergwelt verändert. Die Gletscher schmelzen und rinnen in Sturzbächen davon. Der Fels ist brüchig, die Steinschlaggefahr groß geworden. Lautes Poltern von den nahegelegenen Steinriesen untermalt die Erzählungen von Bruno Falch. Von zu riskanten Strecken rät er mit Nachdruck ab, hat für seine Gäste aber immer eine Alternative parat. Auch dieser Service gehört zum Angebot.

Familienbetrieb

Vor 13 Jahren haben Bruno und Sabine (45) die Saarbrücker Hütte von Sabines Eltern übernommen. Die Frage, weitermachen oder nicht, als die Schwiegereltern aufhörten, fiel zugunsten von Weitermachen aus. Die Entscheidung haben beide nicht bereut. „Es macht Spaß“, sagt Bruno und drückt seinen siebenjährigen Sohn Laurenz. Er ist das jüngste von drei Kindern. Auch sie verbringen ihre Ferien noch gerne auf der Hütte. An Spielkameraden mangelt es ihnen nicht. Seit die Saarbrücker Hütte 2009 in den Katalog der familienfreundlichen DAV-Hütten aufgenommen wurde, füllen zahlreiche Familien die 85 Schlafplätze. „Das hat Schwung in den Hüttenalltag gebracht“, freut sich Bruno Falch aber auch über eine Zunahme an jungen Berggehern. Macht pro Saison in Summe jeweils zwischen 2500 und 3000 Übernachtungen. Dabei ist der Sommer auf der Saarbrücker Hütte relativ kurz. Mitte Juni sperrt sie auf, am 27. September schon wieder zu. Während dieser Zeit fehlt es den Gästen jedoch an nichts. Als einer von nur noch wenigen Hüttenwirten beschäftigt Bruno Falch einen „Kaiser-Koch“. Will heißen, der kümmert sich ausschließlich um die Zubereitung von Kaiserschmarren. Auf der Saarbrücker Hütte schwingt seit Jahren schon Tami aus Nepal den Kaiserkochlöffel. Und das perfekt.

Das im wahrsten Sinne des Wortes teuerste Gut auf der Hütte ist das Wasser. Es wird in einem Teich gesammelt und hinaufgepumpt. Ein sorgfältiger Umgang mit dem kostbaren Nass ist dem Hüttenwirt deshalb besonders wichtig.

Die Aktion familienfreundliche DAV-Hütten hat neuen Schwung in den Hüttenalltag gebracht.

bruno falch
Bruno Falch mit Sohn Laurenz, der ihm gerne Gesellschaft leistet.
Bruno Falch mit Sohn Laurenz, der ihm gerne Gesellschaft leistet.
Charakteristisch für die Saarbrücker Hütte sind die blau-weiß bemalten Fensterläden. Eine Besonderheit ist, dass sich mit Tami ein Nepalese um die Zubereitung einer höchst österreichischen Spezialität kümmert.
Charakteristisch für die Saarbrücker Hütte sind die blau-weiß bemalten Fensterläden. Eine Besonderheit ist, dass sich mit Tami ein Nepalese um die Zubereitung einer höchst österreichischen Spezialität kümmert.
Berge und ein Koch, der ein Kaiser ist

Wander-Tipps

» Klettersteig zum Kleinlitzner

» Über die Seelücke zur Tübinger Hütte und Plattenspitze

» Leichte Wanderung vom Stausee Obervermunt über die Tschivernella zur Saarbrücker Hütte

Was die Hüttenwirte erzählen

Schönste Zeit auf der Hütte: Das ist der Frühsommer, wenn die Gletscher noch nicht so ausgeapert sind. Dann liegt auch oft noch viel Schnee.

Spezialität auf der Speisekarte: Das sind Tirolerknödel mit Kraut und Kaiserschmarren.

Geschichte der Hütte: 1911 wurde die Saarbrücker Hütte eröffnet, 1931 zerstörte ein Brand das Gebäude bis auf die Grundmauern. 1937 erfolgte die Wiedereröffnung. Nach dem Zweiten Weltkrieg verwaltete der Österreichische Alpenverein die Hütte, 1957 ging sie zurück an die DAV-Sektion Saarbrücken.

Die Anfänge des Hüttenwirts: Sabine Falch wuchs praktisch auf der Hütte auf, ihr Mann Bruno hängte seinen ursprünglichen Beruf an den Nagel und folgte seiner Frau auf die Saarbrücker Hütte.

Lesen Sie den fünften Serien-Teil am Mittwoch: Das Freschenhaus im Bregenzerwaldgebirge.