Tägliche Blechlawine als Belastung für Lustenau

02.10.2015 • 17:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bürgerprotest gegen die Verkehrslawine auf der L 203. Die Lustenauer wollen Entlastung. Foto: VN/Steurer
Bürgerprotest gegen die Verkehrslawine auf der L 203. Die Lustenauer wollen Entlastung. Foto: VN/Steurer

Unerträglich, unerträglicher, Durchzugsverkehr. Lustenau schreit nach Entlastung.

LUSTENAU. Markus Ender (49), Inhaber des gleichnamigen Optiker-Geschäfts an der Reichsstraße (L 203), schüttelt nur noch den Kopf. „Am Montag und Freitag ist praktisch den ganzen Tag Stau, mittlerweile aber auch viele Stunden an den übrigen Tagen. Und vor allem auch am Sonntag. Der Verkehr hat in letzter Zeit wieder massiv zugenommen. Wann bauen sie endlich diese Entlastungsstraße?“ Eine Frage, die sich viele Lustenauer stellen, während andere sich als Gegner eines solchen Projekts outen.

Gesetzgeber an der Reihe

Das umstrittene Vorhaben mit seinen zwei für tauglich befundenen Varianten (Riedtrasse, Ostumfahrung Lustenau), liegt derzeit unbeobachtet in den Aktenbergen des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie. „Trotzdem ist alles wie geplant und im Rahmen des normalen Prozederes“, erklärt Jörg Zimmermann (43), Verkehrsplaner im Land.

Täglich erwarten Abteilungsleiter Christian Rankl (59) und er die Veröffentlichung des Umweltberichtes im Rahmen der Strategischen Prüfung Verkehr (SVP). Danach gibt es sechs Wochen lang Möglichkeiten zur Stellungnahme, ehe das Projekt schließlich ins Bundesstraßengesetz aufgenommen werden soll. Dazu muss es im Ministerrat behandelt und im Nationalrat beschlossen werden. Passieren soll dies im Frühjahr kommenden Jahres.

„Gut vorbereitet“

Während genannte Schritte laut Jörg Zimmermann Formalakte sind, wird es anschließend spannend. „Danach wird sich die Asfinag mit der weiteren Planung beschäftigen und genehmigungstaugliche Projektunterlagen erstellen. Natürlich muss dann auch die endgültige Variantenentscheidung fallen“, fiebert der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer (52) den von ihm erhofften Entwicklungsphasen entgegen. Klar ist: Die Entlastungsstraße, so sie es bis zu diesem Punkt der Planung schafft, wird sich im Rahmen des Verfahrens einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu stellen haben. „In Lustenau hoffen wir alle, dass es die Z-Variante wird“, sagt Fischer. Was ihn bezüglich Realisierung der Riedstraße optimistisch stimmt: „Für ein mögliches Verfahren sind wir mit den bisher erarbeiteten Grundlagen hervorragend vorbereitet.“ Der Bürgermeister hofft auf  grünes Licht für den Bau der Entlastungsstraße am Ende des Jahres 2018. „Das wäre ein Traum, dann könnte man 2020 mit dem Bau beginnen.“

Ikea und Verkehr

Dass die Verkehrsfrage aktuell auch im Zusammenhang mit einer möglichen Ansiedlung von Ikea gesehen wird, versteht Fischer zwar – die massive Kritik kann er jedoch nicht nachvollziehen. „Erste Berechnungen gehen von 1,5 Prozent mehr Pkw-Verkehr aus, okay. Aber sollen wir in Lustenau einfach 24.000 Quadratmeter beste Handelsfläche kalt entwerten? Zu jeder Entwicklung einfach nein sagen, und dafür den Verkehr für andere schlucken, die in ihren Kommunen nur darauf warten, solche Projekte zu realisieren?“ Es gehe um 120 bodenständige Arbeitsplätze. „Und es geht streng genommen auch um 1000 weitere Lustenauer Arbeitsplätze bei Blum. Dort baut man nämlich Bestandteile auch für Ikea-Möbel“, rechtfertigt sich der Bürgermeister. Die Volksbefragung zum Thema Entlastungsstraße plant er nach entsprechenden Informationen erst für das kommende Jahr. Ursprünglich wollte er diese noch heuer durchführen lassen.

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