Die Neos gegen die Kammer

Vorarlberg / 08.10.2015 • 21:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Kuh-Transport sorgt für heftige Diskussionen zwischen Neos und der Landwirtschaftskammer. Symbol/DPA
Ein Kuh-Transport sorgt für heftige Diskussionen zwischen Neos und der Landwirtschaftskammer. Symbol/DPA

Martina Pointner zieht gegen die Bauernkammer ins Feld. Der Grund: Schlachtkühe.

Bregenz. Eine Landtagssitzung dauert in der Regel lange. Vor allem, wenn eine Sommerpause aufgearbeitet werden muss. Auch spät abends geht es mitunter heiß her. Wie vergangenen Mittwoch. Es war schon weit nach 20 Uhr, als Neos-Abgeordnete Martina Pointner (42) ans Rednerpult trat. Das Thema: Tierschutz. Genauer: Ein Rindertransport der landwirtschaftsnahen Ländle-Viehvermarktungs Genossenschaft. Pointners Worte: „Es handelt sich dabei nicht nur um eine klare Missachtung der gesetzlichen Bestimmungen. Sondern, vor dem Hintergrund des Tierwohls, um eine Sauerei.“

Moosbrugger kalmiert

Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger (49, ÖVP) ist zeitgleich Obmann besagter Genossenschaft; und somit Angesprochener. Er beruhigt am Donnerstag, spricht von einer Probe und versichert, dass die Kühe für das Grazer Unternehmen zukünftig in Dornbirn geschlachtet werden. Pointners Reaktion: „Diese Aussagen sind völlig an den Haaren herbeigezogen.“

Am 8. September wurden in Dornbirn Schoren 21 Kühe abgeholt und lebend nach Graz transportiert. Laut der Kammer war dies der Wunsch des Kunden. Er habe die Tiere lebendig begutachten wollen, bevor er regelmäßig kaufen wird. Deshalb sprechen Moosbrugger und Genossenschafts-Geschäftsführer Thomas Jutz (59) von einem Anbahnungsgeschäft. Dies war offensichtlich erfolgreich. Allerdings sollen die Tiere in Dornbirn geschlachtet werden.

Pointner wittert einen Skandal. Denn: Transporte von lebenden Kühen dürfen nicht länger als viereinhalb Stunden dauern. In Ausnahmefällen acht Stunden. „Ich glaube nicht, dass es ein Ausnahmefall war“, sagt Pointner. „Nach Auskunft des Transportunternehmens wurde die Zeit eingehalten“, sagt Moosbrugger. Was Fakt ist: Rund 615 Straßenkilometer liegen zwischen der Viehhalle in Dornbirn und dem Schlachthof in Graz.

Der Schlachthof in Dornbirn steht vor dem Ruin. Moosbrugger ist als Stadtrat für den Schlachthof zuständig. Die Kritiker werfen ihm vor, nicht zum Wohle des Schlachtbetriebs gehandelt zu haben. Der Grund für die Fahrt nach Graz sei nicht der Mangel an Schlachtplätzen, sagt Moosbrugger: „Bei den Kühen handelt es sich nicht um jüngere Kühe für die Theke, sondern um ältere Schlachtkühe, die zu Wurst verarbeitet werden. Dafür fehlen zu Stoßzeiten wie im Herbst die Kapazitäten im Land“, erklärt Moosbrugger.

Preis zu niedrig

Knapp zehn Prozent der Viehvermarkung laufen nach eigenen Angaben über die Genossenschaft. Den Rest besorgen private Anbieter. Die würden wöchentlich Tiere nach Salzburg oder Deutschland liefern, erklärt Genossenschafts-Geschäftsführer Jutz: „Das ist alles eine Frage des Preises. Die Preise in Dornbirn sind nicht so gut. Daher ist es aus unserer Sicht legitim, dass der Landwirt woanders schlachtet.“

Martina Pointner kann Moosbruggers Argumentation nichts abgewinnen: „Das Grazer Unternehmen ist kein Viehhändler, sondern ein Großschlachtbetrieb. Auf die abenteuerliche Geschichte der angeblich geplanten Schlachtung in Dornbirn und die Übernahme der getöteten Tiere kann sich jeder selbst einen Reim machen.“

Kritik kommt auch von anderen Parteien. Nina Tomaselli (Grüne, 30) ärgert sich: „Es ist skandalös, wenn Vorarlberger Tiere aus Profitinteressen nach Graz zum Schlachten gefahren werden.“ Für SPÖ-Chef Michael Ritsch (47) steht fest, dass Moosbrugger gegen die Interessen der Stadt Dornbirn und gegen den Tierschutz gehandelt habe.

Moosbruggers Aussagen sind an den Haaren herbeigezogen.

Martina Pointner