Neuer Ärztedienst ist startklar

13.10.2015 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Am 1. November beginnt die Pilotphase. Ärztekammer fürchtet um Gemeindedienst.

Bregenz. Die Vorbereitungen zum Start des neuen Ärztebereitschaftsmodells laufen planmäßig. „Wir starten am 1. November“, bestätigte Gesundheitslandesrat Christian Bernhard auf VN-Nachfrage. Es gibt demnach bereits einen Pool von Ärzten, die sich am Pilotversuch beteiligen, und auch die technischen Voraussetzungen sind laut Bernhard auf Schiene. Die elektronische Buchungsplattform, auf der sich Ärzte selbstständig für den Bereitschaftsdienst eintragen können, wurde bei der Rettungs- und Feuerwehrleitstele (RFL) installiert. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Aufgaben wie Totenbeschauen und Einweisungen sollen damit auf eine funktionierende Basis gestellt werden, weil sich speziell für diese Tätigkeiten kaum noch niedergelassene Ärzte finden.

Doch so glatt, wie es nach der Präsentation des Konzepts noch schien, läuft die Sache nicht. Die Ärztekammer sieht sich bei den Verhandlungen übergangen und fürchtet nun um die gemeindeärztlichen Dienste. Der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Burkhard Walla, spricht von einer insgesamt befremdlichen Vorgehensweise. „Wir wurden nicht mehr an den Gesprächen beteiligt. Eine offizielle Information zum System gibt es bis dato ebenfalls nicht“, kritisiert Walla. Nicht einmal er kenne es zur Gänze. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen das Modell, wenn es denn funktioniert“, sagt Burkhard Walla. Doch daran zweifelt er. Besonders, weil es in der Nacht nur noch zwei große Sprengel geben soll. „Damit wird es wieder nur ein Fleckerlteppich“, meint er. Die Ärztekammer ihrerseits plädiert für die Beibehaltung der 22 Sprengel, was allerdings mehr kosten würde. Und sie will ohne sie getroffene Entscheidungen nicht einfach hinnehmen. Für kommende Woche ist eine Versammlung geplant, in der mit der niedergelassenen Kollegenschaft das weitere Vorgehen und weitere Maßnahmen besprochen werden sollen.

Appell für mehr Mut

Christian Bernhard zeigt sich enttäuscht und versteht die neuerliche Aufregung nicht, zumal es vorderhand nur um die Erledigung sanitätspolizeilicher Angelegenheiten geht. „Es ist ein Versuch, etwas, das bis jetzt nicht funktionierte, zum Funktionieren zu bringen“, stellt er dazu fest. Und: „Haben wir doch den Mut, es zu probieren.“

Unterdessen ist Rotkreuz-Direktor Roland Gozzi auf Werbetour in Gemeinden und Krankenhäusern, was der Ärztekammer auch nicht unbedingt gefällt. Seinen bisher gemachten Erfahrungen zufolge stößt die Organisationsform des Dienstes bei den Medizinern auf positive Resonanz. „Das System soll breit aufgestellt sein“, sagt Gozzi. Deshalb wird die Einbeziehung der Spitalsärzte angestrebt.

Es gibt zwei Diensträder. Das eine läuft von 7 bis 19 Uhr, das andere von 19 bis 7 Uhr. Die Nachtdienste enthalten auch ein kuratives Modul für Pflegeheime, wo kein Arzt zur Verfügung steht. Für den Pilotversuch wird ein Nord- und Südsprengel eingerichtet. Funktionierende Bereitschaften bleiben vom neuen Modell unberührt. Die Kosten betragen rund 360.000 Euro. Am Projekt beteiligt sind Land, Gebietskrankenkasse, Gemeindeverband, Rotes Kreuz und Ärztekammer.

Haben wir doch den Mut, diese Sache auszuprobieren.

Christian Bernhard