Klaus Hämmerle

Kommentar

Klaus Hämmerle

Gestraft genug

20.10.2015 • 17:34 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Es ist vorbei. Der Testamentsprozess erlebte mit der Verhandlung am Oberlandesgericht Linz seinen letzten Akt. Strafrechtlich ist der Monsterfall mit seinen 30.000 Seiten Aktenmaterial, den angeklagten 18 Fakten, den Dutzenden einvernommen Zeugen und einem über drei Jahre andauernden Verhandlungsmarathon erledigt.

Das Spektakuläre am gestrigen Schlusstag war denn auch mehr die Symbolik als der Inhalt. Dass die nun Ex-richterin Kornelia Ratz keine Strafreduzierung zugestanden bekam, ist keine Sensation. Und eigentlich auch völlig unerheblich. Was zählt, ist das nun unwiderrufliche Urteil. Dieses und die Strafhöhe stehen nirgends mehr auf dem Prüfstand. Es ist so, wie es ist. Ein strafrechtlicher Schlussstrich – endlich.

Wer das Urteil für die ehemalige Landesgerichtsvizepräsidentin als zu gering betrachtet, dem darf in Erinnerung gebracht werden: Hier hat eine 52-jährige Frau alles verloren, was ihr Lebensinhalt war: hohes Amt, gutes Gehalt, Respekt und Ansehen in der Gesellschaft. Kornelia Ratz wird niemals mehr Richterin sein können. Ihr Leben wird für immer geprägt sein durch das, was sie angestellt hat. So gesehen hat sie lebenslänglich. Abgesehen davon ist es nicht angenehm, mit einer Fußfessel herumzulaufen und über jeden Schritt Rechenschaft ablegen zu müssen. Eine solche Demütigung braucht keine Gitterstäbe mehr.

Die Exrichterin steht für Aufstieg und Fall als Produkt von unbändigem Ehrgeiz und menschlichen Abgründen.

Kornelia Ratz ist gestraft genug.