Dornbirn räumt Bettlerlager

Vorarlberg / 09.11.2015 • 19:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Roma mussten ihre Sachen zusammenpacken und die Achauen verlassen. Foto: Vol.at/Rauch
Die Roma mussten ihre Sachen zusammenpacken und die Achauen verlassen. Foto: Vol.at/Rauch

Stadt lässt Zelte an der Dornbirner Ache abbauen. Notschlafstellen werden angenommen.

Dornbirn. Montag, 12.20 Uhr, Parkplatz vor dem Seniorenheim Dornbirn Schoren. Der Motor eines Reisebusses startet. Der Busfahrer ist der einzige Passagier, die Sitzplätze sind leer. Statt nach Bukarest in Rumänien geht es wieder in die Garage. Es ist jener Bus, der die Roma aus dem Zeltlager an der Dornbirner Ache nach Hause bringen hätte sollen. Das Angebot nahm niemand an.

Vier Stunden früher: Mitarbeiter der Stadt Dornbirn – Polizei, Sozialabteilung, Werkhof – beginnen das Zeltlager zu räumen. „Friedlich“, wie die zuständige Stadträtin Marie-Louise Hinterauer (61, ÖVP) betont. 61 Zelte zählen die Verantwortlichen, die meisten davon werden von den Bewohnern selbst abgebaut. Rund 120 Menschen vermutet die Stadt in den Lagern an der Ache, an diesem Vormittag befindet sich noch ein Kind im Schüleralter darunter. Zwei Müllwagen rollen heran. Zehn Tonnen Abfall haben sich laut Stadt angesammelt. Indes machen sich Gruppen in Richtung Bahnhof auf. Mit zusammengerollten gelben Schaumstoffmatten auf dem Rücken, Zelte unterm Arm und Müllsäcken mit den restlichen Habseligkeiten in der Hand. Einige nehmen die Rückkehrhilfe in Anspruch, die Kinder- und Jugendhilfe hat Zugtickets organisiert.

Auf der anderen Seite der Ache bildet sich eine Menschentraube. Der Bus fährt vor, einsteigen will niemand. Einige der Roma wollen nach Mailand, einer würde gerne nach Zürich. „Wir machen aber keine Touristenfahrten“, stellt der Pressesprecher der Stadt Dornbirn, Ralf Hämmerle (51), klar. Ein Helfer meint: „Das sind freie Bürger, die kann man natürlich nicht zum Einsteigen zwingen.“

13 Not-Übernachtungen

Andere Angebote treffen die Nachfrage besser. 20 Notschlafstellen wurden geschaffen, kurzfristige Übernachtungsmöglichkeiten für Frauen mit Kindern und Schwangere. Übers Wochenende sind laut dem Büros von Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (51, Grüne) sechs Erwachsene, ein Jugendlicher, zwei Kinder, drei Kleinkinder und ein Baby für zwei Tage untergekommen.

Am Mittwoch informierten Mitarbeiter der Stadt die Bewohner der Zeltlager über die bevorstehende Räumaktion. Dornbirns Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (46, ÖVP) erklärt die Gründe: „Menschenunwürdige Unterkünfte in Zeltlagern in unseren Naherholungsgebieten können wir nicht akzeptieren. Unsere Gesellschaft darf nicht zusehen, wenn Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche ohne die grundlegendsten sanitären und hygienischen Einrichtungen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Zelten schlafen und während des Tages auf der Straße sind.“ Auch der Müll sei ein Problem.

Mehr Polizei gefordert

Auch andere Politiker melden sich zu Wort. Landeshauptmann Markus Wallner (48, ÖVP) sichert Kaufmann Unterstützung zu. Er fordert das Bettelverbot zu verschärfen und stärkere fremdenpolizeiliche Überprüfung. Dornbirns FPÖ-Stadtrat Walter Schönbeck (55) wünscht sich mehr Stadtpolizisten. Wie schon die Bürgermeister wandten sich die FPÖ-Stadträte der fünf Vorarlberger Städte gemeinsam an die Öffentlichkeit. „Lediglich ankündigen ist zu wenig. Wir wollen Taten sehen“, schreiben sie.

16.30 Uhr, zurück an der Ache. Die Zelte und – falls vorhanden – weitere Besitztümer sind weg. Sie liegen im Dornbirner Schlachthof zwei Wochen lang zum Abholen bereit. Auch die Bettler, die an diesem Montag aus den Achauen vertrieben werden, erhalten das Angebot einer Notschlafstelle, erklärt Wolfgang Blecha von der Kinder- und Jugendhilfe der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn. Sofern sie weiblich sind und Kinder haben oder welche erwarten. Und was passiert mit den anderen? „Es sind noch einige am Bahnhof. Wo die Menschen übernachten werden, wissen wir nicht“, antwortet Blecha.

Menschenunwürdige Unterkünfte akzeptieren wir nicht.

Bgm. Andrea Kaufmann