Betonporsche geht auf Reisen

Vorarlberg / 13.11.2015 • 19:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eduard Riedmann, Gottfried Bechtold, Michael Grahammer. Kunstobjekt kommt nach Hohenems . VN/Hartinger
Eduard Riedmann, Gottfried Bechtold, Michael Grahammer. Kunstobjekt kommt nach Hohenems . VN/Hartinger

Das Kunstwerk von Gottfried Bechtold wird Attraktion beim Hohen­emser Kreisverkehr.

Bregenz. Zu einer Art Wahrzeichen ist er bereits geworden, der imposante Betonporsche des Künstlers Gottfried „Göpf“ Bechtold (68) auf dem Vorplatz der Hypo-Landeszentrale in Bregenz. Jene, die ihn dort noch einmal ansehen möchten, sollten sich sputen. Denn: Ab kommenden Dienstag ist das Kunstwerk weg. Es kommt nach Hohenems in die Kreisverkehrsinsel.

„Ich sehe das zweischneidig“, sagt der Künstler, dessen Kunstwerk einst die Hypobank erwarb. „Einerseits bin ich nicht wirklich begeistert, andererseits: Kunst soll man sehen. Dort sieht man sie. Und abgesehen davon: Wer hätte geglaubt, dass dieser Porsche tatsächlich einmal wegfahren würde.“ 

Der Porsche-Brief

Bechtold hat seinem Porsche kurz menschliche Züge verliehen und Bregenzern sowie Stadtbesuchern einen handgeschriebenen Brief verfassen lassen. „Ich, Bechtolds Betonporsche, bin mal kurz weg. Nach Hohenems gefahren. Längstens bis 2020. Bis dann & Grüße.“ Hypo-Marketingchefin Angelika Rimmele (48) und ihr Chef, Vorstandsvorsitzender Michael Grahammer (51), freuen sich schon jetzt darauf, diesen Brief mit der Handschrift Bechtolds als Bodenmarkierung genau dort zu platzieren, wo bis Dienstag noch der Porsche steht. „Und in fünf Jahren kommt das Objekt ja wieder zurück“, stellt Rimmele klar.

Vorletzte Reise?

Der Kurztrip des tonnenschweren Kunstobjekts von Bregenz nach Hohenems wird eine logistische Herausforderung. Zwei Bezirkshauptmannschaften, die Exekutive und ein Transportunternehmen mit Spezialgerät für Sondertransporte sind darin involviert. Der Lustenauer Unternehmer Eduard Riedmann (62), Projektleiter der Aktion, hat in mühevoller Kleinarbeit alle notwendigen Details ausgehandelt, damit der Betonporsche auch tatsächlich seine erste und wahrscheinlich vorletzte Reise wird antreten können. „Jetzt bin ich froh, wenn am Dienstag alles klappt“, zeigt sich Riedmann erleichtert.

Riedmann hat in puncto Ausgestaltung von Kreisverkehrsinseln in Vorarlberg noch einiges vor. So geht die Gestaltung des Engel-Kreisverkehrs in Lustenau bereits auf seine Initiative zurück, weitere Verkehrspunkte dieser Art sollen folgen. „Wir planen Ähnliches in Rankweil beim Merkur-Kreisverkehr sowie an drei Verkehrsinseln in Götzis“, informiert der 62-jährige ehemalige Präsident von Austria Lustenau über seine nächsten Projekte.

Weitere Projekte geplant

In Hohenems hat sich vor allem Kulturstadträtin Patricia Tschallener (Grüne) für das Projekt „Kunst am Kreisverkehr“ eingesetzt. Der Entscheidungsprozess in der Stadt nahm jedoch einige Zeit in Anspruch. Jetzt gab es grünes Licht für Bechtolds Porsche, der zur neuen Visitenkarte der Kommune an deren Eingangsportal werden soll.

Und so funktioniert das Modell „Kunst am Kreisverkehr“: Ein Sponsor tritt als Mieter der Verkehrsfläche in Erscheinung, die Verkehrsinsel kann aus den Einnahmen gepflegt werden. „Und der Kommune entstehen dadurch keine Kosten“,  ergänzt Eduard Riedmann.

Das grundsätzliche Okay für Projekte dieser Art kam vom Land. Dieses stellte Riedmann die verschiedenen Standorte zur Ausgestaltung und zur Vermarktung zur Verfügung. Unter der Voraussetzung, dass sämtliche gesetzlichen Auflagen einschließlich Sicherheitsvorschriften eingehalten werden.

Kunst soll man sehen. Beim Kreisverkehr sieht man sie.

Gottfried Bechtold