„Ergebnis ist doch enttäuschend“

Vorarlberg / 17.11.2015 • 19:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die geringe Erwartungshaltung an die Reform wurde nochmals unterschritten. Für das gibt es keine Zwei-Drittel-Mehrheit. Dass die SPÖ da zustimmt, ist für mich verwunderlich. Daniel Zadra, Grüne

Die geringe Erwartungshaltung an die Reform wurde nochmals unterschritten. Für das gibt es keine Zwei-Drittel-Mehrheit. Dass die SPÖ da zustimmt, ist für mich verwunderlich.

Daniel Zadra, Grüne

Reaktionen auf Bildungsreform in Vorarlberg: Die Skepsis überwiegt.

Bregenz. „Ich verhehle nicht, dass ich das Ergebnis der Bildungsreform doch eher enttäuschend finde“, fasste die Vorarlberger Schullandesrätin Bernadette Mennel (56) ihre erste Reaktion auf die Beschlüsse in Wien zusammen.

Verantwortlich dafür ist die praktische Absage an eine Modellregion Vorarlberg, die nach der Präsentation der Ergebnisse des Forschungsprojekts „Schule der Zehn- bis 14-Jährigen“ als klares Ziel der Regierung ausgerufen wurde. „Ich habe mir, ehrlich gesagt, schon gewünscht, dass wir mehr Spielraum erhalten. Wir haben uns schließlich auch sehr bemüht, die Schule der Zehn- bis 14-Jährigen wissenschaftlich entsprechend zu untersuchen und sind zu klaren Schlussfolgerungen gekommen“, meinte Mennel. Im Sinne der Kinder stehe man aber weiter in der Pflicht, für eine bessere Schule zu arbeiten. Die Beschlüsse der Bildungsreformkommission müssten genau analysiert werden.

In Vorarlberg dürften entsprechend der 15-Prozent-Begrenzung nur 1812 von 12.084 Mittelschülern beziehungsweise 580 von 3864 AHS-Unterstufenschülern die „Modellregion Gemeinsame Schule“ bilden.

Ermutigende Ansätze sieht Mennel im Reformpapier auch. „Elementarpädagogik, Optimierungen der Schul­eingangsphase, Sprachscreening, Schulautonomie – es gibt einige positive Aspekte.“

Lob und Kritik

„Ich sehe die Bestimmungen für eine Modellregion positiv“, äußerte sich Wirtschaftskammerpräsident Manfred Rein (67) zu „Man kann ein neues Modell nicht einfach über das ganze Land stülpen“, so Rein weiter. Was dem WK-Präsident im Reformpapier fehlt: „Ein Direktor sollte Lehrer nicht nur einstellen, sondern auch entlassen dürfen. Das mit den geteilten Kompetenzen zwischen Bund und Ländern bei den Bildungsdirektionen gefällt mir ebenfalls nicht. Es braucht klare Verantwortlichkeiten.“

„Der große Wurf ist es nicht“, sagt Gerhard Ouschan (54), Bildungssprecher bei der Vorarlberger Arbeiterkammer. „Es ist ein Rückschlag für die Bemühungen im Land, wenn nur 15 Prozent der infrage kommenden Schüler und Schulen Modellregion sein dürfen. Was ich postiv finde, ist das zweite Kindergartenjahr.

Auch Martha Stüttler-Hartmann (42), neue Landes-Elternvertreterin der Pflichtschüler, bedauert die Bestimmungen über Modellregionen. „Die ist jetzt nicht umsetzbar. Man kann jetzt nur an ausgesuchten Standorten etwas probieren.“

Enttäuscht vom Ergebnis der Bildungsreform ist Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Gerhard Unterkofler (56). „In Sachen Gemeinsamer Schule haben sich die ÖVP-Hardliner durchgesetzt.“

Einmal mehr beweist die Bundesregierung, dass sie nicht imstande ist, längst  überfällige Reformen  anzupacken. Grundsätzlich begrüße ich eine stärkere Schulautonomie. Dieter Egger, FPÖ

Einmal mehr beweist die Bundesregierung, dass sie nicht imstande ist, längst  überfällige Reformen  anzupacken. Grundsätzlich begrüße ich eine stärkere Schulautonomie.

Dieter Egger, FPÖ

Entgegen der Ankündigungen von Schwarz-Grün im Land wird aus der Modellregion Gemeinsame Schule nichts.  Die Bildungsreformkommission schiebt den Plänen einen Riegel vor. Sabine Scheffknecht, Neos

Entgegen der Ankündigungen von Schwarz-Grün im Land wird aus der Modellregion Gemeinsame Schule nichts.  Die Bildungsreformkommission schiebt den Plänen einen Riegel vor.

Sabine Scheffknecht, Neos