Umbaupläne für Kirche außer Kraft

Vorarlberg / 20.01.2016 • 19:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Bildsteiner Kirche ist gewöhnlich ein Ort für stille Einkehr. Derzeit ist es um das Gotteshaus alles andere als still. Foto: VN/Hartinger

Die Bildsteiner Kirche ist gewöhnlich ein Ort für stille Einkehr. Derzeit ist es um das Gotteshaus alles andere als still. Foto: VN/Hartinger

Diözese Feldkirch verordnet Bildsteinern und Wallfahrern eine Nachdenkpause. 

Bildstein. Schon im kommenden Februar hätten Bauarbeiter für einige Zeit zu den häufigsten Kirchenbesuchern in Bildstein werden sollen. Die Planungen zum Umbau des Kircheninneren der beliebten Wallfahrtsstätte waren ja bereits fertig; dem Start der Arbeiten stand nichts mehr im Wege – glaubten die Planer und verantwortlichen Gremien zumindest. Doch ein großer Teil des Bildsteiner Kirchenvolkes und zahlreiche Wallfahrer aus der Umgebung sollten diese Pläne vereiteln.

Massiver Widerstand

Der Widerstand gegen die völlige Umgestaltung des Kircheninnenraums manifestierte sich nicht nur in 500 Unterschriften, sondern auch in einer öffentlichen Diskussion. Jetzt zog die Diözese Feldkirch für das mit 1,5 Millionen Euro budgetierte Projekt zumindest vorläufig die Reißleine. „Wir sind nach Konsultation des Bildsteiner Pfarrkirchenrates, des Pfarrgemeinderates und des Bauauschusses unter dem Eindruck der öffentlichen Diskussion vom vergangenen Montag zum Schluss gekommen, dass wir die Renovierung der Wallfahrtskirche verschieben. Der Friede im Dorf ist wichtiger, als ein Bauvorhaben dieser Art einfach durchzuziehen. Es soll für Bildstein eine Nachdenkpause geben“, begründete der Finanzkammerdirektor der Diözese Feldkirch, Andreas Weber (58), gegenüber den VN diesen Schritt.

Erst im Juni dieses Jahres wolle man sich bezüglich Kirchenrenovierung neu ausrichten. „Die Menschen sollen in dieser Zeit aufeinander zugehen. Es sollte bis dann auch klar sein, wer sich mit Kraft und Engagement für die Renovierung der Kirche einsetzen will, und in welche Richtung die Pläne für das Projekt gehen sollen“, erläutert Weber die Überlegungen der Diözese.

Ursprünglich hätte die Kirche für große Zeremonien von Februar bis Dezember nicht zugänglich sein sollen. „Nun“, so ergänzt der Finanzkämmerer, „können auch 2016 Paare in der Bildsteiner Kirche heiraten.“

Altäre bleiben

Weber wird nun auch mit der Pfarre Vandans Gespräche führen. In der Montafoner Gemeinde hatte man damit gerechnet, dass die nach Bildstein verliehenen Altäre wieder zurückkommen. „Wir nehmen sie sofort wieder zurück. Sie gehören in die alte Pfarrkirche nach Vandans“, hatte Pfarrer Hans Tinkhauser (50) den VN mitgeteilt.

Die Gegner der bisherigen Umgestaltungspläne nehmen die Entscheidung der Diözese mit Genugtuung zur Kenntnis. „Ich denke, dass man nun gemeinsam mit den Leuten alternative Pläne erarbeiten könnte und diese dann zur Diskussion stellt“, sieht Maria Waibel (37), eine der Initiatorinnen der Unterschriften­aktion, neue Möglichkeiten für das Renovierungsprojekt. Die Bildsteinerin könnte sich sogar eine Volksbefragung zum Thema vorstellen.

Zeitgenössisch

Vor einer Woche hatten sich die Gegner des vom Architekturbüro Lenz erstellten Planes für die Innenraumgestaltung mit ihren Einwänden an die VN gewandt und ihre Ablehnung öffentlich gemacht. Eines der Hauptanliegen der Gruppe war dabei der Erhalt der drei im Gotteshaus befindlichen Altäre. Diese sind Leihgaben aus Vandans und kamen in den Siebzigerjahren nach Bildstein. Laut Vertrag dürfen sie insgesamt 99 Jahre in der Wallfahrtskirche bleiben.

Nach Meinung von Kunstexperten passen die Altäre nicht in die Bildsteiner Kirche. Das Siegerprojekt von Architekt Lenz und des Künstlers Dr. Hubert Matt hätte für die Umgestaltung des Innenraums eine zeitgenössische Lösung mit einem neuen Altar weiter vorne in Richtung Kirchenvolk vorgesehen. Das wollen die Gegner nicht.

Der Friede im Dorf ist wichtiger, als ein Bauvorhaben dieser Art einfach durchzu­ziehen.

Andreas Weber