Den gemeinsamen Dialog im Kampf gegen TBC beschworen

Vorarlberg / 23.02.2016 • 22:43 Uhr
Auf der Suche nach einem Konsens in der TBC-Problematik: Martin Fitsch, Reinhard Metzler, Dr. Norbert Greber, Klaus Hämmerle (VN), Josef Moosbrugger und Bürgermeister Martin Vallaster. Fotos: VN/Hofmeister
Auf der Suche nach einem Konsens in der TBC-Problematik: Martin Fitsch, Reinhard Metzler, Dr. Norbert Greber, Klaus Hämmerle (VN), Josef Moosbrugger und Bürgermeister Martin Vallaster. Fotos: VN/Hofmeister

Beim VN-Stammtisch wurde der massiven Reduktion von Rotwild das Wort geredet.

Bartholomäberg. Es war ein stürmischer Abend in Bartholomäberg. Kalter Wind pfiff um die Ecken und trieb den Schnee vor sich her. Das Wetter gemahnte ein bisschen an den Ärger und die Angst, die bei vielen Landwirten umgeht, seit sich die Rinder-TBC wieder ausbreitet. Beim gestrigen VN-Stammtisch im Gemeindesaal machten sie ihren Befindlichkeiten denn auch Luft. Wie sehr das Problem unter den Nägeln brennt, zeigte der Ansturm auf die Veranstaltung. Der Saal vermochte gar nicht alle Besucher zu fassen. Doch auch die, die stehen mussten, harrten bis zum Ende aus.

Angst vor Flächenbrand

An diesem stand der Appell aller zur Zusammenarbeit. „Mit gegenseitigen Schuldzuweisungen kommen wir nicht weiter. Eine Lösung funktioniert nur, wenn wir sie gemeinsam angehen“, sagte Landesveterinär Dr. Norbert Greber. Auch der neue Landesjägermeister Reinhard Metzler, der zwangsläufig am stärksten unter verbalen Beschuss geriet, forderte Grundeigentümer, Landwirte und Behörden zum Dialog auf. Allerdings ortet er auch Handlungsbedarf in den angrenzenden Regionen des Allgäus und Tirols, um einen, wie er sagte, TBC-Flächenbrand zu vermeiden. Die Geduld der Bauern sieht Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger am Ende. Nicht nur Existenzen seien gefährdet. Auch die Alpwirtschaft habe vor diesem Hintergrund keine Zukunft mehr, führte er mit Nachdruck aus. Moosbrugger forderte einmal mehr ein schärferes Jagdgesetz. „Die Behörde muss Maßnahmen anordnen können, wenn die Abschusspläne nicht eingehalten werden“, polterte er.

Sichtlich bewegt schilderte Thomas Fitsch, dessen gesamter Viehbestand wegen TBC getötet werden musste, noch einmal dieses schlimme Erlebnis. „Es ist nicht leicht für mich, hier zu sprechen“, sagte er. Und: „Was ich erleben musste, ging mir durch Mark und Bein.“ Trotzdem will die Familie ihre Nebenerwerbslandwirtschaft weiterführen. „Wir werden es bewerkstelligen“, gab sich Fitsch zuversichtlich.

Der Bürgermeister von Bartholomäberg, Martin Vallaster, bezweifelte, dass die Seuche an den Jagdgrenzen von Silbertal und Bartholomäberg endet. Er bezeichnete die Bekämpfung der Rinder-TBC als größte Herausforderung dieser Zeit. „Wenn wir jetzt nicht sofort die Kurve kratzen, stehen wir in der Region Montafon vor einem großen Dilemma“, fürchtet Vallaster sogar um den Tourismus. Deshalb wurden bereits Gespräche mit den Jagdpächtern geführt. Demnächst soll den Behörden ein Plan zur Wildreduktion mittels Reduktionsgatter vorgelegt werden.

Abschüsse erhöhen

Die Diskussion entzündete sich unter anderem vor allem an den nach wie vor teilweise stark überhöhten Rotwildbeständen. Landesjägermeister Reinhard Metzler räumte ein, dass die Einhaltung der Abschusspläne nicht immer gegeben war. Aber: „Viele Jagdschutzorgane haben einen guten Job gemacht. Dass es zu wenig war, zeigen die Ereignisse.“ Sie hätten ihn ebenfalls betroffen gemacht. Metzler weiter: „Die TBC ist unser aller Feind.“ Es gelte gemeinsam festzulegen, was getan werden müsse, um die Rotwildbestände weiter zu senken. Diese Forderung zog sich wie ein roter Faden auch durch die Wortmeldungen der Besucher. Ein hartes Durchgreifen sei erforderlich und ein Ende der Seuche nur mit einem landesweit radikalen Schnitt bei Rotwild möglich, verlautete aus dem Publikum. Gleichzeitig brauche es eine Diskussion um die Wildfütterung. „TBC ist auch die Folge einer kompletten Überhege“, befand Franz Burtscher. Und Martin Hager fragte: „Warten wir in den anderen Regionen, bis die Bombe platzt, oder tun wir vorher etwas?“

Die generelle Abschaffung der Wildfütterung hält Reinhard Metzler in der Reduktionsphase für den falschen Zugang. Erst, wenn ein vernünftiges Maß geschafft sei, könne über eine dezentrale Fütterung mit kleinen Rotwildeinheiten geredet werden. Dieses vernünftige Maß zu erreichen, liegt offenbar jetzt allen am Herzen. Es gehe schließlich auch darum, den gemeinsamen Lebensraum zu erhalten.

Das Interesse am VN-Stammtisch war groß: Rund 400 Personen waren nach Bartholomäberg gekommen, um zuzuhören oder mitzureden.
Das Interesse am VN-Stammtisch war groß: Rund 400 Personen waren nach Bartholomäberg gekommen, um zuzuhören oder mitzureden.