Rhesi-Streitpunkte noch nicht gelöst

Vorarlberg / 28.04.2016 • 19:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Naturparadies am jungen Rhein. Das wird sich bei Rhesi wohl eher nicht spielen. Fotomontage: Naturschutzbund
Naturparadies am jungen Rhein. Das wird sich bei Rhesi wohl eher nicht spielen. Fotomontage: Naturschutzbund

Für große Abschnitte im Rheintal sind die Planungsgrundlagen aber erstellt.

St. Margrethen. Nach der Prüfung aller Stellungnahmen zum Hochwasserschutzprojekt Rhesi (Rhein, Erholung, Sicherheit), fiel jetzt der Startschuss für die Planung des generellen Projekts. Über große Abschnitte des Projekt­raumes vom Illspitz bis zum Rhein gibt es nun konkrete Vorstellungen bezüglich Umgestaltung der Uferlandschaft mit entsprechender Aufweitung des Rhein-Flussbetts.

Allerdings: Über die Vorgehensweise in den sensiblen Abschnitten bei Koblach, im Raum Diepoldsau und im Bereich Fußach/Hard sind noch keine endgültigen Entscheidungen gefallen. Streitpunkt sind dabei mögliche Dammabrückungen in diesen Bereichen, was zum Verlust von nicht unbeträchtlichen Agrarflächen führen würde. Sowohl in Koblach als auch in Fußach wehrt man sich auf Vorarlberger Seite gegen den Verlust von Flächen außerhalb der jetzigen Außendämme. Zumal diese zum Teil in privater Hand sind.

Protest der Landwirte

Vor allem die Landwirte haben ihren Protest schon öfters deutlich formuliert. „Wir werden uns diese Bereiche noch einmal genau ansehen und prüfen, ob eventuell auch Untervarianten mit weniger Bodenverlust für die Eigentümer in Betracht kommen“, betont Rhesi-Projektleiter Markus Mähr (42).

Dem gegenüber stehen diverse Umweltgruppen, die sich in der Plattform „Lebendiger Alpenrhein“ zusammengeschlossen haben. Sie wollen eine groß dimensionierte Variante von Rhesi und betonen immer wieder die Jahrhundertchance für die Natur, die den biologisch fast toten Rhein wieder zum Leben erwecken könnte. Laut „Lebendiger Alpenrhein“ wünschen sich 70 Prozent der Rheintaler die Schaffung eines Naturparadieses am Rhein. Über 5000 Menschen haben dazu eine Onlinepetition unterschrieben.

Ein weiteres ungelöstes Problem ist der mögliche Verlust von Trinkwasserbrunnen. In diesem Zusammenhang haben sich mehrere Rhein-Gemeinden positioniert und vehement die Aufrechterhaltung der Trinkwasserversorgung gefordert. In dieser Frage sei man jedoch ein wesentliches Stück weiter, erklärt Mähr. An diversen Punkten im Rheinvorland wurden Testbohrungen gemacht.

„Haben keine Zeit mehr“

„Wir brauchen ein genehmigungsfähiges Projekt und können im Sinne des Hochwasserschutzes nicht ewig warten“, sagte Landeshauptmann Markus Wallner (48) stellvertretend für die Politik diesseits und jenseits des Rheins. Den VN gegenüber meinte Wallner im Rahmen der Präsentation für den Start des generellen Projekts: „Ich glaube nicht, dass es Damm­abrückungen geben wird. Das würde eine Klagsflut nach sich ziehen, und die Umsetzung dieses wichtigen Projekts würde sich sehr lange hinausziehen. Und wir haben keine Zeit mehr.“

Projektleiter Mähr will die Gespräche mit allen Interessensgruppen bis zum Sommer weiterführen. Das ist die Deadline, die sich die Verantwortlichen für eine Beantwortung der noch ausständigen Fragen gesetzt haben. Bei den von ökologischer Seite gewünschten Dammabrückungen besteht offensichtlich nur noch ein marginaler Spielraum.

Eine interaktive Visualisierung
der Hochwassergefahr ist
unter www.rhesi.org möglich.