Ansturm auf die Wahlkarten

Vorarlberg / 19.05.2016 • 21:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auf dieser Wahlkarte wurde der Name per Hand eingetragen. APA
Auf dieser Wahlkarte wurde der Name per Hand eingetragen. APA

Städte vermelden Rekord bei Wahlkarten. Antrag noch bis am Freitagmittag möglich.

Schwarzach. Corinna Pröll kommt aus Götzis, lebt und arbeitet in Chile. Sie interessiert sich für Politik, hat eine Meinung und will mitbestimmen. Die Briefwahl ermöglicht der 27-Jährigen, den Bundespräsidenten von Österreich zu wählen. Und sie nützt dieses Recht. Genau so wie ihre Freundin in Peru und eine andere Freundin in Thailand. Und genau so wie viele andere Vorarlberger. Wahrscheinlich so viele wie noch nie zuvor. Ein VN-Rundruf in Vorarlbergs Kommunen zeigt: Schon jetzt hat die Zahl der ausgegebenen Wahlkarten ein Rekordhoch erreicht. Und es könnten noch mehr werden. Noch bis heute, Freitag, um 12 Uhr mittags dürfen Wähler eine Wahlkarte abholen.

3000 Wahlkarten in Feldkirch

Das Wahlrecht in Österreich ist an die Staatsbürgerschaft gebunden. Ein Ausländer darf am Sonntag nicht wählen, auch wenn er in Österreich lebt. Österreicher hingegen schon – egal, wo sie wohnen. Dazu müssen sie in ihrer Heimatgemeinde eine Wahlkarte beantragen. In Bregenz haben das bereits 2578 Wahlberechtigte getan. Ein paar werden noch dazu- kommen. „Das ist ein neuer Rekord“, heißt es aus dem Rathaus. Sowohl beim ersten Wahlgang vor vier Wochen als auch bei der vorangegangenen Nationalratswahl haben 2100 Personen per Brief gewählt. Auch im Lustenauer Rathaus spricht man von einem neuen Allzeithoch. 2000 Wahlkarten hat das Amt verteilt. Vor vier Wochen waren es noch 1300. Der Trend zieht sich durch: In Feldkirch sind es laut Meldeamt „sehr viel; das ist überdurchschnittlich“. Und zwar über 3000 Wahlkarten. Zum Vergleich: Für den ersten Wahlgang haben 2200 Feldkircher eine solche Karte beantragt.

In Bludenz sind es aktuell 1300, verglichen mit 857 vor vier Wochen ebenfalls eine deutliche Steigerung. Hohenems hat mit rund 1000 Wahlkarten ebenfalls mehr als beim ersten Wahlgang. Auch das Dornbirner Meldeamt bestätigt, dass „sehr viele“ Wahlkarten ausgegeben wurden, vorläufige Zahlen wollte man aber noch keine nennen.

Zwei Arten von Stimmzettel

Corinna Pröll hat bereits am 4. Mai gewählt, schildert sie den VN via Skype. Sie hat die Wahlkarte schon im Februar beantragt und zusammen mit dem Stimmzettel für den ersten Wahlgang erhalten. Da zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, wer in die Stichwahl einzieht, blieb das Namensfeld für die Stichwahl leer, die Götznerin musste per Hand den Namen ihres Favoriten eintragen. Wer nach dem 24. April eine Wahlkarte beantragt hat, erhielt den aktuellen Stimmzettel mit den Namen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen.

Die Post Chiles ist mit jener in Österreich nicht vergleichbar. Damit ihre Stimme auf keinen Fall verloren geht, hat sich Corinna Pröll ihre Wahlunterlagen in die österreichische Botschaft schicken lassen und später dort wieder abgegeben. Sie wusste schon seit einigen Monaten, dass sie per Brief wählt. Wer erst jetzt bemerkt hat, dass er am Sonntag nicht persönlich zur Urne schreiten kann, hat noch bis heute, Freitag, 12 Uhr mittags Zeit, im Rathaus eine Wahlkarte abzuholen. Sie muss bis zum Wahlschluss am Sonntag in der Gemeinde abgegeben werden.

Sollte die Stimme von Corinna Pröll mitentscheidend sein, wird sie es erst am Montag erfahren. Ihre Stimme wird – wie alle Wahlkarten – erst am Montag ausgezählt und ins Ergebnis einberechnet.