Rückenwind für Modellregion

09.06.2016 • 17:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch in einer Schule der Zukunft werden die Schülerinnen und Schüler aufpassen müssen. Foto: VN/Hofmeister
Auch in einer Schule der Zukunft werden die Schülerinnen und Schüler aufpassen müssen. Foto: VN/Hofmeister

ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer steht Vorarlberger Schulplänen positiv gegenüber.

Schwarzach. Die hartnäckigsten Gegner für eine flächendeckende Schulmodellregion Vorarlberg standen bisher in den Reihen der Bundes-ÖVP. Jetzt könnte diese Front gegen die Einführung einer gemeinsamen Schule mit innerer Differenzierung für alle  Zehn- bis 14-Jährigen in Vorarlberg bröckeln. Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (43), der vergangenen November gemeinsam mit der mittlerweile abgelösten Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (54) die Eckpunkte der Bildungsreform präsentierte, findet großes Lob für das Schulforschungsprojekt, für dessen Umsetzung sich alle Parteien im Vorarlberger Landtag ausgesprochen haben.

Mahrer will dieses Modell nicht als Gesamtschulprojekt sehen. „Es ist dies eine vollkommen neue Schule, ein vollkommen neuer Schulweg. Ich finde es total unfair gegenüber den Vorarlberger Freunden, dass man das immer als Gesamtschulmodell darstellt.“

Einladung nach Wien

Im Gegensatz zu vielen anderen kenne er das Vorarlberger Forschungsprojekt genau, wirft Mahrer indirekt mehreren Politikerkollegen mangelndes Wissen über die Vorarlberger Vorhaben im Bereich Schule vor. Laut Mahrer beinhalten die Empfehlungen des Projekts „neue pädagogische Ingredienzen mit einer totalen inneren Leistungsdifferenzierung. Ich kann mir sogar vorstellen, dass, wenn man das Modell richtig umsetzt, es wesentlich kompetitiver und leistungsorientierter ist als Gymnasien.“

Mahrer will Landeshauptmann Markus Wallner (48) mit dem ganzen für die Erarbeitung des Schulmodells verantwortlichen Team nach Wien einladen, um das Projekt dort zu präsentieren. „Es soll dadurch die Debatte versachlicht werden“, sagt der Staatssekretär, der am Donnerstag auf Besuch in Vorarlberg weilte. Mahrer gibt sich zuversichtlich, dass möglichst bald ein Beschluss zur Bildungsreform zustande kommt. Die Grünen als mögliche Partner bei Beschlüssen, die eine Zweidrittelmehrheit brauchen, fordert Mahrer auf, die Entwicklungen der jetzt aufgesetzten Bildungsreform erst einmal abzuwarten und nicht ideologisch zu bewerten.

Wallner und Mennel erfreut

Bei Landeshauptmann Markus Wallner rennt Mahrer offene Türen ein. „Wir haben wissenschaftlich fundiert und mit Bedacht einen Prozess in Gang gesetzt, der sich nicht auf eine Türschilder-Diskussion reduzieren lässt. Ich fahre mit den Verantwortlichen des Projekts und der Schullandesrätin gerne nach Wien, um unsere Position sachlich darzulegen“, sagt Wallner. Er verstehe nicht, so der Landeshauptmann weiter, dass man einen auf zehn Jahre angelegten, wissenschaftlich begleiteten, Prozess eines Bundeslandes so kritisch sehen könne. „Über diese komische 15-Prozent-Debatte für die versuchte Begrenzung eines Schulversuchs sind wird jedenfalls schon hinweg“, versicherte Wallner. Er appelliert an die Politik in Wien, Vorarlberg nicht zu behindern. Ein Termin für die Präsentation stehe noch nicht fest.

Sehr positiv nimmt auch Schullandesrätin Bernadette Mennel (56) die Äußerungen von Staatssekretär Mahrer auf. „Gerne werden wir in Wien präsentieren, was wir haben, wenn man uns dazu einlädt.“ Es gehe in der Entwicklung von Schule um eine Versachlichung der Diskussion. „Zu dieser Versachlichung beizutragen, sind wir natürlich gerne bereit“, hält Mennel fest.