Notfalltraining so real wie das wirkliche Leben

Vorarlberg / 30.09.2016 • 20:04 Uhr
Diese Puppe kann fast alles, was ein Mensch auch kann.
Diese Puppe kann fast alles, was ein Mensch auch kann.

Bei der Fortbildung arbeitet das LKH Bregenz eng mit dem Roten Kreuz zusammen.

bregenz. Vor dem Eingang zum Schockraum des Landeskrankenhauses Bregenz steht ein Rotkreuz-Wagen. Die Seitentüre ist offen und gibt den Blick frei auf einen Kopf mit Wollmütze. Dahinter piept unablässig ein Überwachungsmonitor. Plötzlich ein sorgenvolles Rufen: „Ist denn da niemand?“ Robert Kramer tritt aus dem Schatten. „Doch, wir sind da“, sagt er und klärt auf. Dieser vermeintliche Notfall ist ein Übungsfall, der Patient nur eine, wenn auch ziemlich echt aussehende Puppe, und jetzt warten alle darauf, dass der konstruierte Einsatz losgeht, die Wirklichkeit von A bis Z durchgespielt wird.

Seit einem Jahr arbeitet das LKH Bregenz bei den internen Schulungen mit dem Roten Kreuz zusammen. Vorher sorgte ein Team der Anästhesie- und Intensivstation für die Weiterbildung. Nach dem Abgang von zwei Kollegen lag es an der leitenden Oberärztin Ingrid Haderer-Matt, das Trainingssystem auf eine neue Basis zu stellen. „Mit dem Roten Kreuz konnte ein professioneller Partner gefunden werden“, freut sich Haderer-Matt. Auch RK-Ausbildungsleiter Andreas Enne spricht von einer tollen Kooperation. Das Rote Kreuz setzt dafür sieben Instruktoren ein. Mittlerweile haben über 300 Personen solche Trainings durchlaufen. „Von der Hebamme bis zum Pförtner“, verdeutlicht Ingrid Haderer-Matt die Breite.

Konsequentes Handeln

Es gibt Trainings für die Basismaßnahmen, die von allen Mitarbeitern regelmäßig besucht werden müssen. „Aber auch erweiterte Notfallmaßnahmen und die Versorgung von Kinder- und Säuglingsnotfällen werden regelmäßig trainiert“, erklärt Andreas Enne. Weihnachten und die Ferien ausgenommen findet  praktisch jede Woche ein Notfalltraining statt. Weil: „Patienten und Angehörige erwarten, dass wir das beherrschen“, wie Haderer-Matt bemerkt. Entsprechend konsequent handelt sie in der Organisation. Bis Dezember 2017 sind alle Reanimationskurse bereits fixiert. Nun wurde der Trainingsplan erweitert und erstmals die Mannschaft des Schockraums mit Notfallszenarien gefordert.

Zuerst erhalten die Teilnehmer theoretische Instruktionen. Danach ist das praktische Können gefordert. Während der Rettungswagen auf der Anfahrt ist, wird im Schockraum alles vorbereitet. Die Übergabe des Patienten läuft wie am Schnürchen. Die Sanitäter ziehen sich zurück, die Schockraum-Mannschaft übernimmt. Die Disziplinen entsprechen den Anforderungen des Notarztes. „Was er sagt, wird getan“, bestätigt Ingrid Haderer-Matt, die aus einer Ecke heraus das Geschehen verfolgt.

Nachbesprechung

Nach einigen Untersuchungen steht die Diagnose fest: Vorderwandinfarkt. Sofort wird der Transfer des Patienten ins LKH Feldkirch vorbereitet. Genauso sorgfältig, genauso penibel. Als die Rotkreuz-Mitarbeiter die Trage zum Auto rollen, lässt die Anspannung im Schockraum spürbar nach. Die Arbeit ist getan. In der Nachbesprechung gibt es aber noch Diskussionsbedarf. Doch es sind Kleinigkeiten, die besser gemacht werden könnten. Alles in allem sind Haderer-Matt und Enne zufrieden: „Toller Ablauf, konstruktives Miteinander“, loben sie.

Mit viel Umsicht und Routine gehen Ärzte, Pflegepersonal und Rettungssanitäter auch bei Übungen zu Werke. Fotos: vn/hofmeister
Mit viel Umsicht und Routine gehen Ärzte, Pflegepersonal und Rettungssanitäter auch bei Übungen zu Werke. Fotos: vn/hofmeister